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Karl Hagemeister „Teich in der Mark“ (Öl auf Leinwand, 1902, Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin)

Berlin - Eine Augenweide für Liebhaber frühmoderner Landschaftsmalerei bietet uns derzeit das üblicherweise auf Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus spezialisierte Bröhan-Museum in Charlottenburg. Unter dem selbsterklärenden Titel „Landschaft zwischen Impressionismus und Expressionismus – Meisterwerke von Hagemeister und Leistikow“ werden knapp 100 Arbeiten dieser beiden großen Landschafter der Berliner Secession zur Schau gestellt.

Ausgangspunkt der modernen Landschaftsmalerei war bekanntlich Frankreich, welches im Realismus eines Jean-Baptiste Camille Corot und der Schule von Barbizon und später mit den Impressionisten die akademischen Konventionen hinsichtlich Thematik, Pinselführung und Bildkomposition abstreifte und sich des kleinen und scheinbar zufälligen Landschaftsausschnittes als Sujet annahm.

Von den französischen Realisten und Impressionisten beeinflußt waren auch die beiden Deutschen Walter Rudolf Leistikow (1865-1908) und Karl Hagemeister (1848-1933). Hagemeister hatte sich bereits während seiner Studienjahre in den frühen 1870er Jahren bei Ausflügen nach Dresden von den Landschaftsmalern Frankreichs beeindrucken lassen, und 1884 ging er mit seinem Freund Carl Schuch höchstselbst nach Paris und Barbizon, mit dessen Künstlern er in regen Austausch trat. Leistikow war zwar etwas stärker an Skandinavien orientiert, doch sperrte auch er sich nicht gegen französische Einflüsse und pflegte entsprechende Kontakte, so nahm er in den Jahren 1895-98 an den Jahresausstellungen der Société Nationale des Beaux Arts in Paris teil. 

Die auf der gesamten ersten Etage des Museums ausgestellten Bilder umfassen Ölgemälde, Pastelle und Gouachen; von Hagemeister sind auch einige recht frühe Zeichnungen zu sehen. Der Großteil entstammt der hauseigenen Sammlung, doch sind auch einige private Leihgaben zu betrachten. 

Die Aufteilung ist an bestimmten Entwicklungslinien orientiert, von den französisch geprägten Ursprüngen ausgehend hin zu zunehmender Abstraktion bzw. Modernität. Aufgezeigt wird zudem der bei beiden Künstlern zu findende Einfluß japanischer Holzschnitte (wie er sich etwa auch bei van Gogh oder Gauguin zeigte). Bei Leistikow sehen wir gleichfalls eine Abkehr vomNaturalismus bedeuten; die Landschaft erhält expressiven Charakter, spiegelt die Seelenfarbe des Künstlers wider. Bei Hagemeister hingegen erzwingt faktisch die Auswahl kleiner Details der Landschaft als Motiv großformatiger Gemälde die Tendenz zur Abstraktion.

Alles in allem eine überaus lohnende Schau, die zahlreiche größere und kleinere Meisterstücke der Landschaftsmalerei zeigt, insbesondere Hagemeisters atmosphärisch-dichte Spätherbstpastelle und rauschhafte Seestücke wissen zu begeistern; Leistikows „Der Hafen“ (1895) und „Schlachtensee“ (1898) nehmen mit ihrer gewagten Farbgebung den Expressionismus vorweg. Das Prachtstück der Ausstellung dürfte indes Hagemeisters atemberaubendes Großgemälde „Teich in der Mark“ von 1902 sein, welches allein den Besuch rechtfertigt.

„Landschaft zwischen Impressionismus und Expressionismus“ ist noch bis zum 25. Februar 2018 zu sehen. Das Bröhan-Museum befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin, gegenüber vom Schloß Charlottenburg. Geöffnet ist es von Dienstag bis Freitag von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet 8,- bzw. ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

http://www.broehan-museum.de/aktuelles/landschaft-zwischen-impressionismus-und-expressionismus-meisterwerke-von-hagemeister-und-leistikow/
https://www.galerie-paffrath.de/de/kuenstler/hagemeister_karl_k271
http://www.hagemeister-werkverzeichnis.de/

Landschaften von Hagemeister und Leistikow im Bröhan-Museum https://art-depesche.de/images/IMG_8551.JPG Ruedi Strese