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John Robert Cozens „Isola Bella on Lago Maggiore“ (Aquarell, vermutlich 1773)

Frankfurt am Main - John Robert war einer der herausragendsten britischen Künstler des 18. Jahrhunderts. In zahlreichen brillianten Zeichnungen und Aquarellen gab er Zeugnis seiner romantischen Landschaftsauffassung und beeinflußte kommende Künstlergenerationen.

Geboren wurde er 1752 in London. Sein Vater, der in Rußland geborene, doch englischstämmige Alexander Cozens (1717-1786) war bereits ein berühmter Aquarellist und Zeichenlehrer, und so fiel der Apfel in diesem Fall nicht weit vom Stamm, als der Junge den ersten Zeichenunterricht nahm – bei seinem eigenen Vater; 1767 bereits waren erste Zeichnungen in einer Ausstellung der in London ansässigen Society of Artists zu betrachten, und 1776 war bei der Royal Academy ein großes Ölgemälde zu sehen.

Entscheidend für die Entstehung seines reifen Stils waren zwei Auslandsreisen, wobei die erste von 1776 bis 1779 ihn in die Schweiz und nach Italien führte, wo er sich vornehmlicher alpiner Landschaften annahm; eine weitere Reise 1782/83 führte ihn in Begleitung des Schriftstellers William Beckford, der ebenfalls bei Alexander Cozens Zeichenunterricht genommen hatte, neuerlich nach Italien, wobei er sich vor allem in Neapel aufhielt.

In diesen Jahren entstanden Meisterwerke lyrischer Landschaftsaquarelle voller Anmut und mystischer Atmosphäre, welche zahlreiche spätere Künstler, darunter Thomas Girtin und William Turner beeindruckten und inspirierten (jene beiden übten sich auch an Kopien seiner Werke). John Constable bezeichnete ihn als das „größte Genie, welches je die Landschaft berührt hat“. Dabei blieben mit den deutlichen Strichen und der zurückhaltenden Farbgebung in Blau, Grün und Grau die Wurzeln Cozens’ in der Zeichnerei stets erkennbar.

1789 veröffentlichte Cozens eine Serie „Zeichnungen des allgemeinen Charakters… von Waldbäumen“, welche er der Royal Academy überlassen wollte, von der diese jedoch abgelehnt wurde, da sie „keine richtige Kunst“ sei.

1793 erlitt er einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Londoner Nervenklinikum Bethlem Royal Asylum eingewiesen, wo er die letzten Jahre seines Lebens bis 1797 unter der Obhut des Mediziners Thomas Monro verbrachte. Dieser war nicht nur Hobbyzeichner, sondern auch Kunstsammler. Er erkannte die Genialität der Arbeiten Cozens’ und kaufte dessen Bestände. Ein im Jahr 2010 versteigertes Aquarell aus dem Jahr 1777 erzielte einen Preis von 2,4 Millionen Pfund – der höchste Preis, der je für ein britisches Aquarell des 18. Jahrhunderts gezahlt wurde.

Der britische Aquarellist John Robert Cozens https://art-depesche.de/images/IMG_4815.JPG Ruedi Strese