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Berlin - Für ihr Programm im Juli 2017 hat die auf Kunst aus dem postsowjetischen Raum spezialisierte Berliner Galerie Ars Pro Dono einen ganz außergewöhnlichen Maler gewinnen können. David Popiashvili gilt als Meister des christlichen Primitivimus und ist einer der bekanntesten Gegenwartskünstler Georgiens. In der Tiefe geprägt von Kultur und Tradition seines Landes, verbindet er diese lebendige Ursprünglichkeit mit den Erfahrungen der malerischen Moderne. Im Ergebnis bekommen wir einen ganz eigenen Stil serviert, der den Zauber folkloristischer Legenden von Glauben, Wein und Liebe auf die Leinwand bringt.

Geboren wurde er 1969 in Tbilisi. Er wuchs in einer künstlerisch orientierten und sehr gläubigen Familie auf, sein Vater, der Maler Avtandil Popiashvili, war einer seiner ersten Lehrer; mit ihm stellte er später auch in Moskau und Tbilisi gemeinsam aus. Er studierte an der Kunstakademie in Tbilisi, begeisterte sich für japanische Farbholzschnitte, orthodoxe Ikonenmalerei und traditionelle Lackminiaturen. Acht Jahre arbeitete er in einem georgischen Restaurationszentrum für Fresken und Ikonen; bis heute unterrichtet er Malerei, Graphik und Ikonenrestauration unter dem Dach des georgischen Patriarchats.

Seine Ursprünge in der religiösen Malerei Georgiens treten auch heute noch immer wieder klar hervor. Sei es, daß er, der sich jahrelange mit der Fertigung von Ikonen befaßt hat, Gold- und Silbergrund in seinen Arbeiten verwendet, seien es ungewöhnliche Perspektiven, die bewirken, daß das Gemalte dem Betrachter förmlich entgegenkommt, was uns an Cézanne erinnern mag – wie der Künstler im Gespräch ausdrücklich betont, jedoch von kirchlichen Fresken übernommen ist. Auch inhaltlich spielen christlicher Glaube und traditionelle Philosophie eine große Rolle, der moderne Mensch in seiner Haltlosigkeit wird aus der Perspektive großer Innerlichkeit und mit leichter Ironie betrachtet.

Von den in Osteuropa und besonders der religiösen Kunst noch bis heute häufig genutzten Temperafarben ist Popiashvili mittlerweile abgerückt und auf Acryl umgestiegen, welches er in nur dünnen Lagen und mit großer Genauigkeit einsetzt. Zu betonen ist dabei dennoch der recht stark zeichnerische bzw. graphische Charakter der Arbeiten – diese wirken nicht zufällig wie hervorragende Buchillustrationen. Wie wir erfahren haben, hat der Künstler bereits zahlreiche Bücher mit seinen Bildern geschmückt, darunter eine Kinderbibel sowie Märchen und Legenden verschiedener Völker; aktuelles Projekt ist eine „Geschichte des Weins“.

Galerist Alexej Schreiner benutzt die Formulierung von „naiver Malerei im Ikonenstil“; tatsächlich wirkt vieles archaisch, kraftvoll, mythenschwer – dem Verfasser dieses Artikels kamen Mittelalter und Chagal als lose Anhaltspunkte in den Sinn. Thematisch finden sich Stilleben, typisiert georgische Landschaften, Szenen aus dem Volksleben. Der Tisch spielt eine große Rolle; er ist zentraler Ort des sozialen und kulturellen Lebens, hier wird gegessen, getrunken, geredet und viel Zeit verbracht – denn „der Wein wird nicht schnell getrunken“. Die Figuren wirken durchweg mehr wie Typen als wie Individuen; ein weiterer Rückgriff in die Geschichte. In mehreren Bildern werden Zitate aus der georgischen Dichtung genutzt – erinnernd an chinesische Kalligraphie oder auch mittelalterliche Illustrationen. Besonders schön sind eine Bildserie einer georgischen Hochzeit und das Bild eines liebenden Paars.

Die Ausstellung wird vom 1.-31. Juli 2017 zu besichtigen sein. Die Vernissage soll am 7. Juli ab 19 Uhr stattfinden. Der Künstler ist übrigens noch bis zum 16.7. persönlich in der Galerie anzutreffen, wo er weiter an seinen Werken arbeiten wird. Die Galerie Ars Pro Dono befindet sich in der Prenzlauer Allee 191 in 10405 Berlin, telefonisch ist sie erreichbar unter 030-66868136.

 

Verweise:

http://www.arsprodono.de/index.php?cat=c113_David-Popiashvili-david-popiashvili.html
http://www.artlondon.com/artist/David-Popiashvili/
https://thejesusquestion.org/2016/01/15/stories-about-jesus-christ-illustrated-by-david-popiashvili/

Georgische Novellen - Neue Arbeiten von David Popiashvili in Berlin https://art-depesche.de/images/IMG_5435_1200_1px.jpg Ruedi Strese