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Otto Tarnogrocki „Warten auf die Ausflugsboote“ (Öl auf Leinwand, 1913)

Stettin - In unserer kleinen Serie zu den norddeutschen Freilichtmalern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts möchten wir Otto Tarnogrocki nicht vergessen. Wie andere Vertreter dieser Strömung zwischen Impressionismus und früher Moderne schuf er hochwertige Gemälde, die jedem Liebhaber der Landschaftsmalerei unter freiem Himmel zusagen sollten. Tätig war er seinerzeit im Umfeld der Künstlerkolonie Schwaan.

Geboren wurde Otto Tarnogrocki in Lobsens in der Provinz Posen (heute polnisch Łobżenica). Er verbrachte seine frühen Jahre in Dessau, Ulm und Strasburg. Seine künstlerische Ausbildung begann er wie mehrere seiner zukünftigen Schwaaner Genossen als Dekorationsmaler.

1893 ging er nach Berlin, an dessen königlicher Kunstschule er sein Studium als Kunstmaler begann, wechselte jedoch im Folgejahr an die Kunstakademie in Weimar, wo er in Franz Bunke einen herausragenden Lehrer und in seinen Mitstudenten Alfred Heinsohn u.a. Gleichgesinnte fand. Er schloß sich den von Bunke in den Sommermonaten organisierten Aufenthalten in dessen Heimatstadt Schwaan bei Rostock an und wurde so zum frühen Mitwirkenden der Schwaaner Künstlerkolonie.

Den formalen Abschluß seines Studiums machte er jedoch an der Stuttgarter Kunstakademie bei Carlos Grethe, der sich in jenen Jahren, ursprünglich vom Realismus ausgehend, einer eher impressionistischen Malweise zugewandt hatte. Es folgten Studienreisen durch verschiedene europäische Länder, in Paris versuchte er sich als Kopist im Louvre und arbeitete für eine Zeit in der privaten Kunstakademie des italienischen Bildhauers Filippo Colarossi.

1905 wählte er Stettin zum dauerhaften Wohnsitz, blieb jedoch mit seinen Schwaaner Kollegen in engem Austausch. Im selben Jahr wurde er auch zum ersten Leiter der in Schwaan ansässigen mecklenburgisch – pommerschen Künstlervereinigung, gab diese Position jedoch 1908 an Alfred Heinsohn ab.

Er malte feinfühlige pommersche Landschaften sowie kraftvolle Stettiner Hafen- und Stadtansichten in impressionistischer Manier und von herausragender Qualität, bediente sich der Tuschezeichnung wie des Aquarells und der Ölmalerei, zudem befaßte er sich mit der Illustration von Büchern und Zeitschriften. Er beteiligte sich an zahlreichen Kunstausstellungen und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Ein Bombenangriff im Jahr 1944 vernichtete einen Großteil seiner Arbeiten, weitere Bilder wurden nach Kriegsende abtransportiert und blieben seither verschollen. Er selbst zog nach Nienhagen bei Rostock, wo er 1946 bereits verstarb. Nur wenige Bilder konnte er bei seinem Umzug retten, aus diesen wenigen erhaltenen Werken ist jedoch sein außergewöhnliches Talent klar erkennbar. Tarnogrocki war jahrzehntelang vollkommen in Vergessenheit geraten. Erst in letzter Zeit wurde er durch den Einsatz des Kunstmuseums Schwaan der Kunstwelt wieder ins Gedächtnis gebracht. Vierzehn Arbeiten befinden sich im Besitz des Pommerschen Landesmuseums, drei weitere im Polnischen Nationalmuseum in Stettin, ansonsten tauchen sie in verschiedenen privaten Sammlungen auf.

 

Verweise:

http://www.kunstmuseum-schwaan.de/otto-tarnogrocki-2/
https://www.nnn.de/lokales/buetzower-zeitung/wiederentdeckung-eines-kuenstlers-id12452761.html
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/otto-tarnogrocki/auktionsresultate
http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Kultur/Der-Maler-Otto-Tarnogrocki

 

Otto Tarnogrocki – Pleinairmalerei in Schwaan und Stettin https://art-depesche.de/images/otto-tarnogrocki-sowie-darstellung-eines-landhauses-an-einem-bach-in_800px.jpg Ruedi Strese