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Hans Christiansen „Villa in Rosen“ (1901, Foto von Gregor Schuster)

Die grafischen und malerischen Arbeiten seiner Hauptschaffensphase gelten als typisch für den Jugendstil, den er als einer von dessen führenden Vertretern in Deutschland selbst mit prägte; im entsprechenden publizistischen Umfeld war er ebenfalls engagiert. Beispielhaft für den Jugendstil war auch der Brückenschlag zum Kunsthandwerk.

Geboren wurde er 1866. Seine professionelle Ausbildung war zunächst handwerklicher, nicht künstlerischer Art; er war Malergeselle und besuchte als solcher 1888 die Kunstgewerbeschule in München. Dem folgte ein Italienaufenthalt und anschließend eine Beschäftigung als Dekorationsmaler in Hamburg. Er betrieb intensive Studien der Pflanzenwelt und brachte 1892 ein entsprechendes Buch „Neue Flachsornamente“ heraus.

1895 beschloß er, sich zum Vollblutkünstler upgraden zu lassen; zu diesem Zwecke ging er nach Paris, wo er an der Académie Julian studierte. Er beteiligte sich dort an der Art Nouveau-Lithographie-Reihe „L’Estampe Moderne“, ebenso gehörte er zu den frühen Mitarbeitern der Zeitschrift „Die Jugend“ (bekanntermaßen Namensgeber des Jugendstils). Einen Zuverdienst erwarb er sich durch Gestaltung kleiner Sammelbildchen für die Schokoladenfirma Stollwerck.

1899 warb ihn der kunstverliebte Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein für die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe bei Darmstadt an. Dort war er, neben Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich, unter deren frühesten Mitgliedern. Er pflegte die kunsthandwerkliche Dimension des Jugendstils, entwarf Möbel, Keramiken und Schmuck.

Für 1901 war die erste große Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie angesetzt, dafür erdachten und errichteten die Künstler komplette Wohnhäuser als Gesamtkunstwerke. Christiansens Villa hatte die Rose zum Leitmotiv aller Räume ausgesucht, nannte sich folglich „Villa in Rosen“. Leider sollte sie 1944 den alliierten Bomben zum Opfer fallen. Immerhin hat Christiansen sein Haus im Jahr der Erbauung noch gemalt, so, daß uns wenigstens ein solcher malerischer Eindruck davon erhalten blieb.

Ab 1911 hatte er einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule in Wiesbaden, später trat er auch der 1925 von dem Maler Otto Ritschl gegründeten Freien Künstlerschaft Wiesbaden an. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Christiansen aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen, da er es ablehnte, sich von seiner jüdischen Gattin zu trennen. Er starb 1945 in Wiesbaden. Seine Witwe überstand den Krieg und verkaufte seinen Nachlaß 1959 an das Kunst- und Kulturgeschichtliche Museum in Flensburg. Nach ihm benannt wurde das zum Museumsberg Flensburg gehörende Hans-Christiansen-Haus, eine ehemalige Schule, welche nun eine Möbelsammlung sowie eine große Gemäldesammlung von Christiansen und anderen, vorwiegend schleswig-holsteinischen Künstlern beinhaltet.

 

Verweise:

http://www.museen-nord.de/Object/DE-MUS-045414/lido/19243
http://www.sammlung-kirsch.de/
https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article139489930/Wir-werden-alle-besser-wenn-wir-schoener-leben.html
http://www.broehan-museum.de/aktuelles/hans-christiansen-3/
https://www.museumsberg-flensburg.de/de/

Hans Christiansen – Universalkünstler des deutschen Jugendstils https://art-depesche.de/images/Hans_Christiansen_Haus_in_Rosen_1901.jpg Ruedi Strese