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Carlos Grethe „Im Boot“

Frankfurt am Main - Ein sehr eigenständiger Maler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war Carlos Grethe, welcher, von einem späten Realismus ausgehend, sich zusehends dem Impressionismus zuwandte und dem Themenkomplex Menschen am Meer, Häfen und Küstenlandschaften eine ganz neue Interpretation verlieh. Bedeutend war er überdies als Kunstlehrer.

Geboren wurde Carl Conrad Hermann Grethe 1864 in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo als Sohn eines Kaufmanns. Vom fünften Lebensjahr an wuchs er in Hamburg auf, wo er zunächst eine Lehre im Handel begann, die er jedoch 1880 wieder abbrach.

Seine künstlerische Ausbildung begann er als Dekorationsmaler. An der Hamburger Kunstgewerbeschule war Paul Düyffke sein Lehrer, zudem lernte er dort Franz Hein kennen, und mit diesem teilte er das Interesse an den Werken des Historienmalers Ferdinand Keller, weshalb die beiden sich 1882 zu einem Studium an der Großherzoglich-Badischen Kunstschule in Karlsruhe entschieden. Dort studierte er bis 1884 bei Ernst Schurth, Karl Hoff und zuletzt bei Keller. Es folgten zwei Jahre an der Pariser Académie Julian, und von 1886 bis 1890 war er Meisterschüler Kellers, unterbrochen von einer längeren Seereise nach Mexiko. Diese prägte ihn nachhaltig, denn von dort an befaßte er sich in seinen Arbeiten vorwiegend mit maritimen Themen.

Nach seinem Studienabschluß war er zunächst als Hilfslehrkraft und ab 1891 als Professor für Aktzeichnen an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe tätig, parallel assistierte er an der dortigen Kunstschule für einige Zeit Gustav Schönleber. 1893 erhielt er dort eine eigene Professur für Malerei und gab die Stelle an der Kunstgewerbeschule auf.

Aktiv war er zudem in mehreren Künstlerorganisationen, so ab 1894 in der Münchner Secession, und 1896 gehörte er mit Friedrich Kallmorgen, Leopold von Kalckreuth und anderen zu den Begründern des Karlsruher Künstlerbundes.

Ausgerechnet sein früheres Vorbild Keller und dessen Umfeld sollen ihn allerdings bei seinem Wirken in Karlsruhe aufgrund verschiedener Auffassungen behindert haben, so daß Grethe sich 1899 nach Stuttgart wandte, wo ihm eine Professur an der Königlichen Kunstschule angeboten worden war. Diese Position sollte er bis zu seinem Tod behalten. In Stuttgart war er gleichsam engagiert in der Kunstszene, er war 1901 unter den Mitbegründern des Stuttgarter Künstlerbundes und 1904 des Deutschen Künstlerbundes.

Anregungen für seine Gemälde holte er sich nicht zuletzt durch eine intensive Reisetätigkeit an die Küsten Deutschlands, Dänemarks, Schwedens, Flanderns oder Italiens. Er malte in Öl, Tempera und Gouache sowie zahlreiche Aquarelle. Themen waren unter anderem Ansichten des Hamburger Hafens oder die Tätigkeiten von Fischern und Werftarbeitern oder Matrosen auf See. Dabei bediente er sich einer von grobem Strich geprägten naturalistischen bis impressionistischen Malweise, betonte bei seinen Figuren stark die rauhen Gesichtszüge, bei den Landschaften hinterließ die impressionistische Betonung der tageszeit- und witterungsbedingten Lichtverhältnisse starke Spuren. Er starb 1913 in Flandern und wurde in Stuttgart bestattet.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/carlos-grethe/auktionsresultate
http://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-1297

Carlos Grethe – ein Maler des Meeres und seiner Menschen https://art-depesche.de/images/carlos-grethe-im-boot_800px.jpg Ruedi Strese