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Fjodor Wassiljew „Auf der Krim. Nach dem Regen.“ (1873)

Sankt Petersburg - Er starb im jungen Alter von nur 23 Jahren, dennoch gehört er zu den bedeutendsten russischen Landschaftsmalern. Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew verband die eher rauhe, bodenständige Malweise der Schule von Barbizon mit einer ausgesprochen lyrischen Stimmung und schuf so einen ganz persönlichen, berührenden Stil.

Geboren wurde er 1850 als Sohn eines einfachen Postbeamten in Gattschina bei St. Petersburg. Erst als er bereits vier Jahre alt war, heirateten seine Eltern, so daß ihm stets der Ruf eines unehelichen Kindes anhaften sollte. 1862 zog die Familie nach St. Petersburg, von da an mußte er selbst arbeiten gehen, vor allem bei der Post, und mit dem frühen Tod des Vaters mußte er allein für das Einkommen der kleinen Familie sorgen.

Was seine Ausbildungsjahre angeht, gibt es widersprüchliche Angaben, von daher sind diese unter Vorbehalt zu betrachten. 1863 bereits begann er Abendkurse an der Malschule der Gesellschaft zur Förderung der Künste zu nehmen. Dort hatte er das Glück, mehreren älteren Malern aufzufallen, die sich um ihn kümmerten, und 1865 konnte er die Stelle bei der Post aufgeben.

Im folgenden Jahr verliebte sich der bereits bekannte Landschaftsmaler Iwan Schischkin in Fjodors Schwester und begann in Folge, den jungen Künstler in der Kunst der Landschaftsmalerei zu unterrichten, zudem machte er ihn mit weiteren Künstlern wie Iwan Kramskoi und Ilja Repin bekannt; allerdings sollte das Verhältnis mit Schischkin später zu einem Konkurrenzverhältnis werden. Aus jener Zeit sind bereits die ersten Arbeiten Wassiljews erhalten, welche noch stark unter dem Eindruck Barbizons stehen. Technisch noch unausgereift, doch ist ein eigener Stil bereits erkennbar; Werke ab etwa 1869 heben sich bereits durch eine deutlich stimmungsvollere, bisweilen dramatische Herangehensweise von der rauhen, eher minimalistischen Art der französischen Realisten von Fontainebleau ab.

1870 bereiste er mit Repin die Wolga, das daraus entstandene Gemälde „Wolgaansicht. Lastkähne“ wurde mit großem Wohlwollen aufgenommen, außerdem wurde er zu einem der 20 Urmitglieder der realistischen Künstlergruppe „Peredwischniki“. Das 1871 entstandene „Tauwetter“ machte ihn schlagartig berühmt, der künftige Zar Prinz Alexander erstand eine Kopie und die Gesellschaft zur Förderung der Künstler verlieh ihm den ersten Preis. Die für den Prinzen angefertigte Kopie wurde zudem auf der Weltausstellung in London 1872 ausgezeichnet, überdies wurde Wassiljew in die Kaiserliche Akademie der Künste aufgenommen.

Der Ruhm währte jedoch nur kurz. Bald wurde die Tuberkulose diagnostiziert; der junge Mann mußte St. Petersburg verlassen und begab sich auf die Krim. Seinen Lebensunterhalt übernahm die Gesellschaft zur Förderung der Künstler, wobei jedoch von ihm als Gegenleistung Bilder verlangt wurden. Er malte zunächst aus der Erinnerung und nach Skizzen die russischen Ebenen, später jedoch auch die Landschaft der Krim und schuf noch zahlreiche Zeichnungen sowie einige fantastische, von Schwermut und Einsamkeit geprägte Gemälde, von denen „Berge der Krim“ sein letztes sein sollte, bis er 1873 in Jalta der Krankheit unterlag, wo er auch bestattet wurde. Eine nach seinem Tod in Sankt Petersburg veranstaltete Gedenkausstellung wurde ein riesiger Erfolg, sämtliche seiner Bilder konnten bereits vor offiziellem Ausstellungsbeginn verkauft werden. Stilistisch hatte der Frühvollendete auf zahlreiche jüngere Maler Rußlands, etwa Walentin Serow und Isaak Lewitan, einen starken Einfluß, und sein trauriges Schicksal berührt auch heute noch, insbesondere wenn wir uns die gewaltige Begabung, die aus seinem Werk ersichtlich wird, vor Augen führen.

 

Verweise:

http://www.abcgallery.com/V/vasilyev/vasilyev.html
http://www.rusartist.org/fyodor-alexandrovich-vasiliev-1850-1873/#.WmyoI2aX_k8
http://russia-ic.com/people/culture_art/v/548/

Fjodor Wassiljew – frühvollendeter Landschaftsmaler des lyrischen Realismus https://art-depesche.de/images/Fyodor_Vasilyev_In_the_Crimea_After_a_Rain_11026.jpg Ruedi Strese