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Johan Rohde „Sildig Aften ved Havnemolen i Hoorn“ (1893)

Kopenhagen - Auch in Dänemark begannen Ende des 19. Jahrhunderts Künstler gegen die alleinige Gültigkeit der gleichsam technisch anspruchsvollen, doch strengen Regeln verhafteten und somit den individuellen Ausdruck einschränkenden akademischen Malweise zu rebellieren und sich selbständig zu organisieren. Zu den wichtigsten Protagonisten dieser Bewegung gehörte Johan Rohde, dessen eigenes Werk im Wesentlichen zwischen Symbolismus und Postimpressionismus eingeordnet werden kann.

Geboren wurde er 1856 als Johan Gudmann Rohde in der Hafenstadt Randers in Ost-Jütland. Der Vater war Kaufmann. Rohde studierte 1875 zunächst Medizin und leistete seinen Wehrdienst als Schiffsarzt. 
Seine künstlerische Ausbildung begann er mit privaten Unterrichtsstunden bei dem vor allem mit Portraits und Genreszenen hervorgetretenen Wenzel Tornöe. 1881 trat er in die Vorbereitungsklasse der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen ein, verließ die Akademie jedoch im Folgejahr bereits wieder, da er mit deren Ablehnung zeitgenössischer Strömungen nicht zurechtkam und gründete mit einigen anderen die „Kunstnernes frie Studieskoler“ („Freie Künstlerstudienschulen“. Dort ließ er sich von 1883 bis 1887 von dem Impressionisten Peder Severin Kröyer und Laurets Tuxen, welcher eher dem Realismus zuneigte, unterrichten (beide gehörten zur Künstlerkolonie der Skagen-Maler) und lehrte später auch selbst. 
Seine erste Ausstellungsteilnahme war die Frühjahrsausstellung 1888 der zur Akademie gehörenden Kunsthal Charlottenborg. Später im Jahr begann, in seinem eigenen Atelier Ausstellungen eigener Arbeiten sowie von der Akademie abgelehnter junger Künstler zu veranstalten. 1890(91?) gründete er aus der gleichen Motivation unter anderem mit Jens Ferdinand Willumsen, Harald und Agnes Slott-Möller und Christian Mourier-Petersen heraus nach dem Vorbild des französischen „Salon des Refusés“ „Den Frie Udstilling“ („Die Freie Ausstellung“), wo er bis zum Lebensende seine Werke darbot. 
In seinem Leben entfaltete Rohde eine umfassende Reisetätigkeit, wo er sich bildete und Künstlerkontakte aufbaute. So bereiste er 1887 Paris und Spanien, um sich an Kopien von Diego Velázquez und Francisco de Goya zu versuchen; 1889 ging es nach Belgien und Holland. Er freundete sich mit Edvard Munch an und gehörte zu den frühesten Künstlern, die van Goghs Größe erkannten – 1892 erwarb er in Paris eines von dessen Bildern und 1893 veranstaltete er im Rahmen von „Den Frie Udstilling“ die erste Werkschau van Goghs in Dänemark. Mehrfach besuchte er Italien, auch Griechenland, Berlin, Leipzig und London gehörten zu seinen Zielen. Ein guter Kontakt bestand auch zu Walter Leistikow sowie der Künstlerkolonie Worpswede. 
Von den 1890er Jahren an ließ er sich in seinen Arbeiten, seinen melancholischen nordischen Landschaften und Portraits, deutlich vom Symbolismus beeinflussen, manches erinnert an Gauguin und Les Nabis; es finden sich Tendenzen zur Abstraktion. Zu erwähnen ist auch, daß sich Rohdes Schaffen bei weitem nicht auf die Malerei beschränkte. Er fertigte Druckgraphiken, gestaltete Bücher und entwarf Möbel und Gebrauchskunst aus Silber. Hiermit befindet er sich auch in deutlicher Nähe zum Art Nouveau bzw. Jugendstil. 
Als Sammler von Kunst und Antiquitäten machte er sich gleichfalls einen Namen. Auch seine letzten Lebensjahre waren durchaus erfolgreich. 1927 nahm er in Brooklyn, New York an der Danish National Exhibition teil, 1934 wurde er von der Akademie mit der Thorvaldsens Medalje ausgezeichnet. Er starb 1935 in seinem Haus im nicht weit von Kopenhagen entfernten Hellerup. Seine Bedeutung ist nicht allein in seinem Oeuvre zu suchen, sondern vielleicht mehr noch in seiner Rolle als Türöffner und unermüdlicher Förderer der Kunstströmungen seiner Zeit.

Verweise: 
http://www.artnet.com/artists/johan-rohde/past-auction-results
http://www.broehan-museum.de/pdf/pm2006_10-11_auszug.pdf

Johan Rohde – ein Wegbereiter der dänischen Moderne https://art-depesche.de/images/Johan_Rohde_-_Fin_de_soire_sur_le_mle__Hoorn.jpg Ruedi Strese