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Josef Hegenbarth: Illustration zu Friedrich Schillers „Lied von der Glocke“ (Aquarell und Tusche, 1922), fotografiert von Markus Stegner.

Berlin - Schillers „Lied von der Glocke“ gehört sicher zu den bekanntesten deutschen Gedichten und ist einige Male illustriert worden, darunter von namhaften Künstlern wie Ludwig Richter oder Ernst Erwin Oehme. Auch Josef Hegenbarth hat sich in insgesamt 32 Aquarellen und Rötelzeichnungen mit dem Stoff befaßt; die Hegenbarth Sammlung Berlin stellt diese interessanten Arbeiten noch bis in den Januar 2018 öffentlich aus.

Josef Hegenbarth, geboren 1884 in Böhmisch Kamnitz, gestorben 1962 in Dresden, Cousin von Emanuel Hegenbarth und Onkel des Digedags-Erfinders Johannes Hegenbarth (bekannt als Hannes Hegen), machte seine künstlerische Ausbildung an der Dresdner Akademie bei dem Spätimpressionisten Carl Bantzer sowie bei Oskar Zwintscher, später war er Meisterschüler Gotthardt Kuehls, eines frühen Vertreters der deutschen impressionistischen Freilichtmalerei.

Früh fand er seinen Schwerpunkt als Illustrator, er arbeitete zunächst für Zeitschriften wie „Die Jugend“ oder den „Simplicissimus“ und nach dem Zweiten Weltkrieg dann für den „Ulenspiegel“ und „Der Simpl“. Hegenbarth gehört zu den bekanntesten Illustratoren der DDR und bebilderte im Laufe seines Lebens eine große Zahl von Büchern, vor allem Märchen und Werke der Weltliteratur von Shakespeare, Gogol, Goethe, Eichendorff, Hauff, Tucholsky, Cervantes usw.

Zweifellos war er der künstlerischen Moderne zuzurechnen, entzog sich dabei jedoch mit seinen lebendigen, zwischen Figürlichkeit und Abstraktion schwebenden Darstellungen deren gängigen stilistischen Kategorisierungen.

Das „Lied von der Glocke“ wurde 1799 verfaßt; die nun in den Räumen der Hegenbarth Sammlung gezeigten Illustrationen entstanden im Jahr 1922. Zu den 30 Strophen gibt es 32 Zeichnungen, in welche die Verse von Hand hineingeschrieben wurden, sie sind nicht ganz deckungsgleich. Die zehn Strophen, in denen Schiller den Fertigungsprozeß beschreibt, wurden von Hegenbarth durch äußerst dynamische Rötelzeichnungen illustriert. Der größere Teil des Gedichtes wird indes durch Betrachtungen zu den möglichen Anlässen des Glockenläutens gebildet, hier bediente sich Hegenbarth einer Verbindung von Tuschezeichnung und kräftigen Aquarellfarben.

Es handelt sich bei dieser Schau um ein Kleinod, welches für Freunde klassischer Literatur und Kunstliebhaber gleichermaßen von Interesse sein dürfte. Sie endet am 27. Januar 2018. Eine Veröffentlichung dieser Zeichnungen in Buchform ist seitens der Hegenbarth Sammlung in Arbeit und soll noch im Jahr 2017 erscheinen.

Neben der gegenwärtigen Ausstellung gibt es auch ein Bibliothekszimmer, welches vorrangig von Hegenbarth illustrierte Bücher enthält; weiterführende Fragen werden ebenfalls gerne beantwortet. Als Ausblick sei erwähnt, daß für das Jahr 2018 eine Ausstellung von Hegenbarths Illustrationen zum Nibelungenlied sowie für 2019 jener zu Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ vorgesehen ist.

Die Hegenbarth Sammlung Berlin befindet sich im ersten Obergeschoß in der Nürnberger Straße 49 in 10789 Berlin, im Eckhaus zur Augsburger Straße. Es gibt eine Klingel, nach deren Benutzung dem Besucher von Dienstag bis Sonnabend von 12 bis 18 (Mittwoch bis 20 Uhr) Einlaß gewährt wird, nach Voranmeldung sind auch andere Zeiten möglich. Die Besichtigung ist kostenfrei.

 

Verweise:

http://www.herr-hegenbarth-berlin.de/de/
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3412
http://www.josef-hegenbarth.de/web2/start/index.php

Josef Hegenbarths Illustrationen zu Schillers „Lied von der Glocke“ https://art-depesche.de/images/IMG_7678.JPG Ruedi Strese