Helmuth Macke und die Expressionisten im Erfurter Angermuseum

Helmuth Macke „Blühender Bärenklau im Garten am See“ (Öl auf Leinwand, 1936)

Erfurt – Anläßlich des 125. Geburtstages und 80. Todestages Helmuth Mackes zieht derzeit eine äußerst lohnenswerte Ausstellung durch das Land, welche sich mit diesem rheinischen Expressionisten und seiner Vernetzung in der expressionistischen Bewegung befaßt. Derzeitige Station ist das Angermuseum in Erfurt.

Helmuth Macke wurde 1891 in Krefeld geboren wurde und ertrank 1936 unter ungeklärten Umständen im Bodensee. Er studierte mit Heinrich Campendonk und Wilhelm Wieger bei dem Jugendstilkünstler und Designer Jan Thorn-Prikker; er stand dem „Blauen Reiter“ und der „Brücke“ nah. Enge Freundschaften pflegte er im Laufe seines Lebens mit Heinrich Nauen, Erich Heckel, Franz Marc und seinem berühmteren Cousin August Macke.

Was seine Bekanntheit angeht, gehört er sicher eher zur zweiten Reihe der Expressionisten. Damit ist jedoch wenig über die Qualität des Werkes gesagt, wie dem Besucher dieser Schau klar wird. Der große Saal im zweiten Obergeschoß des Angermuseums sowie zwei Nebenräume wurden als Schauplatz gewählt. Geordnet sind die Bilder zeitlich und thematisch grob geordnet, Erläuterungen sowie ergänzende Anekdoten und Zitate gibt es nicht zu den einzelnen Werken, jedoch zu verschiedenen Abschnitten der übersichtlichen, doch gediegenen Auswahl.

Begonnen wird mit Frühwerken aus den Studienjahren, hier werden auch sehr beachtliche, noch dem Neoimpressionismus verwandte Arbeiten seiner Studienfreunde Heinrich Campendonk und Wilhelm Wieger aus dem Jahr 1907 gezeigt. Die Entwicklung von den eher rohen frühexpressionistischen Werken zu den zauberhaften lyrischen Landschaften und Stilleben aus Mackes letzter Schaffensphase am Bodensee ist gut nachvollziehbar.

Die Verbindungen zu den rheinischen Expressionisten wie Marie von Malachowski-Nauen sowie Heinrich Nauen (letzterer ist mit einem herausragenden Bildnis des auch mit Macke befreundeten Kunsthistorikers August Hoff vertreten) werden aufgezeigt, zu betrachten sind auch Gemälde von Hans Thuar, Gabriele Münter sowie die der Sammlung des Angermuseums gehörende „Gebirgslandschaft“ Erich Heckels von 1924, außerdem gibt es kleinere Arbeiten von Franz Marc, Max Pechstein, August Macke und Karl Schmidt-Rottluff.

Von den beiden Nebenräumen zeigt der erste Zeichnungen und Aquarelle, darunter mehrere der Soldatenbilder aus dem Ersten Weltkrieg einschließlich des „Selbstportraits mit Stahlhelm“ (1917). Auch Druckgraphik von Heinrich Nauen ist zu sehen. Der zweite Nebenraum zeigt kleinere Landschaften und Kunsthandwerk sowie das „Blaue Zimmer“ von 1925, eine achtteilige Schlafzimmereinrichtung – das wohl einzige vollständig erhaltene Möbelensemble eines rheinischen Expressionisten.

Das Werk Helmuth Mackes war, wie das der meisten Expressionisten, zu NS-Zeiten, nicht mehr erwünscht, nach dem Krieg blieb er weitgehend vergessen. Einzelausstellungen gab es wohl nur zweimal, 1956 und 1970; insofern ist die gegenwärtige Schau eine Gelegenheit, diesen unterschätzten Künstler kennenzulernen, welche man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Angermuseum in Erfurt zeigt sie bis zum 7. Januar 2018, anschließend wird sie vom 25. Januar bis 29. April im August Macke Haus in Bonn zu sehen sein. Auch ein Begleitband ist erhältlich.

An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die parallel ebenfalls im Angermuseum stattfindende Ausstellung von Aquarellen und graphischen Arbeiten Erich Heckels hingewiesen. Der Eintritt für das Museum einschließlich der kunstgewerblichen Sammlung, der Erfurter Gemäldegalerie und sämtlicher Sonderausstellungen beträgt sechs, ermäßigt vier Euro. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/334-der-rheinische-expressionist-helmuth-macke.html
https://art-depesche.de/malerei/339-sonderausstellung-zu-erich-heckel-im-erfurter-angermuseum.html
http://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2017/127670.html
https://www.wienand-koeln.de/titel/Helmuth-Macke-im-Dialog-mit-seinen-expressionistischen-Kuenstlerfreunden.asp
http://www.rheinische-art.de/cms/topics/wiederentdeckt-das-blaue-zimmer-des-rheinischen-expressionisten-helmuth-macke.php