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George Hyde Pownall „Piccadilly Circus“

Berlin - Ein überaus fähiger Maler meist kleinformatiger Städteansichten, dessen Werk viel zu wenig Beachtung findet, war George Hyde Pownall. Er wird mit seinen stimmungsvollen Bildern weitgehend dem englischen Impressionismus zugerechnet, wobei er dessen lockere Pinselführung mit Liebe zum Detail verband, womit er eher in die Traditionslinie eines John Atkinson Grimshaw (1836-1893) oder auch James Abbott McNeil Whistler (1834-1903) gehört.

Geboren wurde er 1866 (auch 1876 ist fälschlicherweise zu lesen) in Radcliffe-on-Trent in der mittelenglischen Grafschaft Nottinghamshire. Der Vater war Gärtner, die Mutter Journalistin. 1881 zog die Familie nach Lenton, gleichfalls in Nottinghamshire. Mit etwa 14 Jahren wurde er dort zum Gehilfen eines Kunsthändlers. 
1891 zog er nach London, wo er zunächst wieder als Gehilfe eines Kunsthändlers arbeitete. 1894 heiratete er; von den fünf aus der Ehe entstandenen Kindern sollten drei in recht jungen Jahren sterben. In diesen Jahren befaßte sich Pownall neben seiner Arbeit ausführlich mit der Malerei, wobei eine formale Ausbildung nicht nachzuweisen ist. Dennoch erreichte er mit seinen Stadtansichten in London bald einige Bekanntheit, auch in Liverpool, Leeds und Nottingham konnte er ausstellen. 
Seine zahlreichen meist kleinen Arbeiten fertigte er in rascher, doch gekonnter Weise und signierte sie mit verschiedenen Kürzeln, als Geo Hyde, GH Pownall, Geo Pownall oder GHP. Die Ansichten zeigen die Industriestadt London in einer fast mystisch anmutenden Stimmung, Rauch, Nebel, Nacht, gedämpftes Licht und dessen Reflektionspielen eine große Rolle. Die Arbeiten Grimshaws, der sich zuvor auf Städte im Mondlicht spezialisiert hatte, könnten Pownall beeinflußt haben, auch wenn dies nicht unmittelbar zu belegen ist. 
Seine größte Bekanntheit hatte er indes einem ganz anderen Bereich der Kunst zu verdanken, nämlich der Musik. Er hatte an der Königlichen Musikschule studiert und brachte es zu einem angesehenen Tenor, überdies tat er sich als Komponist, Pianist, Dirigent und Verfasser von Liedtexten hervor. 
Seine Kontakte als Musiker waren es auch, welche ihn 1911 zum Übersiedeln nach Australien brachten, wo er sich in Melbourne niederließ (die Familie zog einige Jahre später erst nach). Auch hier widmete er sich der Musik, eher leichter Unterhaltung, und malte in seiner Freizeit, weiterhin meist kleinformatige Stadtansichten. Es scheint, daß er sich hier unmittelbar von Postkarten inspirieren ließ. Eine besondere Vorliebe hatte er auch für öffentliche Ereignisse sowie Monumente der Industrie und Technik; einige Bühnenbilder für Theateraufführungen schuf er ebenfalls. 
Eine große Ausstellungstätigkeit in Australien scheint nicht nachweisbar, und auf seiner Todesanzeige von 1939 war als Beruf „Musiker“ angegeben (auch für das Todesjahr gibt es allerdings verschiedene Angaben...). Einige seiner Arbeiten sind indes im Stadtrat von Melbourne zu besichtigen. Auf Kunstauktionen werden immer wieder Bilder Pownalls angeboten; sie sind in jedem Fall von einigem Reiz.

Verweise: 
https://www.slv.vic.gov.au/sites/default/files/La-Trobe-Journal-90-Michael-E-Humphries.pdf

George Hyde Pownall, Maler atmosphärischer Stadtlandschaften https://art-depesche.de/images/george_hyde_pownall_piccadilly_circus_d5375536g.jpg Ruedi Strese