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Henri Martin „Orpheus im Wald“ (Öl auf Leinwand, 1895)

Frankfurt am Main - In seinen typischsten und interessantesten Werken bediente er sich der neo-impressionistischen Tüpfeltechnik, die mystische Thematik und Stimmung verweist hingegen auf Symbolismus und Jugendstil. Der Franzose Henri Martin schuf eine eigenständige und äußerst ansprechende Synthese zweier Strömungen seiner Zeit.

Geboren wurde er 1860 unter dem vollständigen Namen Henri-Jean Guillaume Martin im südfranzösischen Toulouse. Der Vater war ein lokaler Schreiner, die Mutter Italienerin (was, zugegeben, nicht unbedingt ein Beruf ist). 1877 schrieb er sich an der École supérieure des beaux-arts de Toulouse ein, wo er bei Jules Garipuy und Eugène Delacroix studierte. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1879, nach Paris zu gehen; dort lernte er im Atelier des Historienmalers Jean-Paul Laurens. Er scheint ein guter Schüler gewesen zu sein, denn schon 1883 gewann er für seinen Beitrag zum Pariser Salon, ein Gemälde, inspiriert durch ein Gedicht Dantes, eine Goldmedaille.

1885 konnte er, wiederum dank eines Stipendiums, nach Italien reisen, wo er sich ausgiebig mit den Werken der alten Meister befaßte. Dort entwickelte er auch seinen eigenen Stil, welcher sich durch an den Impressionismus und Pointillismus erinnernde kurze Pinselstriche auszeichnete, sich jedoch für diese Richtungen recht untypischer Motive bediente, zunächst italienischer Landschaften, später häufig mythologischer Szenen. Seine erste Einzelausstellung hielt er im Pariser Salon 1886, ein 1889 dort eingereichtes Gemälde wurde dem Pointillismus zugerechnet und wieder ausgezeichnet.

In den folgenden Jahren erhielt Martin mehrere Aufträge zur Gestaltung öffentlicher Gebäude, was nahelegt, daß sein Stil sich weiter Beliebtheit erfreute und nicht unbedingt als avantgardistisch und bahnbrechend wahrgenommen wurde. 1900 gewann er überdies den Großen Preis der Weltausstellung in Paris.

Eine gute Freundschaft entwickelte sich mit dem Bildhauer Auguste Rodin, und auch in symbolistischen Kreisen verkehrte er. Der bisweilen zu lesende Vergleich mit dem Symbolisten Pierre Puvis de Chavannes trifft allerdings nur auf einen (den weniger vom Neo-Impressionismus geprägten) Teil der Arbeiten Martins zu, denn Pierre Puvis de Chavannesbediente sich bei weitem nicht so explizit pointillistischer Technik.

Martin lehrte in Paris zunächst an der privaten Académie Vitti; unter seinen Schülern war unter anderem die amerikanische Impressionistin Nellie Ellen Shepherd. Er brachte es zu zahlreichen Erfolgen und Ehrungen; Ausstellungen gab es nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien, Belgien, Deutschland und sogar Island. 1889 war er bereits Mitglied der Ehrenlegion geworden; 1914 kam er in dieser sogar in den Rang eines Kommandanten. 1917 wurde er zum Mitglied der Académie des Beaux-Arts.

Seinen Wohnsitz hatte der eher eigenbrötlerische Mensch indes 1900 bereits von Paris in das Umland der okzitanischen Stadt Cahors verlegt. In dieser ruhigen Landschaft sowie in der Gegend seiner Heimatstadt Toulouse, welche er regelmäßig besuchte, schuf er einen Großteil seines Werkes, bis er 1943 verstarb. Ein in Cahors 1833 eröffnetes Museum wurde später ihm zu Ehren „Musée de Cahors Henri-Martin” genannt.

 

Verweise:

http://www.artcyclopedia.com/artists/martin_henri.html
http://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=1708
http://www.artnet.com/artists/henri-jean-guillaume-martin/
http://www.blouinartinfo.com/artists/henri-jean-guillaume-martin-118034
http://www.mairie-cahors.fr/musee/

Henri Martin: zwischen Neo-Impressionismus und Symbolismus https://art-depesche.de/images/Henri_Martin_-_Orpheus_in_a_Wood.jpg Ruedi Strese