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Willem Witsen „Prins Hendrikkade in Amsterdam“ (Aquarell, 1891)

Berlin - Eine hierzu ganz zu Unrecht weitgehend vergessene Bewegung in der Malerei ist der „Amsterdamer Impressionismus“. Dabei kann diesem eine gar nicht geringe Zahl von Künstlern zugerechnet werden, welche durchaus Beachtung verdient haben. Einer der interessantesten und originellsten mit dieser Strömung assoziierten Vertreter war der Grafiker, Fotograf, Schriftsteller, Zeichner und Maler Willem Witsen.

Die Witsens waren eine alteingesessene Amsterdamer Regentenfamilie. In diese wurde Willem 1860 hineingeboren. Künstlerische Neigungen waren in der Familie nicht fremd, Vater Jonas Jan war bereits Grafiker. Von 1876 bis 1884 studierte er an der Reichsakademie der Bildenden Künste in Amsterdam, 1881 verbrachte er einige Zeit in Antwerpen. Während des Studiums war er Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung Sint Lucas; 1885 wurde er zum Begründer des „Niederländischen Radierclubs“. 
Er war zudem Mitglied der „Achtziger“, einer Gruppe welche „die Kunst um der Kunst willen“ proklamierte, gleichzeitig jedoch nicht nur in der künstlerischen, sondern auch in der politisch-intellektuellen Sphäre Einfluß hatte. Unter einem Pseudonym verfaßte er Artikel für die 1885 ins Leben gerufene Literaturzeitschrift „De Nieuwe Gids“. Zu seinem Freundeskreis gehörten mit Hendrik Breitner, Jan Veth und Isaac Israels herausragende Vertreter des Amsterdamer Impressionismus sowie eine ganz Reihe von Schriftstellerkollegen, unter denen ihm Willem Kloos besonders nahestand und der sogar einige Gedichte auf ihn verfaßte. 
Die Jahre 1888 bis 1891 verbrachte er in London, wo er das rauschhafte Werk James McNeill Whistlers (ebenfalls eines entschiedenen Verfechters des ästhetizistischen „l‘art pour l‘art“) kennen und lieben lernte. Die Folgejahre verbrachte er an verschiedenen Orten in Holland, bis er 1899 nach Amsterdam wiederkehrte und sich dort der Künstlervereinigung „Arti et Amicitiae“ zugesellte. 
Seine erste Einzelausstellung 1895 war wenig erfolgreich, die trüben und melancholischen Bilder niederländischer Städte wirkten ungewohnt; der Erfolg stellte sich erst einige Jahre später ein. Besonders seine Aquarelle fanden jedoch schließlich großen Anklang. In späteren Jahren fand Witsen auch im Ausland Beachtung, darunter in Frankreich und den USA. Als er 1923 in seiner Heimatstadt starb, war er doch mit einigen Ehrungen versehen worden. 
Tatsächlich orientierte sich Witsen stilistisch weit eher an Whistler als an den französischen Impressionisten wie Monet oder Pissarro. Er nahm jedoch die Erfahrungen des Impressionismus vor allem hinsichtlich des Spiels des Lichtes auf, bediente sich dabei allerdings nicht der typischen leuchtenden Farben, sondern schuf dunkel-atmosphärische, verschwommen wirkende Landschaften und Städteansichten, wobei er sich hier nicht nur als Maler, sondern nicht zuletzt auch als Meister der Zeichnung und Radierung hervortat.

Willem Witsen – Whistlers Erbe im Amsterdamer Impressionismus https://art-depesche.de/images/Witsen.jpg Ruedi Strese