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Jean-Louis Forain „Hinter der Bühne – Sinfonie in Blau“

Paris - Als ein „typischer“ Impressionist erscheint er uns vielleicht nicht, doch mag dies unserer heutigen Wahrnehmung geschuldet sein, welche im Grunde vorrangig die oszillierende Landschaftsmalerei im Sinne des mittleren Monet als Paradebeispiel dieser Kunstrichtung sieht und dabei vergißt, daß die ursprünglich den Impressionisten zugerechneten Künstler bereits ganz verschiedene Herangehensweisen hatten. Jean-Louis Forain war thematisch und stilistisch vor allem von Daumier, Manet und Degas beeinflußt.

Geboren wurde er 1852 unter dem Namen Louis Henri Forain in einer einfachen Familie in Reims in der Champagne. Die Familie zog 1860 nach Paris. Bereits in frühen Jahren soll er sich im Louvre im Kopieren alter Meister versucht und Karikaturen für verschiedene Zeitschriften gezeichnet haben. Ersten Zeichenunterricht erhielt er von einem Pariser Historienmaler namen Louis Jacquesson. Es folgte eine kurze Phase, in welcher er an der École des Beaux-Arts bei Jean-Léon Gérôme und Jean-Baptiste Carpeaux Kurse belegte; allerdings behagte ihm der akademische Betrieb nicht sonderlich.

Es gelang ihm bald, in der Pariser Kunstszene Anschluß zu finden. Zu seinen Freunden gehörten der Schriftsteller Joris-Karl Huysmans, die Dichter Arthur Rimbaud und Paul Verlaine sowie die Maler Honoré Daumier, Édouard Manet, Claude Monet und Edgar Degas, alle etwa 15-20 Jahre älter als Forain. Insbesondere Degas nahm das junge Talent unter seine Fittiche und prägte ihn nachhaltig. Seine zahlreichen Aquarelle, Pastelle und Ölgemälde bedienten sich der impressionistischen Ansichten über Licht und Schatten und stellten das pulsierende Leben in der französischen Hauptstadt dar, wie es sich auf den Straßen oder in Theatern und Cafés zeigte.

Als Forain zu den Impressionisten stieß, waren diese schon weitgehend anerkannt. Von 1879 bis 1891 nahm er regelmäßig am Pariser Salon teil, außerdem beteiligte er sich an vier der insgesamt acht Impressionisten-Ausstellungen (1879, 1880, 1881 und 1886). Er wurde außerdem zum bedeutendsten französischen Karikaturisten seiner Zeit und arbeitete beispielsweise über 30 Jahre für den Figaro; eine von ihm selbst gegründete Zeitschrift namens Le Fifre ist heute allerdings kaum noch jemandem bekannt.

1891 heiratete er die Malerin und Bildhauerin Jeanne Bosc. 1892 konnte bereits „La Comédie Parisienne“, sein erster Sammelband mit Karikaturen, erscheinen – so sehr beliebt war er mit diesen Arbeiten geworden. Fortan begleitete ihn die Erfolge und Anerkennungen bis zum Lebensende. Seine Themenpalette erweiterte sich um Gerichtsszenen und – wie sein Freund Huysmans hatte er den katholischen Glauben neu entdeckt – religiöse Motive.

Im Ersten Weltkrieg stellte er sein Schaffen in den Dienst des französischen Patriotismus. 1923 wurde er zum Mitglied der Académie des Beaux-Arts und zwei Jahre später zu deren Präsidenten gewählt; 1931 wurde er zum Mitglied der Royal Academy of Arts in London. Als er kurz darauf in Paris starb, war er einer der populärsten Künstler Frankreichs, der selbst zahlreiche jüngere beeinflußt hatte, an erster Stelle wäre hierbei Henri de Toulouse-Lautrec zu nennen.

 

Verweise:

http://heidicon.ub.uni-heidelberg.de/pool/ubfrcari/search/Jean%20Louis%20Forain
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/artjournals/fifre.html
http://www.art-directory.de/malerei/jean-louis-forain-1852/index.shtml
https://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=341
http://www.schirn.de/magazin/kontext/gesellschaftskritik_und_zeitgeist_jean_louis_forain/

Jean-Louis Forain – Spätimpressionist auf Degas’ Spuren https://art-depesche.de/images/Jean-Louis_Forain_-_BackstageSymphony_in_Blue_-_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese