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Charles- François Daubigny „Der Frühling“ (1862)

Berlin - Daubigny gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der Freilichtmaler der Schule von Barbizon. Er bemühte sich, die Natur möglichst realistisch und schlicht darzustellen, frei von poetischer Verklärung. Dennoch schuf er überaus schön anzusehende Bilder und bewies damit im Grunde lediglich die Schönheit der Natur als solche. Er wurde zu einem der wichtigsten Wegbereiter des Impressionismus.

Geboren wurde er 1817 in Paris in eine Künstlerfamilie. Seinen Unterricht erhielt er bei seinem Vater Edmond François Daubigny sowie seinem Onkel, dem Miniaturmaler Pierre Daubigny, später auch bei dem akademischen Historienmaler Paul Delaroche.

Ab 1938 nahm er mit im klassisch-realistischen Stil gehaltenen Landschaften an Ausstellungen teil. 1843 ließ er sich jedoch in Barbizon nieder, wo er sich mit der Pleinairmalerei befaßte. 1852 traf er Camille Corot, der einen starken Einfluß auf ihn hatte, und auch die Werke Gustave Corbets prägten ihn von jener Zeit an. Er hatte sein Botin getauftes Boot in ein Atelier umgewandelte und fuhr mit diesem ab 1857 malend auf der Seine und der Oise, vor allem in der Region um Auvers, welche später auch für van Gogh eine Rolle spielte. Die Malerei vom Boot aus inspirierte Claude Monet, der Daubigny spätestens seit dessen Arbeiten für den Salon 1859 bewunderte, später das Gleiche zu tun.

Romantiker wie Théodore Rousseau, die ebenfalls in der Schule von Barbizon malten, gaben seiner Meinung nach die Landschaften poetisch und subjektiv wieder, was er zu ändern suchte. Nur die möglichst schmucklos dargestellte Natur selbst wollte er gelten lassen, die Persönlichkeit des Malers sollte dabei zurücktreten. Man könnte natürlich sagen, daß dies gegen den erklärten Willen Daubignys damals ein besonders individualistischer Ansatz war.

Er schuf zahlreiche Skizzen, oft Aquarelle, für die er absichtlich besonders unscheinbare Motive wählte – auch wieder ein sehr subjektives Kriterium. Dennoch wurden diese gerade in ihrer Bescheidenheit von Kunstfreunden als poetisch und hübsch empfunden.

In seinen für die Ausstellungen geschaffenen Gemälden gab er sich Mühe, diese ungeschliffene und spontane Wirkung zu bewahren und schuf damit einen etwas rauhen, doch keineswegs reizlosen Stil, welcher den späteren impressionistischen Ansatz bereits vorwegnahm und der damals keineswegs unumstritten war.

1866 ging er nach England, wo er 1868 in London Monet traf. Im Salon dieses Jahres hatte sich Daubigny als Vorsitzender der Jury leidenschaftlich für die zukünftigen Impressionisten eingesetzt und so kam es, daß Monet, Manet, Sisley, Pissarro, Bazille, Degas, Morisot und Renoir dort ausstellen durften, was einer Revolution der Jugend gleichkam.

Doch es war ein verfrühtes Wetterleuchten, die Zeit der Impressionisten war noch nicht gekommen: 1870 konnte Daubigny diesen Erfolg nicht wiederholen, so daß er vom Vorsitz der Jury zurücktrat. Immerhin gelang es ihm, Monet in einer Gruppenausstellung in London unterzubringen. Später traf und beeinflußte Daubigny auch Paul Cézanne. Als er 1878 in Paris starb, hatte er unbestreitbar einen tiefen Eindruck in der Kunstwelt hinterlassen.

Charles-François Daubigny und die herbe Schönheit der Pleinairmalerei https://art-depesche.de/images/Charles-Franois_Daubigny_-_Le_printemps_-_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese