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Henri Edmond Cross "Kap Layet" (ca. 1904), Neue Pinakothek München | Quelle: ART DEPESCHE

München - Der Begriff Neoimpressionismus wird weitgehend als Unterbegriff des Post-Impressionismus und deckungsgleich mit dem des „Pointillismus“ verwendet. Allerdings stammt „Neoimpressionismus“ aus der Kunstkritik; es war der Journalist Félix Féneon, welcher den Begriff 1886 zur Abgrenzung der Malerei Georges Seurats vom „klassischen“ Impressionismus einführte. Seurat selbst sprach von „Divisionismus". „Pointillismus“ ist hingegen die von Paul Signac, einem anderen bedeutenden Vertreter der Richtung, gewählte Selbstbezeichnung. Pointillismus läßt sich als Punktierstil übersetzen: das Darzustellende wird nach einem durchaus „berechenbaren“ System in kleine, regelmäßige Farbtupfer aufgegliedert, Simultankontraste benachbarter Farben werden planmäßig eingesetzt. Erst aus einer gewissen Entfernung formen sich die Gestalten. Diese schematische Vorgehensweise der Pointillisten hat zu der Fragestellung geführt, ob es sich dabei überhaupt um Kunst handele...

Zu einem der wesentlichen Vertreter der Richtung gehörte jedenfalls auch Henri Edmond Cross. Geboren wurde er 1856 als Henri-Edmond Delacroix, sein künstlerisches Talent wurde früh entdeckt und gefördert. Ab 1878 lernte er bei Alphonse Colas in Lille, seine frühen Werke sind dem Realismus zuzurechnen. 1881 ging er nach Paris und setzte seine Ausbildung unter anderem bei Francois Bonvin fort. Dort änderte er seinen Namen in Henri Cross, um Verwechslungen mit dem Romantiker Eugène Delacroix zu entgehen und lernte Paul Signac kennen. Sein Werk in dieser Zeit widmete sich schwerpunktmäßig der Pleinairmalerei, die Landschaftsdarstellungen standen unter dem Einfluß der bereits recht etablierten Impressionisten wie Claude Monet und  Camille Pissarro. Einige Jahre später änderte er seinen Namen erneut, wiederum um Verwechslungen zu vermeiden, diesmal mit einem Henri Cros, und wurde zu Henri-Edmond Cross.

1891 starb Georges Seurat, und in diesem Kontext begann Cross, sich für den Neoimpressionismus zu interessieren. Der Kontakt mit Paul Signac wurde zudem intensiver, und mit diesem und anderen Vertretern der Richtung, wie Theo van Rysselberghe, nahm er 1898 an der ersten neoimpressionistischen Ausstellung in Deutschland teil. Von den frühen bis mittleren 1890er Jahren folgte er recht streng dem pointillistischen Verfahren der regelmäßig angeordneten Farbtupfer, welche erst im Auge des Betrachters ein zusammenhängendes Bild ergeben sollten.

Später begann er mit eigenen Experimenten; die Farbtupfer wurden breiter und kräftiger, durch freie Zwischenräume entstand ein mosaikähnlicher Eindruck. Henri Matisse besuchte ihn 1904 und zeigte sich schwer beeindruckt; Cross kann auch durch diesen direkten Einfluß als einer der Vorreiter moderner Strömungen wie Fauvismus und Kubismus gelten. 1905 hatte er in Paris seine erste eigene Ausstellung, welche zu einem großen Erfolg wurde. Die letzten Lebensjahre stehen unter dem Doppelstern umfassenden künstlerischen Schaffens und öffentlicher Anerkennung bei gleichzeitig zunehmenden gesundheitlichen Schwierigkeiten; im Mai 1910 fiel er einem Krebsleiden zum Opfer.

 

Hinweis:

http://www.henriedmondcross.org

Henri Edmond Cross - Vom Realismus zur Proto-Moderne https://art-depesche.de/images/IMG_0797_1024px.jpg Ruedi Strese