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Ernst Friedrich von Liphart „Nikolaus II.“ (1914)

Berlin - Die Portraits des aus einer baltendeutschen Adelsfamilie stammenden Barons Ernst Friedrich von Liphart atmen deutlich spürbar aristokratischen Geist. Er war als Kunstkenner und Sammler von Rang; sein Leben kam zudem unmittelbar mit den Stürmen der Geschichte in Berührung.

Dem Geschlecht von Liphart gehörte seit der Mitte des 18. Jahrhunderts das Landgut Raadi in der estnischen Gemeinde Vastseliina. Die Familie, in welche Ernst Friedrich 1847 in Kambja bei Tartu geboren wurde, war der Kunst von jeher zugeneigt; Vater Karl Eduard war nicht nur als Mediziner und Naturwissenschaftler tätig, sondern auch ein bedeutender Kunsthistoriker und -sammler. Von 1860 an bereits begleitete Ernst den Vater auf Reisen nach Italien, wo dieser Kunstwerke für die Sammlung der Großherzogin Maria Nikolajewna, Tochter des Zaren Nikolaus I, kaufte. 
1863 ließ sich die Familie in Florenz nieder, wo er sich unabhängig weiter mit Kunst befaßte. Später studierte er bei dem „Münchner Malerfürsten“ Franz von Lenbach, der mit seinen an den alten Meistern angelehnten Portraits so etwas wie eine „konservative Revolution“ in der Malerei anstrebte. Von 1866 bis 1868 begleitete er Lenbach auf einer von dessen Mäzen, dem Kunstsammler Graf Schack, finanzierten Studienreise durch Spanien. 
1873 konvertierte er zum Katholizismus, um eine florentinische Dame heiraten zu dürfen, worauf sein Vater ihn enterbte. Dies eröffnete ihm jedoch anscheinend auch neue Spielräume, denn anschließend ging er nach Paris, wo er bei zwei herausragenden Lehrern, namentlich Gustave Boulanger und Jules Joseph Lefebvre, an der Académie Julian studierte. In jenen Jahren war er auch als Illustrator der Zeitschriften „La vie élégante“ und „La vie moderne“ tätig. 
1886 zog er nach Sankt Petersburg und machte sich dort als Maler einen Namen, des Weiteren unterrichtete er an der Zeichenschule der kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste; Jewgeni Jewgenjewitsch Lansere (Eugene Lanceray) dürfte sein bekanntester Schüler sein. Mehrmals porträtierte er den Zaren Nikolaus II. 1906 wurde er zum Kurator der Gemäldegalerie der Petersburger Eremitage ernannt, schon damals eines der wichtigsten Kunstmuseen der Welt. Es gelang ihm, bedeutende Werke u.a. da Vincis für das Museum zu erstehen; den Posten sollte er trotz der Oktoberrevolution bis 1929 behalten. 
Dennoch hatte die Revolution 1917 schwerwiegende Folgen für Ernst Friedrich von Liphart. Die Kunstsammlung der Familie wurde beschlagnahmt, er selbst verlor 1921 seine Wohnung, und seine Tochter hingerichtet, da sie einem Offizier der weißen Truppen Unterschlupf gewährt hatte. Vor seinem Tod 1932 verfaßte er noch einen Roman und ein Theaterstück. 
Er schuf realistische Porträts von hoher Qualität, doch auch historische und mythologische Arbeiten, wobei er sich nicht nur der Ölmalerei, sondern auch der Zeichnung und des Kupferstiches bediente. In einigen seiner Arbeiten finden sich, wenn man so will, allerdings auch symbolistische Anklänge. Dies ließe sich etwa bei „Maria Magdalena“ und anderen Aktbildern zu biblischen Themen vertreten. 

Verweise: 
http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/txt/wz-8476.pdf

Ernst Friedrich von Liphart – Maler und Kunstkenner im Dienste des Zaren https://art-depesche.de/images/Nicholas_II_by_E.Lipgart_1914_Russian_museum.jpg Ruedi Strese