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Rudolf Höckner „Selbstporträt“ (1940)

Frankfurt am Main - Wer anfängt, sich mit dem Wirken impressionistischer Landschaftsmaler in Norddeutschland zu befassen, wird schnell feststellen, daß dieser Typ des Malers dort nicht nur in großer Zahl wirkte, sondern überdies, daß unter diesen Künstlern eine ganze Reihe beachtlicher Talente vertreten waren, welche verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werden. Ein interessanter Freilichtmaler, dessen Arbeiten in ihrer farblich eher zurückhaltenden und etwas düsteren Art oft an Barbizon erinnern, war der aus Sachsen stammende Wahlholsteiner Rudolf Höckner.

Zur Welt kam er 1864 auf dem väterlichen Gut in Hilmersdorf in der Nähe des erzgebirgischen Wolkenstein. Der Vater starb 1872, so zog die Mutter mit dem Nachwuchs zunächst nach Freiberg und 1877 nach Leipzig, wo Höckner 1885 sein Abitur ablegte. Darauf studierte er je ein Semester in Tübingen und Leipzig Theologie, um schließlich seine wahre Bestimmung zu erkennen und sich an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar einzuschreiben.

Die Malerei wurde sein Metier, und ein brillianter Lehrer war Theodor Hagen, Haupt der Weimarer Malerschule und einer der frühesten deutschen Impressionisten. Sein Diplom erhielt Höckner dort 1890, seinen besonderen Leistungen in der Landschaftsmalerei verdankte er ein Stipendium. Auf den Studienabschluß folgte eine Zeit des Reisens, welche ihn unter anderem nach Süddeutschland und Italien führte.

1891 kehrte er zunächst nach Weimar zurück, wo er heiratete und seine Karriere als freischaffender Maler begann. 1895 ging es dann nach Flensburg, wo er zusätzlich zur Malerei dem Lokaljournalismus als Broterwerb nachging. 1905 ging er wegen einer Stelle bei den Hamburger Nachrichten nach – Hamburg. Dort begann er bald, wieder verstärkt als Landschaftsmaler zu wirken, und der sich nun einstellende Erfolg ermöglichte ihm 1909, dies hauptberuflich zu tun.

1915 zog er in das nahegelegene Wedel an der Elbe, den wohl wichtigsten Ort seines Schaffens, wo er die nächsten 25 Jahre wirken sollte und 1939 anläßlich des 75. Geburtstages sogar die Ehrenbürgerschaft erhielt; 1929 war er bereits Ehrenmitglied des Altonaer Künstlervereins geworden. Nach dem Tod seiner Frau 1941 verließ er Wedel und ging nach Bad Mergentheim ob der Tauber, wo er im Folgejahr starb. Beigesetzt wurde er jedoch wieder in Wedel.

Rudolf Höckner schuf meist eher kleinformatige Gemälde, die in ihrer Motivwahl (hauptsächlich kleineren Landschaftsausschnitten) und zurückhaltenden bis düsteren Farbgebung ein wenig an die Freilichtmaler von Barbizon erinnern. Das Dramatische und Grelle lag ihm nicht, stilles, tiefes Naturempfinden spricht aus den Darstellungen norddeutscher Landschaften.

Die Stadt Wedel besitzt heute 272 seiner Gemälde, von welchen eine ganze Reihe im Rathauskeller gezeigt werden; weitere befinden sich in der Hamburger Kunsthalle und dem Altonaer Museum. Werke Rudolf Höckners werden überdies in den großen Auktionshäusern regelmäßig angeboten.

 

Verweise:

http://www.kettererkunst.de/bio/rudolf-hockner-1864.php
https://www.wedel.de/kultur-bildung/kuenstler-und-kunstfoerderer/rudolf-hoeckner.html
https://art-depesche.de/malerei/64-theodor-hagen-von-der-weimarer-schule-zur-berliner-secession.html
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/rudolf-h%C3%B6ckner/auktionsresultate

 

Rudolf Höckner – verhaltener Impressionismus aus Norddeutschland https://art-depesche.de/images/Rudolf_Hckner.jpg Ruedi Strese