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drei kolorierte Holzschnitte aus China, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts (im Besitz des Museums für Asiatische Kunst, Berlin)

Berlin - Noch bis in die ersten Tage des Januars 2018 zeigt die Kunstbibliothek am Berliner Matthäikirchplatz ihre Ausstellung „Wechselblicke - Zwischen China und Europa 1669-1907“. Zu sehen gibt es etwas über 90 Exponate aus Kunst und Kunsthandwerk, welche die europäische Sicht auf China bzw. die chinesische Sicht auf Europa veranschaulichen.

Schauplatz ist lediglich ein einziger Raum, die Ausstellung ist insofern recht übersichtlich – dadurch jedoch nicht weniger interessant. Ergänzt wird sie durch eine Reihe von Stücken im Vorraum, welche auch für sich betrachtet werden können und unter dem Thema „À la Chinoiserie – Kostümdarstellungen aus der Kunstbibliothek“ zusammengefaßt werden.

Der zeitliche Rahmen für die eigentliche Schau gründet sich auf das Erscheinen zweier Reiseberichte. 1669 war es der Report Johan Nieuhofs, welcher zuvor mit der ersten niederländischen Gesandtschaft der Vereinigten Ostindischen Kompanie nach China gereist war. Das eigentliche Ziel einer Intensivierung der niederländisch-chinesischen Handelsbeziehungen wurde nicht erreicht; Nieuhofs Darstellungen wurden indes für lange Zeit eine der wichtigsten und populärsten Quellen des europäischen Bildes von China. Im Jahr 1907 schließlich entstanden die Architekturfotografien des Bauforschers Ernst Boerschmann, welche somit stellvertretend für einen wissenschaftlicheren bzw. „modernen“ Blick auf die chinesische Kultur stehen können.

Die gezeigten Objekte sind recht verschiedener Art. Es findet sich eine in Turin gefertigte Tür ebenso wie Meißener Porzellan, jeweils mit chinoiser Verzierung. Beispiele der Darstellungen barocker Architektur, welche sich jener Mode bediente, sind gleichsam zu sehen; den Abschluß bilden die vier boerschmannschen Architekturfotografien.

Von chinesischer Seite gibt es speziell für den europäischen Markt gefertigtes Porzellan und verschiedene Belege sogenannter Europerien, die als Gegenstück zu den Chinoiserien in modischer Weise chinesische Vorstellungen von Europa widerspiegeln.

Besonders interessant ist dabei der Austausch in den Bereichen Material und Technik. Bekanntlich stammte das Porzellan selbst aus China (englisch „China“), die Chinesen haben hingegen unter anderem den Kupferstich, die Perspektive und den Schattenwurf von den Europäern übernommen.

Beeindruckendstes Exponat ist insofern vielleicht eine in den 1780er Jahren entstandene Reihe von 20 Kupferstichen – die ersten, welche von chinesischen Künstlern vorbereitet und ausgeführt wurden: eine frühe, noch unvollkommene, dennoch faszinierende Annäherung an eine bis dahin fremde Technik. Dargestellt werden darauf übrigens die von 1749-1767 am Hof des Kaisers Qianlong in Peking von den jesuitischen Künstlern Giuseppe Castiglione und Michel Benoist errichteten „westlichen Bauten und Wasserspiele“, eine Anpassung der Architektur des Rokoko an den chinesischen Geschmack; leider sind diese nur noch als Ruinen erhalten.

„Wechselblicke“ ist noch bis zum 7. Januar 2018 zu besichtigen. Der Eintritt beträgt 6,-, ermäßigt 3,- Euro. Ort ist die Kunstbibliothek am Matthäikirchplatz 6, neben der Gemäldegalerie und unweit des Potsdamer Platzes.

 

Verweise:

http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/kunstbibliothek/ausstellungen/detail/wechselblicke.html

Ausstellung zur Geschichte des europäisch-chinesischen Kulturaustauschs in Berlin https://art-depesche.de/images/IMG_7958.JPG Ruedi Strese