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Theo van Gogh in 1878 | Nationaal Archief Nederland

Berlin - Der wohlhabende Gaius Cilnius Maecenas unterstützte in der Zeit des Augustus Dichter wie Vergil oder Horaz und wurde zum Namensgeber des freigiebigen Kunstförderers, zum Prototypen der Menschengattung der Mäzene. Ein bedeutender Mäzen des späten 19. Jahrhunderts war ein Holländer namens Theo van Gogh.

Er wurde 1857 geboren, als jüngerer Bruder des späteren Malers Vincent van Gogh (1853-1890) und Neffe des ebenfalls Vincent van Gogh heißenden Kunsthändlers (1820-1888). Letzterer, von den beiden Brüdern Onkel Cent genannt, führte Theo in die Branche ein. Bei seiner Tätigkeit bei der namhaften Kunsthandlung Goupil & Cie, deren Teilhaber sein Onkel war, bewährte er sich und konnte es zu einem gewissen Wohlstand bringen, welcher ihm die Unterstützung seines stets in seelischen und finanziellen Nöten befindlichen Bruders ermöglichte.

Zur Weltausstellung 1878 rief ihn sein Arbeitgeber nach Paris, wo er von 1881 bis 1890 die Zweigstelle auf dem Montmartre leitete. In dieser Zeit soll er über 1000 Gemälde verkauft haben. 1886 lud er Vincent zu sich ein und machte ihn mit Henri Rousseau, Paul Cézanne, Camille Pissarro, Georges Seurat und Paul Gauguin bekannt. Als Vincent sich 1888 nach Arles wandte, wo er eine Künstlerkolonie zu gründen gedachte, überzeugte Theo Gauguin, sich Vincent anzuschließen und übernahm die Reisekosten. Daß die beiden Künstler dort nicht nur schöpferisch waren, sondern sich auch überwarfen, resultierend in dem bekannten ohrverletzenden Streit, dürfte der Mäzen nicht geplant haben.

Theo van Gogh liebte und bewunderte seinen älteren Bruder und war dessen wichtigste und dauerhafteste Bezugsperson, einer der wenigen, denen der seelisch schwer zerrüttete Maler vertraute. Die erhaltenen Briefe Vincents an ihn sind das wichtigste Zeugnis der van Gogh-Forschung. Der Selbstmord Vincents im Juli 1890 war ein Schlag, von dem Theo sich nicht mehr erholen sollte. Es heißt, das Zusammentreffen aus der Überarbeitung, Traurigkeit wegen des Todes seines Bruders und dem eigenen angeschlagenen Gesundheitszustand in Folge einer Syphiliserkrankung hätten zu seinem Zusammenbruch im Oktober geführt, und die Familie ließ ihn in eine Nervenheilanstalt überführen. Theo van Gogh starb bereits im Januar 1891 im Alter von lediglich 33 Jahren. Es scheint, als sei der erfolgreiche Kunsthändler als Schatten eines zu Lebzeiten verkannten Genies diesem gefolgt. Seine Leiche wurde 1914 exhumiert und neben seinem Bruder neu begraben.

Indes tut man Theo van Gogh Unrecht, wenn man seine Rolle auf die des Freundes und Förderers seines Bruders reduziert. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst, daß Künstler aus dem Umfeld der Impressionisten und Postimpressionisten wie Claude Monet und Edgar Degas einem größeren Publikum bekannt werden konnten, denn er schaffte es, als Angestellter der Kunsthandelsgesellschaft Goupil & Cie seinen Brötchengeber zu überzeugen, Werke dieser bis dahin wenig anerkannten Künstler auszustellen und aufzukaufen. Die Werke seines Bruders soll er jedoch als loyaler Angestellter nur auf Anfrage gezeigt haben, verkauft hat er keins. Vincent van Gogh wurde erst posthum berühmt.

Mäzen hinter dem Genius - Der Kunsthändler Theo van Gogh https://art-depesche.de/images/Theo_van_Gogh_1872_700px.jpg Ruedi Strese