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links: Alena Tolabava „Violet“ (Acryl / Mischtechnik auf Leinwand, 60x60cm, 2018) rechts: Arzhan Iuteev „Otschi-Balla“ (weißer Kreidestift auf schwarzem Papier, 100x100cm, 2018)

Berlin - Eine gelungene Ausstellung zweier Künstler bietet derzeit die unseren Lesern bereits gut bekannte Galerie Ars Pro Dono im Prenzlauer Berg, Spezialist für Kunst aus dem Raum der einstigen Sowjetunion. Die Weißrussin Alena Tolabava überrascht mit äußerst effektivem Minimalismus auf Leinwand, der noch sehr junge Altaier Arzhan Iuteev befaßt sich vor allem in grafischen Arbeiten mit den Traditionen seiner Heimat.

„Das kleine Leben“ ist der Titel der Ausstellung von Alena Tolabava. 1975 wurde sie in Belarus geboren, wo sie lebt und arbeitet. Sie ist außerordentliche Professorin für Design und Mode an der Staatlichen Technologischen Universität in Witebsk, der Stadt, welche einst zwei bedeutende und bisweilen heftig verfeindete Maler hervorgebracht hat, den poetischen Marc Chagall, und Kasimir Malewitsch mit seinem kühlen Suprematismus.

Sie hatte bereits zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Rußland, Polen, Lettland, Italien und Deutschland, versuchte sich an Installationskunst, Papierobjekten, Experimenten mit Glas und konzeptueller Kunst.

Mit „Das kleine Leben“ beschränkt sie sich auf den Bereich der Malerei. Reduziert, bisweilen kryptisch, doch kraftvoll werden kleine Ausschnitte der Welt gezeigt, Stilleben, wenn man will, die eine etwas wunderliche Stimmung erzeugen, manchmal an das Flimmern uralter Schwarz-Weiß-Filme erinnern. Herausragend das Diptychon „Das weiße Meer“, eine Küstenlandschaft, unter dem Effekt starken Sonnenlichtes auf die sich gerade öffnenden Augen des Betrachters.

Räumlich getrennt ist „Schamanenmysterium“, die Schau Arzhan Yuteevs. Dieser wurde 1989 in der sibirischen Republik Altai geboren; er lernte an der Gorno-Altai Hochschule für Kultur und Kunst, dem Staatlichen Kunstinstitut Krasnojarsk sowie der Malwerkstatt des Professors A.A. Pokrovsky.

Was den Großteil seiner gezeigten Arbeiten mit denen der Frau Tolabava verbindet, ist der Verzicht auf große Farbigkeit – es sind hier ja allerdings Graphiken, Kohle auf weißem oder Kreidestift auf schwarzem Papier sind die bevorzugten Mittel. Auch ein Hang zum Mystischen ist beiden Künstlern gemein. Wenn bei Frau Tolabova aber der zivilisierte Alltag fragend aufgebrochen wird, bezieht sich Iuteev unmittelbar auf die Legenden und Riten seiner Heimat und Kultur.

Zu sehen sind vier ausdrucksstarke, zum Teil fast fotografisch wirkende Triptychen in Kreidestift auf schwarzem Papier, darunter „Der Geschichtenerzähler“ sowie „Die Altai-Prinzession und ihre Krieger“. Unmittelbar den Titel der Ausstellung rechtfertigend ist das collagenartige „Von den Geistern erwählt“, ähnlich aufgebaut sind die Kohlezeichnungen „Turk-Kabai“ (etwa „Wiege der Turkvölker“) und „Tabu“. In herbem Kontrast stehen einige sehr bunte folkloristisch-ornamentale Ölgemälde sowie das ebenfalls recht farbenfrohe Bild einer jungen Dame namens „Blumen des Altai (Frühling)“.

Beide Ausstellungen sind noch bis zum 31. Juli zu besichtigen. Ort ist die Galerie Ars Pro Dono, Prenzlauer Allee 191 in 10405 Berlin. Diese ist für gewöhnlich von Montag bis Freitag von 10-19 sowie am Sonnabend von 11-16 Uhr geöffnet; vom 16.7. bis Ausstellungsende an öffnet sie allerdings erst ab 14 Uhr.

 

Verweise:

https://www.arsprodono.de/
http://www.kulturportal-russland.de/veranstaltung.36168.doppelausstellung-malerei-ausstellung-das-kleine-leben-und-grafik-ausstellung-schamanen-mysterium.perm
https://news.vitebsk.cc/tag/alena-tolabava/

Alena Tolabava und Arzhan Iuteev – Doppelausstellung in Berlin https://art-depesche.de/images/4115AB6B-8727-41B2-B5C1-7A2194B43A30_1200px.jpg Ruedi Strese