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Sascha Schneider: Titelbild für Winnetou II (1904)

Frankfurt am Main - Einem größeren Publikum, über den überschaubaren Kreis der eingefleischten Liebhaber von Symbolismus und Jugendstil hinaus, bekannt wurde der Maler, Grafiker und Bildhauer Sascha Schneider. Der Grund dafür liegt in seinen künstlerisch herausragenden, jedoch zu ihrer Zeit sehr umstrittenen Deckelbildern zu den Reiseerzählungen des „herrlichen sächsischen Lügenbolds“ (Hermann Kant) Karl May.

Geboren wurde er 1870 in Sankt Petersburg, wo es eine nicht unbedeutende deutsche Minderheit gab. Aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Vaters als Redakteur und Druckereibesitzer verlegte die Familie 1881 den Wohnsitz nach Zürich. Der Vater starb jedoch früh, und die Mutter zog mit dem Nachwuchs zu Verwandten nach Dresden.

Sein Kunststudium begann Schneider 1889 an der Dresdner Kunstakademie. Ein Gemeinschaftsatelier stand ihm ab 1893 zur Verfügung; im Folgejahr hatte er seine erste Einzelausstellung. Der seit 1895 bestehende Kontakt zu dem symbolistischen Bildhauer, Maler und Grafiker Max Klinger öffnete ihm manche Türen. Ausgiebige Reisen führten ihn u.a. nach Frankreich und Italien.

1900 schließlich konnte er in Meißen sein eigenes Atelier eröffnen, blieb jedoch bis 1904 bei Mutter und Schwester wohnen. Zu bleibender Bekanntheit verhalf ihm schließlich die Bekanntschaft mit Karl May im Jahr 1903, der von einer Ausstellung Schneiders beeindruckt war und diesen zunächst mit einem Wandgemälde für seine Villa in Radebeul beauftragte und ihm bald darauf die Neugestaltung seiner „Gesammelten Reiseerzählungen“ im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld übertrug (bekannt als „Sascha-Schneider-Ausgaben“). Der Stil dieser grafischen Arbeiten war jenem eines Fidus oder Ludwig Fahrenkrog nicht unähnlich.

Als Schneider May seine Homosexualität offenbarte, tat dies den Beziehungen keinen Abbruch, allerdings nahm der Verlag in Folge Abstand; die nächste Auflage wurde nicht mehr mit Schneiders Illustrationen versehen, welche nun von den Büchern getrennt als Kunstmappe erschienen.

Wiederum Klinger hatte er es zu verdanken, daß er 1903(04?) eine Professur für das Aktzeichnen an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar erhielt. In jener Zeit richtete er sich ein großes Atelier ein, wo er monumentale Gemälde und Männerskulpturen schuf. In seinem kraftvoll-mythischen bildhauerischen Werk zeigte Schneider unverhohlene Bewunderung des griechischen Körperkultes; der lebensstrotzende nackte Jüngling ist allgemein ersichtlich sein Lieblingsmotiv. Wer sich dabei an Stefan George oder Erich Heckels George-Saal im Thüringer Angermuseum erinnert fühlt, liegt sicher nicht ganz falsch.

Vermutlich aufgrund von Erpressung durch seinen vormaligen Geliebten, den Maler Hellmuth Jahn, gab Schneider seine Professur auf und begab sich nach Italien, wo seine Neigungen strafrechtlich nicht relevant waren. Mit dem Maler Robert Spies, welcher ihm dort begegnete, bereiste er den Kaukasus. Danach wohnte er für ein halbes Jahr inkognito in Klingers Wohnung in Leipzig, und schließlich bis zum Ausbruch des Weltkrieges 1914 meist in Florenz, unterbrochen durch Aufenthalte in Deutschland. Künstlerisches Ansehen in der Heimat blieb ihm jedoch durch die mittlerweile recht offen zur Schau gestellte Homosexualität verwehrt.

Ab 1917 lebte und arbeitete er vorrangig im Dresdner Künstlerhaus. Ein eindeutig gefärbtes Projekt war sicher das von ihm sowie einem Sportmeister und einem Generaloberst ins Leben gerufene Bodybuilding-Institut „Kraft-Kunst“. Unter den dort Trainierenden fand Schneider männliche Aktmodelle für seine „Körperkulturbilder“. Die letzten Jahre waren von schweren gesundheitlichen Problemen geprägt, und 1927 verstarb Schneider auf einer Ostsee-Rundreise an einem Diabetes-Anfall. Im Jahr darauf gab es eine große Gedächtnisausstellung. Bestattet ist er auf dem Friedhof in Dresden-Loschwitz, die dort befindliche Büste wurde von Paul Peterich geschaffen.

 

Verweise:

http://kunstmuseum-hamburg.de/sascha-schneider-als-maler/
http://kunstmuseum-hamburg.de/sascha-schneider-bildhauer-und-maler/
http://www.karl-may-wiki.de/index.php/Sascha_Schneider
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/seklit/JbKMG/1992/318.htm
https://www.fachzeitungen.de/ebook-sascha-schneider
https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article128776808/Winnetou-auf-hoher-Klippe-beim-Lichtgebet.html
http://www.karl-may-wiki.de/index.php/Sascha-Schneider-Ausgabe

Sascha Schneider – Symbolismus für Winnetou https://art-depesche.de/images/Karl_May_Winnetou_II_Schneider_001.jpg Ruedi Strese