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Carl Vinnen „Sommer in Worpswede“ (Öl auf Leinwand, 1906)

Frankfurt am Main - Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Carl Vinnen im Umfeld der Künstlerkolonie Worpswede und der Lebensreform tätig. Seine Landschaften sind von tiefer Liebe zur Schönheit der Natur und melancholischer Stimmung geprägt.

Geboren wurde er 1863 in einer erfolgreichen Bremer Reederfamilie. Nach seinem Schulabschluß unterstützte er seinen Vater einige Jahre als Kaufmann in dessen Unternehmen. Seine künstlerische Ausbildung begann er 1886 an der Düsseldorfer Kunstakademie, 1888 wechselte er nach Karlsruhe. Ob Vinnen wirklich Schüler Böcklins war, möchte ich aufgrund von dessen Lebensdaten bezweifeln, denn in jenen Jahren hatte dieser zumindest seinen Wohnsitz nebst Atelier bei Zürich, stilistisch ist der Einfluß des großen deutschen Symbolisten auf Vinnens Landschaften jedoch nachvollziehbar.

Spätestens 1889 (vielleicht auch schon früher in Düsseldorf) lernte er Fritz Mackensen und Otto Modersohn kennen. Die beiden besuchten ihn im Sommer für einige Wochen auf dem Gut seines Vaters und luden ihn andersrum zur Teilnahme an der gerade im Entstehen begriffenen Künstlerkolonie in Worpswede ein. Es entstand ein reger Austausch, und in den nächsten Jahren lernte er auch Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker kennen.

Vinnen ist heute vor allem als Mitglied der Worpsweder Kolonie bekannt, obwohl er sich dort stets nur vorübergehend aufhielt und es recht früh bereits Spannungen und künstlerische Differenzen gegeben zu haben scheint. Allerdings beteiligte er sich 1894 an der Gründung der Künstlervereinigung Worpswede, deren wichtigstes Ansinnen die bessere Vermarktung der Werke ihrer Mitglieder war; hierbei erwies sich Vinnens kaufmännische Kenntnis als vorteilhaft. Eine erste Ausstellung in Bremen fand jedoch negative Resonanz.

Vinnens Landschaften zeichnete sich durch große Formate und kräftige Farben aus, unter den Worpswedern waren sie umstritten, beeinflußten jedoch auch deren Schaffen. Sein Atelier hatte Vinnen auf dem Gutshof in Osterndorf (heute Stadtteil von Beverstadt bei Cuxhaven), die finanziellen Verhältnisse erlaubten ihm eine ungewöhnlich gute Ausstattung bis zu einem eigenen Gehilfen, der für die Farbherstellung zuständig war, und einem Modellstall für Tiermalerei. Nebenbei reiste Vinnen viel, jagte und betätigte sich als Schriftsteller (unter dem Pseudonym Johann Heinrich Fischbeck), auch gehörte er zu den Künstlern, deren Arbeiten als Sammelbilder für die Schokoladenfirma Stollwerck Verwendung fanden.

Obwohl er selbst vielfach als Haupt der Worpsweder Künstlerschar wahrgenommen wurde, stellte sich die innere Distanz bald ein. So verweigerte er Rainer Maria Rilke 1902 selbst auf inständiges Bitten die Beteiligung an einer Monographie der Künstler von Worpswede. 1908 zog er von Osterndorf nach Cuxhaven und ließ sich bei seinen Küstenlandschaften impressionistisch beeinflussen.

In seiner Rolle als Vorstandsmitglied des Bremer Kunstvereins verfocht er eine nationalistische Sichtweise, welche sich gegen den Aufkauf ausländischer Künstler durch die (dem Verein gehörende) Bremer Kunsthalle wandte, bekannt wurde der Streitfall „Vinnen vs. van Gogh“, denn die Kunsthalle hatte 1911 als erstes deutsches Museum ein Gemälde des berühmten Niederländers erworben, was einen Protestartikel Vinnens zur Folge hatte, der wiederum eine scharfe Antwort der Moderne stärker zugewandter Künstler nach sich zog (sog. Bremer Künstlerstreit). Auch dem Fauvismus und den Expressionisten galt seine entschiedene Ablehnung. 1912 zog er nach München, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte, bis er 1922 an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/carl-vinnen/
https://wildundhund.de/carl-vinnen-ehe-die-spuren/
http://www.worpswede-museen.de/kolonie-kuenstler/carl-vinnen.html
https://www.museum-modersohn.de/service-view/carl-vinnen/
https://www.welt.de/print-welt/article716655/Vinnen-gegen-van-Gogh.html

Carl Vinnen – Stimmungslandschaften im Umfeld der Worpsweder Kolonie https://art-depesche.de/images/Carl_Vinnen_Sommer_in_Worpswede.jpg Ruedi Strese