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Helmuth Macke „Weiße Lilien“ (1936)

Frankfurt am Main - Wenn von einem Expressionisten Macke die Rede ist, geht es für gewöhnlich um August Macke. Weit weniger bekannt ist Helmuth Macke, der nicht nur dessen Cousin war, sondern selbst ein überaus interessanter Protagonist der frühen Avantgarde in Deutschland, der mit ausdrucksstarken Porträts, gediegenen Stilleben und herrlich farbenprächtigen Landschaften zu faszinieren weiß.

Zur Welt kam Macke 1891 in Krefeld, an dessen Handwerker- und Kunstgewerbeschule (heute nennt diese sich Hochschule Niederrhein) er von 1906 bis 1909 studierte und zwar bei dem Niederländer Jan Thorn-Prikker. Von seinen Studienjahren an war er in der jungen Avantgardeszene bestens vernetzt. Der deutlich ältere Heinrich Nauen war ihm ein enger Freund, zu seinen Mitstudenten gehörten Heinrich Campendonk und Wilhelm Wieger; diesen beiden blieb er bis ans Lebensende verbunden.

1909 kam er mit Franz Marc in Kontakt, welcher ihn wiederum mit der Neuen Künstlervereinigung München zusammenbrachte. 1910/11 hielt er sich im Umfeld des gerade entstehenden Blauen Reiters um Marc und Wassily Kandinsky auf, und von 1912 an bestanden auch mit der „Brücke“ in Berlin, insbesondere mit Erich Heckel, enge Verbindungen. Zwei seiner Bilder wurden auch im Ersten Deutschen Herbstsalon von 1913 gezeigt.

Sein Cousin August, der ihm gleichfalls sehr nahe stand, sowie sein bester Freund Franz Marc starben in den Feuern des Weltkrieges; er selbst überlebte den Dienst als Soldat. Nach Kriegsende war er vorwiegend in Krefeld und Bonn tätig, insbesondere mit seinem Studienfreund Heinrich Campendonk arbeitete er zusammen. 1929 erhielt er den Rom-Preis der Villa Massimo.

Von 1930-31 hielt er sich in der Schweiz auf, dort kam es zu einer umfassenden Kooperation mit Christian Rohlfs und Marianne von Werefkin. Allerdings wurde er wegen des Verkaufs einiger Bilder ausgewiesen; er hatte damit gegen geltende Aufenthaltsbestimmungen verstoßen. Er ließ sich für einige Jahre in Krefeld nieder, wo er im Auftrag des Industriellen Karl Gröppel das „Blaue Zimmer“ schuf.

Von 1933 an lebte er am Bodensee; dort ertrank er 1936 bei einem Segelausflug. Macke schuf insgesamt ein sehr vielseitiges Werk, welches Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen sowie kunsthandwerkliche Kreationen umfaßte. Im Vergleich zu seinem eher expressiv-rohen Frühwerk sind seine späteren Arbeiten von deutlich zarterem und lyrischerem Charakter.

Derzeit findet, etwas über 80 Jahre nach seinem Tod, eine Wiederentdeckung dieses weitgehend vergessenen Künstlers statt. Eine Ausstellung mit dem Titel „Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“ war bereits in Konstanz und Ahlen sowie Penzberg bei München zu besichtigen. Ihre derzeitige Station ist das Angermuseum in Erfurt – ein Bericht für die Art-Depesche ist vorgesehen – und im Frühjahr 2018 wird sie im Bonner August-Macke-Haus ins Programm kommen.

 

Verweise:

https://www.wienand-koeln.de/titel/Helmuth-Macke-im-Dialog-mit-seinen-expressionistischen-Kuenstlerfreunden.asp
http://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2017/127670.html
https://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/helmuth-macke.html
https://www.welt.de/regionales/nrw/article162125055/Kunstmuseum-Ahlen-wuerdigt-Expressionisten-Helmuth-Macke.html
https://www.galerie-schueller.de/de/kuenstler/helmuth-macke.html

Der rheinische Expressionist Helmuth Macke https://art-depesche.de/images/Helmuth_Macke_Weie_Lilien_1936.jpg Ruedi Strese