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Käthe Kollwitz „Arbeiter vom Bahnhof kommend (Prenzlauer Allee)“ (um 1899, Gouache auf Papier, Käthe Kollwitz Museum Köln)

Berlin – Das eher kleine, aber feine Bröhan-Museum in Charlottenburg wartet regelmäßig mit gelungenen Ausstellungen vor allem zu Künstlern und Kunstströmungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auf. Derzeit widmet sich eine Ausstellung namens „Berliner Realismus. Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix“ einer vorrangig sozialkritischen Kunst aus Berlin, welche irgendwo zwischen Realismus bzw. Naturalismus und Expressionismus zu verorten ist.

Gezeigt wird zunächst der Beginn der sozialkritischen Berliner Kunst im Umfeld der 1898 gegründeten Berliner Secession, hierbei geht es vor allem um Käthe Kollwitz, Heinrich Zille und Hans Baluschek, welche jeweils mit einer ganzen Reihe von Werken vertreten sind. Dabei ist auch der, vom Käthe-Kollwitz-Museum in Köln geliehene, berühmte sechsteilige Grafikzyklus „Ein Weberaufstand“; sicher eines der ergreifendsten Zeugnisse sozial engagierter bildender Kunst.

Eine spätere Künstlergeneration, welche ihre Hauptwirkensphase zur Zeit der Weimarer Republik hatte, verließ den Pfad einer menschlich begründeten Kritik sozialer Mißstände und ergriff Partei, ideologisiert sich – sozialistisch, oft kommunistisch. Otto Dix, Otto Nagel, Wille Jaeckel und George Grosz sind hier als prominente Beispiele zu nennen. Auch Käthe Kollwitz schloß sich dieser Strömung an; ihre späteren Arbeiten sind im Vergleich zu den Frühwerken weniger berührend, näher am Agitprop. Einzige politische Abweichung ist der deutschnationale Historienmaler Arthur von Kampf, dessen Ölbild „Wählt kommunistisch“ als künstlerische Dokumentation kommunistischer Aktivitäten eine interessante Ergänzung darstellt.

Erwähnt seien angesichts ihres Gewichtes in der Ausstellung sicher noch einige nun wirklich dem kommunistischen Agitprop zuzurechnende Arbeiten John Heartfields, ein Raum, welcher der Fotografie des Berliner Arbeitermilieus (Heinrich Zille) oder des jüdischen Lebens (Abraham Pisarek) gewidmet ist, sowie die hinter einem Vorhang verborgenen drastischen bis pornographischen Auszüge aus den „Hurengesprächen“ Zilles. Weitere vertretene Künstler sind Karl Hubbuch, Bruno Voigt, Egmont Schaefer, Konrad Felixmüller usw.

„Schön“ im engeren Sinne sind die hier gezeigten Werke eher nicht – aber das dürfte auch kaum der Anspruch ihrer Schöpfer gewesen sein. Ein interessantes Stück Kunstgeschichte sind sie allemal. „Berliner Realismus“ wird noch bis zum 17. Juni zu besichtigen sein. Das Bröhan-Museum befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin, gegenüber vom Schloß Charlottenburg. Geöffnet ist es im Ausstellungszeitraum von Dienstag bis Sonntag sowie an allen Feiertagen außer Pfingstmontag von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet 8,- bzw. ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

http://www.broehan-museum.de/aktuelles/berliner-realismus-von-kathe-kollwitz-bis-otto-dix/

Berliner Realismus – Ausstellung im Bröhan-Museum https://art-depesche.de/images/IMG_9912.JPG Ruedi Strese