static-aside-menu-toggler
gkSearch
Caspar David Friedrich „Der Wanderer im Nebelmeer“ (Öl auf Leinwand, 94,8×74,8cm, ca. 1818, Hamburger Kunsthalle)

Berlin – Wanderfreunde aufgepaßt! Wohl kein anderes Gemälde ist mit dem Kult des Wanderns, der um 1800 weite Teile Europas erfaßte, so eng verknüpft wie Caspar David Friedrichs „Der Wanderer im Nebelmeer“, und dieses, eine Leihgabe der Hamburger Kunsthalle, steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Pragmatischerweise, aber dafür auch passend, wurde gleich der hauseigene Caspar-David-Friedrich-Saal zum inneren Bestandteil der Wechselausstellung gemacht, dieser enthält natürlich immerhin epochale Gemälde wie „Der Watzmann“ (1824/25), „Das Riesengebirge“ (ca. 1830-35), Eichbaum im Schnee (1829) oder die vor nicht langer Zeit restaurierten „Die Abtei im Eichwald“ (1809/10) und „Der Mönch am Meer“ (1808/10). Ergänzend und mit Bezug zur Ausstellung wurde hier lediglich ein Informationstext hinzugefügt, welcher die Bedeutung im Gesamtkonzept erläutert. Weitere Werke Friedrichs finden sich in den übrigen Räumen.

Ansonsten sind diese größtenteils thematisch geordnet, wobei jeweils ebenfalls ein Begleittext den Rahmen vorgibt. Das erste Kapitel im Eingangsraum ist der „Entdeckung der Natur“ gewidmet und das einzige, welches einer zeitlichen Ordnung folgt, denn es geht hierin um das 18. Jahrhundert und wie Natur- und Geisteswissenschaft und Kunst zeitgleich begannen, die Natur mit neuen Augen zu sehen. Alexander von Humboldts Reisen und Jean-Jacques Rousseaus Parole „Zurück zur Natur!“ bilden dabei wichtige Angelpunkte. Die malerische Seite wird hier u.a. durch den frühen englischen Landschafter Richard Wilson, den Pionier der Hochgebirgsmalerei Caspar Wolf und Jakob Philipp Hackert, welcher Zeuge eines Vesuvausbruchs wurde, repräsentiert.

Der Hauptteil der übrigen gezeigten Werke folgt einem etwas willkürlich erscheinenden bzw. eher lockeren thematischen Ordnungssystem; unter „Lebensreise“ sind Arbeiten zusammengefaßt, welche die Wanderung als Gleichnis des Lebensweges auffassen, „Wanderlandschaften nördlich der Alpen“ zeigen die Hinwendung zur Heimat und zum Eigenen, demgegenüber steht ein Bereich zum zeitgleich aufleuchtenden „Sehnsuchtsland Italien“ - den Schwerpunkt bilden hier jeweils, auch dem Thema entsprechend, Maler der Romantik (Carl Blechen, Carl Gustav Carus, Karl Friedrich Schinkel, Andreas Achenbach, Georg Friedrich Kersting, August Wilhelm Schirmer, usw.).

Werke aus der frühen Moderne tauchen, abgesehen vom Kapitel „Spaziergänge“, welches die etwa zur Zeit der Impressionisten auftauchende Mode der nicht für lange Strecken, doch zur leichten Erholung ins Grüne pilgernden Damen zum Thema hat, vereinzelt auf, u.a. mit einem Selbstbildnis von Otto Dix mit Wanderhut, einer der originellen Tuschezeichnungen Josef Hegenbarths und dem grandiosen „Winter“ Emil Noldes. In „Künstlerwanderung“ wiederum steht das sich im 18. Jahrhundert wandelnde Selbstbild des Künstlers im Vordergrund. Einem ganz anderen, nämlich technischen, Kriterium folgt „Arbeiten auf Papier“; die gezeigten Druckgrafiken und Zeichnungen (u.a. von Schinkel, Blechen und Ernst Fries) sind größtenteils Leihgaben des Kupferstichkabinetts. Ergänzend sind einige historische Bücher und thematisch passende Skulpturen , etwa von Barlach, zu sehen.

Bemängeln ließen sich die etwas gewollt wirkende Anordnung und eventuell der relativ hohe Anteil an Bildern, welche sonst auch in der Dauerausstellung vertreten sind, ansonsten lohnt sich die Ausstellung natürlich. „Wanderlust“ ist noch bis zum 16.9.2018 zu sehen und umfaßt den gesamten Bereich des 3. Obergeschosses der Alten Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel, Bodestr. 1-3, 10178 Berlin; die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10-18, am Donnerstag bis 20 Uhr.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/wanderlust.html

„Wanderlust“ - Ausstellung zum Motiv des Wanderns in der Malerei https://art-depesche.de/images/Caspar_David_Friedrich_-_Wanderer_above_the_sea_of_fog.jpg Ruedi Strese