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Paul Nash „The Menin Road“ (1919)

Berlin - Der Engländer Paul Nash war ein äußerst vielseitiger Künstler. Als Graphiker, Zeichner, Maler, Fotograf, Autor sowie Designer von Gebrauchskunst tat er sich hervor; er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der frühen Moderne in England mit deutlichen Bezügen zum Surrealismus, wobei er jedoch eine große Eigenständigkeit aufwies.

Geboren wurde er 1889 in Kensington, London, der Vater war Anwalt. Er wuchs ab 1902 in Buckinghamshire auf und entschied sich 1907 für den Künstlerberuf. Ab 1908 besuchte er die London County Council School of Photo-engraving and Lithography. 1910 starb die seit langem schwerkranke Mutter in einer Nervenheilanstalt. Zwei Freunde, der Maler, Graphiker und Autor William Rothenstein sowie der Dichter Gordon Bottomley, erkannten seine Fähigkeiten als Maler und rieten ihm zum Besuch der Slade School in London; von 1910 bis 1911 nahm er dort Kurse. Das Zeichnen von Figuren lag ihm jedoch nicht, weshalb er dieser Institution den Rücken zukehrte und sich dem Landschaftsaquarell widmete, wo er es zu einiger Brillianz brachte. 
In jener Zeit wurden die Postimpressionisten in London bekannt, und Nash konnte 1912 erstmals in der Carfax Gallery seine Werke zur Schau stellen, wenig später zeigte sie auch der New England Art Club. Nash ließ sich durch den Dichter William Blake, den romantischen Maler Samuel Palmer und Dante Gabriel Rosetti, den Begründer der präraffaelitischen Strömung, inspirieren. 1914 wurde er Mitglied der London Group, welcher zahlreiche bedeutende Vertreter des englischen Postimpressionismus, darunter Walter Sickert, Wyndham Lewis und Spencer Gore, angehörten. 
Während des Ersten Weltkrieges meldete er sich zu den Artists‘ Rifles, einer speziellen Abteilung der britischen Armee, in welcher sich insbesondere Personen aus künstlerischen und geistigen Berufen zusammenfanden, die bereit waren, ihr Können in den Dienst des Militärs zu stellen. Er fertigte an der Westfront zahlreiche Kriegszeichnungen, die großen Anklang fanden. Ab 1917 fing er an, seine Kriegserlebnisse im Dienst des War Propaganda Bureau auch in Ölgemälden wiederzugeben, eine Arbeit, die seinem Herzen wohl eher fernlag, wie aus seinen Briefen hervorgeht. In zahlreichen Bildern, die nicht gerade als propagandistische Verklärung zu verstehen sind, wie „We Are Making a New World“ (1918) oder „Wire“ (1919), in denen er die Zerstörungen des Krieges darstellte, erreichte er jedoch eine große Originalität und künstlerische Höhe. 
In den frühen 1920er Jahren befaßte Nash sich unter anderem erneut mit Landschaften, doch auch mit Blumenstilleben. 1924 und 1925 gab er zeitweise Unterricht an der Design School des Royal College of Art, 1927 wurde er Mitglied der London Artists Association. In jenen Jahren hatte Nash einige erfolgreiche Ausstellungen. Inhaltlich wandte er sich zusehends von der Landschaft ab und begann, unter dem Einfluß des Giorgio de Chirico, abstrakte Elemente zu verarbeiten und sich den Surrealisten anzunähern, ohne dabei je seine Eigenständigkeit aufzugeben. 
Er wurde einer der Wegbereiter der Moderne in England, und 1933 wurde er zum Mitbegründer der Vereinigung Unit One, welche zwar recht kurzlebig war, doch von einigem Einfluß auf die Entwicklung der englischen Avantgarde. Weitere Mitglieder aus dem Feld der Malerei waren John Armstrong, John Bigge, Edward Burra, Frances Hodgkins, Ben Nicholson und Edward Wadsworth. Erste Aufenthalte bei Avebury und Stonehenge 1933 beeindruckten ihn gewaltig; die frühzeitlichen Kultstätten kamen seinem Hang zum Mystizismus entgegen und fanden Eingang in das Werk. 
Von 1934 bis 1936 zog er nach Swanage, Dorset, wo er hoffte, Besserung seines Asthmas zu erzielen, und fand, die vielseitige Landschaft habe „gewisse surrealistische Qualitäten“. Dieses Bekenntnis zum Surrealismus war nun offen, und 1936 war er auch an der Organisation der „International Surrealist Exhibition“ in London beteiligt, wo er zudem einige Werke ausstellte. Die Arbeiten jener Jahre, in welchen sich archaische Elemente, die oft mit druidischen Ritualen in Verbindung gebracht werden, mit der Traumstimmung der surrealistischen Strömung der Moderne verbinden, sind vielleicht seine bedeutendsten. 
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges befaßte Nash sich erneut vorrangig mit der Kriegsmalerei. Er starb 1946 in Boscombe (Hampshire, heute Dorset) an einem Herzversagen infolge seines langen asthmatischen Leidens. Die Londoner Tate Gallery gab 1948 eine große Gedenkausstellung, welche auch von Elisabeth I. besucht wurde.

Verweise: 
http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-britain/exhibition/paul-nash
https://www.theguardian.com/artanddesign/2016/oct/14/from-english-woodlands-to-war-pioneering-paintings-of-paul-nash

Paul Nash – druidische Mystik, Krieg und Surrealismus https://art-depesche.de/images/Nash_Paul_-_The_Menin_Road_-_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese