Überflogenes Weiß (II) – Tuschearbeiten Thomas Baumhekels in der Hegenbarth Sammlung

„Überflogenes Weiß (II) – Ausstellungseröffnung 6.6.2018“ ©Thomas Baumhekel, 2018

Berlin – Die Hegenbarth Sammlung Berlin setzt ihre Reihe deutsch-fernöstlicher Begegnungen fort. „Überflogenes Weiß (II) – Thomas Baumhekel: Arkona. Deutsche Landschaft japanisch. Schriftbilder und Objekte nach romantischen und expressionistischen Landschaften“ lautet der vollständige Titel der aktuellen Schau, deren erster Teil bis zum 15. Juli zu besichtigen ist.

Thomas Baumhekel, Jahrgang 1963, Dresdner Künstler des Informel, brachte sich die chinesischen bzw. die davon abgeleiteten japanischen Schriftzeichen in Eigenregie bei. Zwei Serien dieser Arbeiten sind in Beispielen vertreten. Ausgangspunkt der „Grundkurs“ getauften ersten Serie, begonnen 2009, war ein noch zu DDR-Zeiten verlegtes japanisches Sprachlehrbuch. Mit kräftigem, expressivem (und nicht gerade ostasiatisch-grazilem) Strich werden im Kontext sonderbar launisch bis ironisch wirkende Beispielsätze aus dem Lehrbuch wie ‚Das Zimmer von Herrn Berger liegt in einer verkehrsgünstigen Lage‘ oder ‚Es macht doch wohl keinen Spaß, die Sommerferien am Meer zu verbringen, wenn man nicht schwimmen kann‘ zum Stoff der Tuschemalereien.

Die zweite Serie hingegen bezieht sich auf den 2011 entdeckten Katalog einer 1978 in Tokio mit Leihgaben der Dresdner Galerie Neuer Meister veranstalteten Ausstellung „Caspar David Friedrich und sein Kreis“. Der Kontrast zwischen den ihm als Dresdner bestens vertrauten romantischen Gemälden und den japanischen Bildunterschriften inspirierte ihn zur Schaffung „abstrakter Landschaften“ (Deutung des Verfassers) aus den fernöstlichen Piktogrammen, wobei diese sich vorrangig lediglich auf sich selbst beziehen, dabei jedoch ein weites Feld an Assoziationen eröffnen.

Dazu findet sich zusammenfassend ein Zitat Thilo Götze Regenbogens: „Als Autodidakt im Chinesischen hat Thomas Baumhekel es in kurzer Zeit so weit gebracht, daß seine Schriftbilder auch von Chinesen gelesen werden und in Japan Aufsehen erregen. Ohne sich damit wichtig zu machen, hat er einfach die chinesische Schrift als Ausdruckssystem in die moderne Malerei eingeführt.“

Ergänzt wird die Schau durch Porzellanarbeiten des Künstlers, welche dieser als „Pagoden“ und Elemente fernöstlicher Landschaft deutet. Außerdem wurde einer der interessantesten Arbeiten Hegenbarths aus der vergangenen Ausstellung, der Tuschezeichnung „Waldinneres“, ihr Platz gelassen, überdies finden sich je eine Arbeit Emil Noldes und Paul Klees, welche dem ursprünglichen chinesischen Piktogramm vergleichbare Bildelemente enthalten.

Zum Begleitprogramm gehören Kalligraphie-Workshops, ein Ausstellungsgespräch mit Thomas Baumhekel im Museum für Asiatische Kunst Berlin (Mittwoch, 20. Juni, von 19-21 Uhr); Näheres dazu auf der Seite der Hegenbarth Sammlung Berlin. Der zweite Teil dieser Ausstellung, mit zwölf weiteren Arbeiten Baumhekels und Leihgaben Christian und Caspar David Friedrichs unter dem gleichen Leitgedanken, ist vom 14. August bis zum 28. September angesetzt. Erwähnt sei an dieser Stelle auch noch, daß der liebevoll gestaltete Katalog zu „Überflogenes Weiß – Der östliche Hegenbarth“, der Einleitung der Ausstellungsreihe, mittlerweile erhältlich ist. Die Hegenbarth Sammlung befindet sich in der Nürnberger Straße 49 in 10789 Berlin und ist von Dienstag bis Freitag von 12-16 Uhr sowie nach Vereinbarung an jedem dritten Sonntag im Monat von 11 bis 14 Uhr zu besichtigen (Kontakt über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 030/236099-99).

 

Verweise:

http://www.herr-hegenbarth-berlin.de/de/die-ausstellung.html
https://art-depesche.de/malerei/383-josef-hegenbarth-und-der-ferne-osten-%E2%80%93-ausstellung-in-berlin.html
https://www.japan-art.com/artists/32-thomas-baumhekel/overview/
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/thomas-baumhekel.html