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Moritz von Schwind „Erscheinung im Walde“ (Öl auf Leinwand, ca. 1858)

Tief im Volkstümlichen wurzelte die spätromantische Kunst des Wieners Moritz von Schwind. Umfangreiche Wandmalereien, Historiengemälde und vor allem, wie es dem Geist der romantischen Epoche entspricht, Illustrationen zu Sagen und Märchen sind Teil seines Schaffens, welches auch in der Malerei vom zeichnerischen Aspekt beherrscht wird.

Moritz Ludwig von Schwind wurde 1804 in Wien geboren. Sein Vater war der aus Böhmen stammende Franz Edler von Schwind, Hofsekretär bei der Geheimen Hofkanzlei. Im Gymnasium in Wien besuchte er mit Eduard von Bauernfeld und Nikolaus Lenau eine Klasse, die beiden sollten sich später als Schriftsteller einen Namen machen.

Schwind sollte nach Wunsch der Familie Beamter werden und begann zunächst ein Philosophiestudium, fühlte sich jedoch stärker zur Kunst hingezogen, so daß er sich 1821 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien einschrieb, wo er bei Johann Peter Krafft und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld studierte. Vor allem letzterer, welcher den katholisch-romantischen Nazarenern nahestand, prägte den jungen Künstler – wobei er den Großteil seiner Ausbildung allerdings in Eigenregie bestritt, durch Beobachten und Abzeichnen. Zu seinen Freunden gehörten damals u.a. Franz Grillparzer und Franz Schubert – überhaupt sollte, nach der bildenden Kunst, auch die Musik im Leben von Schwinds eine herausragende Rolle spielen.

1827 besuchte er München und traf Peter Cornelius, ebenfalls einen Vertreter des Nazarener-Stils. Dieser beeindruckte ihn dermaßen, daß er im Folgejahr selbst nach München zog, um bei Cornelius weiterzulernen. Durch Vermittlung Cornelius’ erhielt Schwind einen Auftrag zur Gestaltung der Bibliothek der Königin mit Szenen aus der Dichtung Ludwig Tiecks. Es folgten weitere Aufträge für Wandgemälde aus Bayern, Sachsen und Baden, wodurch er sich bald einen Namen machte; von einer Italienreise im Jahr 1835 ließ er sich künstlerisch weniger beeinflussen als manch andere seiner Zeitgenossen.

Es folgten einige Jahre in Karlsruhe (1840-44) und Frankfurt (1844-47), wo er erneut Großaufträge für die Gestaltung privater und öffentlicher Gebäude erhielt, und 1847 erhielt er schließlich eine Professur an der Akademie in München. In jenen Jahren entstanden weitere bedeutende Arbeiten, etwa die an Beethoven angelehnte „Symphonie“ (1852) und vor allem die Wandgemälde auf der Wartburg in Eisenach (1854/55). Auch mit seinen grafischen Arbeiten, nicht zuletzt Märchenillustrationen, behauptete er seinen Platz unter den höchstrangigen Vertretern der späten Romantik; 1855 wurde er nebst zweien seiner Brüder in den Ritterstand erhoben.

Mitte der 1860er Jahre konnte er noch einmal mit einem bedeutenden Großauftrag zum Thema der Musik zurückkehren, als er die gerade im Bau befindliche (und schließlich 1869 eröffnete) Wiener Hofoper mit Wandgemälden nach Mozarts Zauberflöte (in der Loggia) und Werken anderer Komponisten (im Foyer) ausschmückte. Als Schwind 1871 in Niederpöcking (Bayern) starb, hatte er die Flamme der Romantik noch einmal zu einem späten, hellen Leuchten gebracht, der Strömung des Realismus blieb er zeitlebens fern – wobei allerdings auch eine Deutung möglich sein könnte, die ihn als Vorläufer des Jugendstils und Symbolismus einordnet...

 

Verweise:

https://www.pinakothek.de/kunst/meisterwerk/moritz-von-schwind/die-morgenstunde
http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/moritz-von-schwind.html
http://www.kettererkunst.de/bio/moritz-von-schwind-1804.php
http://gutenberg.spiegel.de/autor/moritz-von-schwind-703
https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artist/moritz-von-schwind/eine-symphonie

Moritz von Schwind – die späte Blüte der Romantik https://art-depesche.de/images/Moritz_von_Schwind_-_Erscheinung_im_Walde_-_11584_-_Bavarian_State_Painting_Collections.jpg Ruedi Strese