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Josef Hegenbarth „Waldinneres“ (Pinselzeichnung 1952/53)

Berlin – Vor einigen Monaten stellten wir auf dieser Seite die Berliner Hegenbarth Sammlung und ihre damalige Ausstellung zu den Illustrationen des Künstlers zu Schillers „Lied von der Glocke“ vor. Nun gibt es interessante Neuigkeiten zu berichten, denn wieder gibt es in den Räumlichkeiten der Sammlung eine Schau, welche sich der Begegnung zweier Künstler widmet, nämlich des chinesischen Zeichners Guan Liang mit (natürlich) Josef Hegenbarth, sowie allgemein dem Einfluß der chinesischen Kunst auf dessen Schaffen.

Den Titel der Ausstellung, „Überflogenes Weiß – Der östliche Hegenbarth“ liefert eine Technik der chinesischen Kalligraphie, bei welcher die Farbe dünn, doch kraftvoll aufgetragen wird, bzw. ein gleichnamiges Werk des Dresdner Gegenwartskünstlers Thomas Baumhekel (*1963), welches den Bilderreigen eröffnet.

Bekannt ist Josef Hegenbarth (1884-1962) ja vor allem durch seine zahlreichen Illustrationen für Bücher und Zeitschriften wie den Simplicissimus. Sein sehr eigener, rauher und minimalistischer Stil läßt sich erkennbar der Moderne, doch kaum einer von deren bekannten Strömungen zuordnen. Die Tuschezeichnung bildet den Grundstock des Werkes, oft durch Wasserfarben erweitert. Bisweilen fühlt man sich an die Skizzen Edgar Degas’ erinnert - auch Degas war ja bekanntermaßen fernöstlich inspiriert; wie viele seiner Zeitgenossen bewunderte er die japanischen Farbholzschnitte.

In der direkten Gegenüberstellung der Pinselzeichnungen Hegenbarths mit den Werken der chinesischen Künstler, mehrheitlich Leihgaben des derzeit wegen Umzugs geschlossenen Museums für Asiatische Kunst wird jedoch klar, daß der chinesische Einfluß bei Hegenbarth weit tiefer und persönlicher war, fernab jeglicher Mode wie jener des Japonismus, welche Degas, van Gogh, Gauguin usw. in ihrer Zeit folgten.

Auch beschränkte sich diese Inspiration nicht auf die Begegnung mit Guan Liang (1900-1986), welcher im Rahmen einer chinesischen Künstlerdelegation 1957 die DDR besuchte und Hegenbarth zwei (ebenfalls zu besichtigende) Tuschzeichnungen mit Widmung überließ. Thematisch ist ein chinesischer Bezug spätestens 1928 zu belegen („Chinesische Artisten“, Aquarell und Leimfarbe); von Stil und Atmosphäre sind zwei herrliche Pinselzeichnungen von 1940 („Der Schneider himmlischer Hosen“) und 1952/53 („Waldinneres“) die klarsten Beispiele.

„Überflogenes Weiß (I) – Der östliche Hegenbarth“ wird noch bis zum 19. Mai 2018 zu besichtigen sein. Es handelt sich hier erneut eine sehr beachtenswerte Ausstellung; durch schriftliche Zeugnisse wenig belegt, wird durch die gemeinsame Betrachtung chinesischer und hegenbarthscher Arbeiten ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis des Werkes dieses Dresdner Meisters greifbar.

Die Hegenbarth Sammlung Berlin befindet sich im ersten Obergeschoß in der Nürnberger Straße 49 in 10789 Berlin, im Eckhaus zur Augsburger Straße, nur wenige Gehminuten vom Breitscheidplatz entfernt. Es gibt eine Klingel, nach deren Benutzung dem Besucher von Dienstag bis Freitag von 12 bis 16 Uhr Einlaß gewährt wird, nach Voranmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 030/236099-99 sind auch andere Zeiten möglich. Die Besichtigung ist kostenfrei.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/337-josef-hegenbarths-illustrationen-zu-schillers-„lied-von-der-glocke“.html
http://www.herr-hegenbarth-berlin.de/de/die-ausstellung.html
http://www.josef-hegenbarth.de/web2/start/index.php

Josef Hegenbarth und der ferne Osten – Ausstellung in Berlin https://art-depesche.de/images/IMG_9750.JPG Ruedi Strese