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Henri Le Sidaner „Der Tisch des Pierre Gerberoy“ (ca. 1910)

Frankfurt am Main - Als einer der zahlreichen Ausläufer des Impressionismus, oder eine Kreuzung aus Postimpressionismus und Symbolismus, kann eine nicht sehr bekannte Stilrichtung der französischen Malerei betrachtet werden, der Intimismus. Thematisch mit seiner Vorliebe für die kleine Welt von Haus und Garten dem Biedermeier verwandt, nutzte er die Techniken der frühen Moderne für seine meist stillen, gefühlvollen Arbeiten. Als recht typischer Vertreter kann Henri Le Sidaner betrachtet werden.

Der Sohn eines Schiffskapitäns wurde 1862 als Henri Eugène Augustin Le Sidaner in Port Louis auf Mauritius geboren. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ging die Familie zurück nach Frankreich und ließ sich in der Hafenstadt Dünkirchen unweit der belgischen Grenze nieder.

Der Historienmaler Alexandre Desmit gab ihm ersten Unterricht. 1880 ging Le Sidaner nach Paris und wurde 1882 dank der Hilfe Desmits an der École des Beaux-Arts angenommen, wo er unter anderem bei dem akademischen Historienmaler Alexandre Cabanel lernte. Cabanel sorgte dafür, daß sein talentierter Schüler an den Jahresausstellungen des Pariser Salons teilnehmen konnte – mit Erfolg. Später entzweiten sich jedoch Lehrer und Schüler aufgrund unvereinbarer Vorstellungen von Kunst – ob das daran lag, daß Le Sidaner sich ab 1885 zusehends von Malern wie Manet beeinflussen ließ? Von der akademischen Tradition war dieser jedenfalls recht weit entfernt.

Le Sidaner blieb erfolgreich, er konnte in Galerien in Paris und London ausstellen und entwickelte eine ausgeprägte Reisetätigkeit, so besuchte er New York, Rom und Venedig sowie verschiedene landschaftlich reizvolle Gegenden Frankreichs. 1900 ließ er sich im als eines der schönsten Dörfer Frankreichs geltenden Gerberoy nieder, welches für ihn auch eine Quelle künstlerischer Inspiration darstellte. 1930 wurde er selbst in die Pariser Akademie aufgenommen, er starb 1939 in Paris.

Wie eingangs erwähnt gilt Le Sidaner als Vertreter des Intimismus (den Begriff prägte übrigens der Schriftsteller André Gide), dessen zwei bekannteste Protagonisten Pierre Bonnard und Édouard Vuillard waren, welche auch den Nabis um Paul Sérusier angehörten, sich jedoch im Vergleich zu diesem und anderen Symbolisten stärker impressionistischer Mittel bedienten.

Le Sidaner war vielleicht kein gewaltiger, kein „genialer“ Künstler, schuf jedoch mit seinen Kleinlandschaften, Häuseransichten, Stilleben und Genreszenen ein überaus koherentes Werk, dessen großer Reiz gerade in seiner vornehmen Zurückhaltung liegt.

 

Verweise:

http://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=1751
http://henri.lesidaner.com/
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Henri_Le_Sidaner?uselang=de
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/henri-le-sidaner/
https://www.lesjardinshenrilesidaner.com/

Der Intimismus des Henri Le Sidaner https://art-depesche.de/images/Lesidaner21.jpg Ruedi Strese