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William Wyld „Manchester, vom Kersal-Moor aus gesehen“ | Wasserfarben auf Papier, 1852

Berlin - 1806 in London geboren, sah es für den jungen William Wyld früh nach einer künstlerischen Karriere aus. Bereits in jüngsten Jahren soll er sich stark zur Malerei hingezogen gefühlt haben, von einem bei einem Reitunfall tödlich verunglückten malbegeisterten Onkel erbte er dessen Malutensilien, damals war er gerade sechs Jahre alt. Mit Anfang 20 lernte er den Wasserfarbenmaler François Louis Thomas Francia (1772-1839) kennen. Dieser hatte bereits den romantischen Landschaftsmaler Richard Parkes Bonington (1801-1828) unterrichtet, nun wurde Wyld für einige Zeit sein Schüler in Calais.

Persönliche Umstände und berufliche Notwendigkeiten ließen jedoch eine professionelle Malerkarriere in die Ferne rücken, auch wenn Wyld seine Freizeit für künstlerische Tätigkeit nutzte. Seine Tätigkeit als Weinhändler brachte ihm allerdings zahlreiche Kontakte zur  französischen Aristokratie, und 1833 ermunterte ihn der damals überaus erfolgreiche Schlachtenmaler Horace Vernet (1798-1863), den er durch dieses Umfeld kennengelernt hatte, sich ganz der Malerei zu widmen. Vernet schlug Wyld vor, ihn nach Rom zu begleiten, wo er ihm Unterstützung zu verschaffen versprach.

In Rom erhielt Wyld durch Vernets Hilfe Aufträge für orientalistische Gemälde und sein Aufstieg begann. Nach einer Wanderung durch Italien ließ er sich 1834 in Paris nieder, wo er sein Atelier einrichtete, und 1839 mit dem Gemälde „Venedig bei Sonnenaufgang“ ein preisgekröntes Werk für den Salon ablieferte. Reisen 1844 nach Nordafrika und 1845 in die Bretagne folgten. Nach der Februarrevolution von 1848 kehrte er nach England zurück, wo er sich auf orientalische Themen spezialisierte und der „Neuen Gesellschaft der Wasserfarbenmaler“ beitrat und mit überaus detailreichen Gemälden große Erfolge erzielen konnte.

Königin Victoria war bereits 1843 auf Wylds Arbeiten aufmerksam geworden, denn ihre Tante, Königin Luise von Belgien, besaß mehrere davon in ihrer Privatsammlung. Victoria mochte diese Wasserfarbenbilder so sehr, daß sie einige für ihre eigene Sammlung auswählte, und Luise ließ ihr in Folge weitere zukommen. Die englische Königin schätzte Wyld in höchstem Maße, gab selbst Arbeiten anläßlich ihrer Besuche in Liverpool und Manchester bei ihm in Auftrag (diese sind bis heute Teil der königlichen Sammlung) und lud ihn schließlich zu sich ein. Wylds Darstellungen romantisieren die Städte, welche tatsächlich Höllen einer brutalen Industrialisierung waren und von einem Elend geprägt, welches die Königin selbst feststellte. Dessen ungeachtet beeindruckt „Manchester, gesehen vom Kersal-Moor“ durch überaus feine und detaillierte Darstellungsweise und eine nahezu traumhafte Atmosphäre. Bald darauf ging Wyld zurück nach Paris, wo er es zu hohen Ehrungen brachte und 1889 starb.

 

Verweise:

http://www.royalcollection.org.uk/collection/920223/manchester-from-kersal-moor

Industrialisierung und Romantik in Wasserfarben - Der britische Maler William Wyld https://art-depesche.de/images/Wyld_William_-_Manchester_from_Kersal_Moor_with_rustic_figures_and_goats_-_Google_Art_Project_1024px.jpg Ruedi Strese