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Marie Egner „In der Blütenlaube“ (Öl auf Leinwand, ca. 1896)

Berlin – Ende des 19. Jahrhunderts entstand in und um Wien eine eigene Schule der Freilichtmalerei, welche sich wie der Impressionismus stark mit Licht und Atmosphäre der freien Natur befaßte, sein Vorbild jedoch eher in den alten Meistern der niederländischen Landschaftsmalerei hatte, als in der französischen Pleinairmalerei. Bezeichnet wird diese Schule für gewöhnlich als Stimmungsimpressionismus; zu dessen bekanntesten Vertretern gehört Marie Egner.

Geboren wurde diese 1850 im steirischen Bad Radkersburg als Tochter eines Forstverwalters. 1865 zog die Familie nach Graz, wo die junge Frau nach dem Tod ihres Vaters 1867 begann, an der Ständischen Zeichnungsakademie bei Hermann von Königsbrun Zeichenkurse zu belegen, wobei oft unter freiem Himmel gearbeitet wurde.

Von 1872 bis 1875 lernte sie an der Düsseldorfer Kunstakademie, ihr Lehrer dort war Carl Jungheim, ein Landschaftsmaler in der romantischen Tradition Johann Wilhelm Schirmers und Oswald Achenbachs. Nach dem Studium in Düsseldorf ging sie zuerst zurück nach Graz und dann bald nach Wien, wo sie ein Atelier einrichtete und selbst Ölmalerei unterrichtete. Erste Ausstellungsbeteiligungen Ende der 1870er Jahre wurden positiv aufgenommen.

Etwa 1882/83 wurde Emil Jakob Schindler auf sie aufmerksam und begann, sie zu unterrichten. Die Sommermonate bis 1887 malte sie unter freiem Himmel in dessen Malkreis bei Schloß Plankenberg in Niederösterreich und folgte seiner als „Stimmungsimpressionismus“ bezeichneten Malweise. Dazu ist indes anzumerken, daß „Stimmungsimpressionismus“ kein zeitgenössischer, sondern ein kunsthistorischer Begriff ist, welcher erst posthum, etwa ab den 1950er Jahren auf diese Schule angewandt wurde.

Sie reiste viel, und von etwa 1887 bis 1889 hielt sie sich vorrangig in England auf, nicht zuletzt, um ihre Fähigkeiten in der von ihr bevorzugten Aquarelltechnik zu verbessern; immerhin war England Heimat der „Royal Watercolour Society“, welche dem Aquarell zuerst einen hohen Rang zuwies. 1888 konnte sie sogar an einer Ausstellung der Royal Academy teilnehmen. Egners Werke fanden nicht überall Anklang, doch Ausstellungsbeteiligungen an der 6. Internationalen Kunstausstellung im Münchener Glaspalast (1892), im Wiener Künstlerhaus, an der Großen Kunstausstellung in Berlin (1896, 1898, 1899), an der Weltausstellung in Paris (1900) und selbst in Chicago zeugen von einiger Anerkennung. 1896 kaufte Kaiser Franz Joseph Egners Bild "Ernte in Niederösterreich".

In Wien wurde sie Gründungsmitglied der Gruppe „Acht Künstlerinnen“, an deren Ausstellungen sie sich von 1900 bis 1909 beteiligte. Im Jahr 1910 mußte sie aufgrund gesundheitlicher Probleme ihre Malschule schließen. Ihre Sehkraft litt zusehends, dennoch war sie weiterhin schöpferisch tätig. Die "Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs" (VBKÖ), welcher sie angehörte, veranstaltete 1926 ihr zu Ehren eine große Einzelausstellung mit 180 Arbeiten. Schließlich erblindete sie allerdings vollständig; sie starb 1940 in einem Altersheim in Maria-Anzbach (Niederösterreich) – bisweilen wird auch Wien als Ort ihres Todes angegeben.

 

Verweise:

http://lithes.uni-graz.at/handbuch/egner_marie.html
https://gedaechtnisdeslandes.at/personen/action/show/controller/Person/?tx_gdl_gdl%5Bperson%5d=431
http://www.suppanfinearts.com/en/artists/impressionist-and-modern/marie-egner
https://www.galerie-albertina.at/kuenstler/13421/egner-marie/
https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Marie_Egner
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/marie-egner/
https://www.dorotheum.com/sparten/k/bilder/kuenstler/marie-egner.html?tx_onkuenstlerarchiv_artists%5B%40widget_1%5D%5BcurrentPage%5D=1#lot-1772665

 

Die österreichische Freilichtmalerin Marie Egner https://art-depesche.de/images/Marie_Egner_-_In_The_Blossoming_Bower.jpg Ruedi Strese