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Erfurt - Das Erfurter Angermuseum besitzt mit dem „Lebensstufen“ betitelten Heckel-Raum die bedeutendsten Wandmalereien des deutschen Expressionismus und überdies die einzig erhaltenen von Erich Heckel. Im Jahr 2017 konnte dank einer privaten Spende die Beleuchtung des Raumes entschieden verbessert werden. Passenderweise ist die Wiedereröffnung mit einer Ausstellung „Erich Heckel – Handzeichnungen und Druckgrafik aus der Sammlung des Angermuseums“ verbunden, zu betrachten im Grafikkabinett des Museums.

Erich Heckel (1883-1970) gehörte unbestritten zu den Expressionisten ersten Ranges. Die Verbindung mit Erfurt ist alt; bereits 1907 zeigte der Erfurter Kunstverein im Angermuseum Werke der Dresdener Künstlergruppe „Brücke“, welche zwei Jahre zuvor von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Karl Schmidt-Rottluff und eben Heckel gegründet worden war.

Die Wandgemälde im Angermuseum wurden von Heckel in den Jahren 1922-24 aufgrund eines Vorschlags des Museumsdirektors Walter Kaesbach und mit finanzieller Hilfe des Schuhfabrikanten Dr. Alfred Hess geschaffen. Dabei handelt es sich nicht um klassische Fresken, welche auf den noch nicht getrockneten Putz gemalt werden (fresco = frisch), sondern um Seccomalerei, d.h., die Malerei wurde auf den trockenen Putz gebracht. Allerdings war die Konservierung der Arbeiten von Anfang an problematisch und zu NS-Zeiten, in welcher der Expressionismus in Verruf geraten war, wohl auch nicht erwünscht. Immerhin sind sie heutzutage wieder vollständig zu betrachten.

Inhaltlich sind die Bilder ein Überblick über die „Lebensstufen“ des Menschen, wie der Titel sagt; gegenübergestellt sind dabei die Entwicklung der Frau und des Mannes. Hintergrund sind die Gedanken und Begegnungen im Rahmen der „Brücke“ sowie des George-Kreises, welchem Heckel sich in jener Zeit angenähert hatte. George (dem er indes selbst nie begegnet war) nimmt die zentrale Position auf der Hauptwand ein. Zulaß zum Raum wird auf Anfrage beim Kartenschalter gewährt.

Die kleine aber feine Sonderausstellung im Grafikkabinett präsentiert nun verschiedene Arbeiten Heckels auf Papier, darunter Aquarelle, Tuschezeichnungen und verschiedene Druckgrafiken aus der Sammlung des Museums. Die Aquarelle sind z.T. Blumenbilder („Zinnenstrauß“ von 1933 oder „Magnolien“ von 1963), auch zwei Landschaften werden gezeigt. Das Bild „Blick vom Hohenstaufen“ stammt aus dem Jahr 1935, damals wurde innerhalb der NS-Führung noch diskutiert, ob der Expressionismus nun als deutsche Kunst anerkannt würde (diese Position vertrat vor allem Goebbels) oder als „entartet“ abzulehnen sei (schärfster Vertreter dieser Position war Rosenberg, welcher sich bekanntlich durchsetzte). Im Zuge der Aktion „entartete Kunst“ 1937 wurden schließlich auch in Erfurt diverse Arbeiten Heckels beschlagnahmt.

Beachtenswert ist auch ein posthum gefertigtes Temperabild des oben erwähnten Mäzens Dr. Hess. Unter den druckgrafischen Arbeiten finden sich die vollständigen Jahresblätter Heckels von 1937-69; Holzschnitte, welche er an nahestehende Personen als Neujahrsgrüße verschickte. Auch Kaltnadelradierungen und Lithografien sind zu sehen, darunter ein Bildnis seines Künstlerkollegen Otto Mueller, welcher sich 1910 der „Brücke“ angeschlossen hatte.

Parallel zu dieser Schau, welche noch bis zum 28. Januar 2018 laufen soll, findet im Angermuseum auch eine Ausstellung von Heckels expressionistischem Kollegen Helmuth Macke statt, über welche wir noch gesondert berichten werden. Der Eintritt ins Erfurter Angermuseum kostet 6,-, ermäßigt 4,- Euro. Darin enthalten ist der Besuch der Dauerausstellung sowie sämtlicher aktueller Sonderausstellungen. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr.

 

Verweise:

http://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2017/128009.html

Sonderausstellung zu Erich Heckel im Erfurter Angermuseum https://art-depesche.de/images/IMG_7774.JPG Ruedi Strese