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Johannes Rottenhammer „Göttermahl - Hochzeit von Neptun und Amphitrite“ (Öl auf Kupfer, 1600)

Frankfurt am Main - Der zeitlich zwischen Renaissance und Barock zu verortende Manierismus war eine eigenwillige Epoche in der Kunst – eigenwillig insofern, daß man sich gerade nicht um Neuerung bemühte, sondern sich in der bewußten Imitation früherer, insbesondere italienischer Meister übte. Doch großes Talent ließ naturgemäß eine ganze Reihe von Künstlern sich über die Zeit und ihren Stil erheben – zu jenen, denen dies gelang und die Werke von größerem Wert schufen, gehörte der Deutsche Johannes Rottenhammer der Ältere.

Geboren wurde Johannes (auch Hans oder Johann) Rottenhammer 1564 in München, der Vater war Hofangestellter. Von 1582 bis 1588 war er Lehrling und Geselle beim bayerischen Hofmaler Hans Donauer d.Ä. Es folgten (vermutlich durch deutsche Mäzene finanzierte) Jahre des Lernens in Italien. 1589 hielt er sich in Treviso auf, ab 1591 befaßte er sich in Venedig mit dem Nachzeichnen von Bildern dortiger Meister, ab 1593/94 nahm er an der Accademia di San Luca zu Rom Zeichenunterricht bei Federico Zuccari.

Er war mittlerweile unter dem Einfluß der Werke des Venezianers Paolo Caliari, besser bekannt als Veronese, zu einem außergewöhnlich fähigen Figurenmaler geworden, und als er in Rom mit den beiden bereits namhaften flämischen Landschaftsmalern Paul Bril und Jan Brueghel dem Älteren zusammentraf, begann eine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit; Bril und Brueghel schufen komplexe Kleinschaften auf Kupfer; Rottenhammer fügte seine Figuren ein – damit wurden die drei Pioniere der Kabinettmalerei auf Kupferplatten. Joachim Fernau schrieb über die damaligen Arbeiten, wenig schmeichelhaft: „Er nahm auf, was er konnte, sah es allerdings mit den Augen des Manieristen. Seine mythologischen Bilder sind letztlich ein Gewimmel von emailligen, sich antikisch gebenden Akten.“

Trotz dieses Erfolges zog es Rottenhammer 1595/96 wieder nach Venedig, wo er eine eigene Werkstatt für Kabinettmalerei auf Kupfer eröffnete und eine Venezianerin heiratete. Seine äußerst detailreichen und technisch brillanten Arbeiten aus jener Zeit wurden zu überaus begehrten Stücken auf dem europäischen Kunstmarkt, auch der Hof des kunstsinnigen Kaisers Rudolf II. in Prag, welcher selbst eine Fassung des bekannten „Göttermahles“ erwarb, wurde ein bedeutender Abnehmer.

Die steigende Zahl von Kunden in heimatlichen Gefilden dürfte es gewesen sein, die dazu führte, daß er sich ab 1606 in Augsburg niederließ. Dort begann er, sich mit anderen Dingen als der Kabinettmalerei zu befassen, er schuf nun u.a. Wand- und Altargemälde, die schon ins Barocke hineingehen, und konnte weiterhin Auftraggeber aus höchsten Kreisen, etwa den bayerischen Herzog Maximilian I. oder die schwäbische Kaufmannsfamilie der Fugger, gewinnen. Allerdings war er sehr dem Alkohol zugetan, was sich mit der Zeit immer mehr auf seine Arbeit auswirkte. Als Rottenhammer 1625 in Augsburg starb, soll er völlig verarmt gewesen sein.

Der manieristische Kabinettmaler Johannes Rottenhammer https://art-depesche.de/images/Rottenhammer_Hochzeit_von_Neptun_und_Amphitrite.jpg Ruedi Strese