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Johann Wilhelm Schirmer „Das Geroldsauer Tal bei Baden-Baden“ (Öl auf Leinwand, 1855)

Berlin – Er gehört zu den Größen der spätromantischen Landschaftsmalerei und war einer der führenden Köpfe der jüngeren Düsseldorfer Schule. Johann Wilhelm Schirmer schuf ein umfassendes, von lebhaften Farben bestimmtes Werk. Spätere Ölstudien nehmen bereits impressionistische Ansätze vorweg. Nicht zuletzt war er als Professor in Karlsruhe und Düsseldorf Lehrer einer beeindruckenden Zahl bedeutender Schüler.

Zur Welt kam er 1807 in Jülich. Sein Vater besaß eine Buchbinderwerkstatt. Mit den Farben aus dieser Werkstatt begann der Junge zu malen, die Landschaft der Umgebung seiner Heimatstadt wurde in diesen frühen Jahren sein bevorzugtes Studienobjekt. Trotz seiner Neigung zur Malerei mußte er allerdings zunächst (1821-24) eine Lehre in der Werkstatt seines Vaters absolvieren.

Allerdings malte er autodidaktisch weiter und konnte ab 1826 die Kunstakademie in Düsseldorf besuchen. Er lernte bei Heinrich Kolbe und Wilhelm von Schadow und wurde mit dessen Schüler Carl Friedrich Lessing bekannt. Lessing und Schirmer waren es, welche zu ihren Studienzeiten bereits den religiös geprägten Klassizismus der Älteren Düsseldorfer Schule ablösten und die Jüngere Düsseldorfer Schule mit ihrer romantischen Landschaftsmalerei begründeten. Mit seinem in Berlin ausgestellten Bild „Deutscher Urwald“ wurde Schirmer 1828 auf einen Schlag als einer der Großen der Landschaftsmalerei anerkannt.

Aufgrund solch kraftvoller, von den Studenten eingeleiteter Entwicklung wurde in Düsseldorf bald eine gesonderte Klasse für Landschaftsmalerei eingerichtet, welche Schirmer ab 1831 zunächst als Lehrer und ab 1839 als Professor leitete. Zusammengesetzt aus im Freien gefertigten Skizzen komponierte er atmosphärisch-romantische und detailgenaue Ideallandschaften, wobei er ab seiner Reise in die Normandie 1836 das zeichnerische Element zurückfuhr und Farbe und Licht stärker betonte. Zahlreiche seiner Schüler in Düsseldorf wurden selbst zu bekannten Größen, stellvertretend genannt seien Oswald Achenbach, Georg Saal, Anselm Feuerbach und Arnold Böcklin.

1854 wurde er durch den Prinzregenten von Baden, den späteren Großherzog Friedrich I., mit der Leitung der gerade ins Leben gerufenen Kunstschule in Karlsruhe beauftragt. Auch hier wirkte er als Kunstlehrer von hohem Rang, unter seinen Schülern finden sich Namen wie Rudolf Epp, Anton von Werner und Hans Thoma. Auch hier blieb er der Landschaftsmalerei treu. Als kunstgeschichtlich besonders interessant gelten spätere Ölstudien, welche er selbst pikanterweise nicht sonderlich ernstnahm, die jedoch aus heutiger Sicht als Belege eines „Impressionismus vor dem Impressionismus“ gelten können.

Als er 1863 in Karlsruhe an einer schweren Erkrankung starb, hatte er ein gewaltiges Werk geschaffen, welches ihm einen der vordersten Plätze der deutschen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts sichert, zudem war er Lehrmeister einer gewaltigen Zahl von Schülern. Die künstlerischen Neigungen scheinen unter Schirmers Nachfahren übrigens keineswegs versiegt zu sein: Ururenkel Jörg W. Schirmer (Jahrgang 1965) ist als Bildhauer tätig...

 

Verweise:

https://www.juelich.de/schirmer/index_1.html
http://www.kettererkunst.de/bio/johann-wilhelm-schirmer-1807.php
http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/S/Seiten/JohannWilhelmSchirmer.aspx
https://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/johann-wilhelm-schirmer.html
http://www.zeit.de/2010/31/Kunst-Schirmer
https://art-depesche.de/skulpturen/228-%C3%BCbergr%C3%B6%C3%9Fen-skulpturen-j%C3%B6rg-w-schirmers-in-berlin.html

Johann Wilhelm Schirmer – Mitbegründer der Jüngeren Düsseldorfer Schule https://art-depesche.de/images/Schirmer_Das_Geroldsauer_Tal_bei_Baden-Baden_1855.jpg Ruedi Strese