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Alfred Helberger – farbstarker Postimpressionismus aus dem Umfeld der Berliner Secession

Bremen - Zu den äußerst interessanten, doch eher unbekannten Vertretern der frühen deutschen Moderne gehört der Postimpressionist Alfred Helberger, welcher sich anfangs vom französischen Impressionismus, dann u.a. von van Gogh und Munch beeinflussen ließ, später mehr dem flächigen Farbauftrag der Fauves zuneigte. Er schuf hauptsächlich Landschaften in zumeist kräftigen Farben.

Geboren wurde Alfred Hermann Helberger 1871 in Eberstadt (seit 1937 Ortsteil von Darmstadt). Seine künstlerische Ausbildung begann er mit einem Studium am Städelschen Institut in Frankfurt am Main (1889-90), anschließend ging er nach Karlsruhe. An der dortigen Kunstakademie studierte er von 1890-96 u.a. bei Ernst Schurth, Carlos Grethe und vor allem Gustav Schönleber, welcher ihn in mit seiner eigenen Landschaftauffassung zwischen Realismus und Impressionismus stark beeinflußte.

In den Jahren 1892-98 reiste er mehrfach nach Norwegen und setzte sich mit der dortigen Landschaft auseinander. Ab 1896 war er als freischaffender Künstler in Frankfurt am Main tätig, 1900 zog er nach Berlin bzw. das damals noch eigenständige Charlottenburg (auch 1894 ist zu lesen, dies dürfte wohl falsch sein), welches Anziehungspunkt für zahlreiche Künstler und Sitz der 1899 gegründeten Berliner Secession war. Weitere Reisen führten nach Italien, Dänemark, Portugal und sogar Brasilien. Eine Parisreise 1905 gab den Ausschlag zu erhöhter Farbigkeit; Edvard Munch, Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Maurice de Vlaminck hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Seine Zeit in Berlin/Charlottenburg ließ ihn zu einem der bedeutendsten Berliner Künstler werden. Er stellte regelmäßig bei Ausstellungen der Berliner Secession, des Vereins Berliner Künstler sowie auch im Salon des Kunstsammlers Gurlitt aus. 1912 beteiligte er sich an der Münchner Jahresausstellung im Königlichen Glaspalast, auch auf der Großen Berliner Kunstausstellung war er mehrfach vertreten. Neben Landschaften, die in ihren expressiven Farben bisweilen den (späteren) Marsden Hartleys und sogar Nicholas Roerichs nicht ganz unähnlich sind, schuf er auch Porträts und Blumenbilder.

Den Kriegsdienst 1914-18 versah er als Kriegszeichner, in Folge ließ er sich erneut in Berlin nieder. Im Zuge der kleingeistigen nationalsozialistischen Kulturpolitik wurde er aus dem Verein Berliner Künstler ausgeschlossen, 1937 eine seiner Arbeiten als „entartet“ beschlagnahmt. Aufgrund seiner jüdischen Ehefrau erhielt er ein generelles Mal- und Ausstellungsverbot, dessen Aufhebung er jedoch glücklicherweise erwirken konnte. Seine Frau starb 1945 in einem Konzentrationslager, worauf er selbst im Januar 1946 Selbstmord beging. Bestattet ist er in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Heerstraße im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Das zur Illustration dieses Artikels genutzte Bild einer norwegischen Landschaft erstand seinerzeit die Kunstdeputation der Stadt Charlottenburg für deren Kunstsammlung, es befindet sich im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf.

 

Verweise:

https://galerie-der-panther.de/alfred-hermann-helberger/
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/alfred-hermann-helberger/
https://www.auktionshaus-stahl.de/kuenstlerverzeichnis.php?alpha=&kuenstler=3021
https://kunsthandel-koskull.de/kunst-1900-1945/alfred-hermann-helberger/

Alfred Helberger – farbstarker Postimpressionismus aus dem Umfeld der Berliner Secession https://art-depesche.de/images/0B076BA6-3C59-49D6-92FB-14FEC3C6762E.jpeg Ruedi Strese