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Emile Claus „Oktobermorgen an der Leie“ (Öl auf Leinwand, 1901)

Bremen - Seine ersten Lorbeeren verdiente er sich mit akademischen Porträts und Genrebildern, in den 1890er Jahren geriet er jedoch unter den Einfluß des französischen Impressionismus. In dieser Malweise wurde er einer der bedeutendsten belgischen Maler seiner Zeit; auch gilt er als einer der Begründer des Luminismus, welcher sich im Vergleich durch eine noch stärkere Betonung der Lichteffekte auszeichnete.

Geboren wurde er 1849 im Dorf Vive-Saint-Eloi an der Leie in Flandern als zwölftes von dreizehn Kindern eines Krämers. Als Kind zeichnete er bereits gerne und besuchte bereits in jungen Jahren die Zeichenschule in der nicht weit entfernten Stadt Waregem. Der Vater, welcher ihm zwar diese Ausbildung erlaubt hatte, stellte sich jedoch Handfesteres vor und schickte ihn ins französische Lille, wo er den Beruf des Bäckers erlernen sollte. Hier eignete er sich zwar die französische Sprache an, der verordnete Beruf lag ihm jedoch denkbar fern, und auch andere Arten nichtkünstlerischen Broterwerbs mißfielen ihm.

Er wandte sich also in einem Bittbrief an den Komponisten Roger Benoit, einen Bekannten der Familie, welchem es schließlich gelang, den Vater zu überzeugen, Emile das Kunststudium zu gestatten, und somit durfte er ab 1869 an der Akademie der Bildenden Künste in Antwerpen studieren, mußte das Studium jedoch selbst bezahlen. Seine Lehrer waren der Landschaftsmaler Jakob Albert Jacobs sowie der Porträtist und Historienmaler Nicaise de Kaiser, gleichzeitig Direktor der Akademie. Abschließen konnte er 1874 erfolgreich, mit einem zweiten Preis.

Bereits im Folgejahr hatte er seine erste Ausstellung in Gent, 1876 dann in Brüssel. Mit seinen realistischen, in dunklen Tönen gehaltenen Porträts und Genreszenen erarbeitete er sich einen guten Ruf, und 1882 debütierte er mit dem „Hahnenkampf in Flandern“ im Pariser Salon, welches Würdenträger der Stadt Waregem bei der Betrachtung des Schauspiels zeigt, in klassischem Chiaroscuro.

Seither hielt er sich häufig in Paris auf, wo er die Malerei der französischen Impressionisten, insbesondere Monets, kennen und lieben lernte, und schließlich übernahm er nach und nach diesen Stil, seine Farben wurden heller und der Pinselstrich lockerer. Um 1890/91 war er selbst zum Impressionisten geworden. Freundschaften pflegte er in Paris mit Émile Zola, und von den Malern insbesondere mit dem Norweger Frits Thaulow und dem Schweden Anders Zorn.

Die Orientierung an Monet war offen und eindeutig, dessen herrliches Spiel mit Licht übernahm Claus und führte es weiter bis zum Luminismus, mit welchem er seinerseits zahlreiche jüngere belgische Künstler beeinflußte, darunter seine Schüler Anna de Weert, George Morren und Jenny Montigny. Mit letzterer entstand auch eine Liebesbeziehung, welche bis zu Claus’ Tod währen sollte.

Claus war 1893 Mitbegründer der Brüsseler Ausstellungsgemeinschaft Union Artistique, nahm ab 1896 an Ausstellungen der Gruppe La Libre Esthétique (ebenfalls Brüssel) teil, auch zur Berliner Secession schickte er seine Arbeiten, und 1904 war er Begründer der luministischen Vereinigung Vie et Lumière („Leben und Licht“); 1905 wurde er in die Antwerpener Kunstakademie aufgenommen.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ging er ins Londoner Exil, wo er vor allem zahlreiche Abbildungen der Themse bei verschiedensten Lichtverhältnissen schuf, nicht zuletzt angelehnt an entsprechende Serien des späten Monet. Nach Kriegsende kehrte er nach Astene (heute Teil der Stadt Deinze) in seiner flämischen Heimat zurück, wo er 1924 verschied, geachtet als größter belgischer Landschafter seiner Zeit und Begründer einer neuen Bewegung in der Malerei seines Landes.

 

Verweise:

https://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=344
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/emile-claus/
http://www.macconnal-mason.com/Claus-Emile-DesktopDefault.aspx?tabid=45&tabindex=44&artistid=235890

Emile Claus – vom akademischen Realismus zum führenden Impressionisten Belgiens https://art-depesche.de/images/Emile_Claus_-_October_Morning_on_the_River_Leie.jpg Ruedi Strese