Tuschearbeiten Thomas Baumhekels in der Hegenbarth Sammlung, zweiter Teil

Thomas Baumhekel „Die im Äther Befindliche bin ich“ (aus der Turfanforschung, Tusche auf Papier, 2012)

Berlin – Wie angekündigt hat die Hegenbarth Sammlung Berlin nun den zweiten Teil des zweiten Teils ihrer Ausstellungsreihe „Überflogenes Weiß“ eröffnet. Thematisierte der Auftakt die Bezüge Josef Hegenbarths selbst zum fernen Osten, zeigt der zweite Teil unter dem Titel „Arkona. Deutsche Landschaft japanisch. Schriftbilder und Objekte nach romantischen und expressionistischen Landschaften“ Arbeiten des Dresdner Informel-Künstlers Thomas Baumhekel – mit diesem geht es nun weiter, doch wechselten nicht nur die Baumhekelschen Tuschezeichnungen, sondern es werden nun auch, als romantischer Rückbezug, Arbeiten der Friedrich-Brüder präsentiert.

Etwa ein Viertel der ausgestellten Bilder war bereits in der vergangenen Ausstellung enthalten, doch zeigt sich nun an anderem Platz und in anderer Wirkung. Den Grundstock bilden weiterhin Beispiele aus den zwei Reihen, in welchen sich der 1963 geborene Baumhekel mit japanischen Schriftzeichen beschäftigt. Deren erste nennt sich „Grundkurs“ und nutzt Beispielsätze aus einem gleichnamigen Sprachlehrbuch aus DDR-Zeiten, die zweite macht die japanischen Bildunterschriften eines 1978 in Japan verlegten Ausstellungskataloges „Caspar David Friedrich und sein Kreis“ zu Bildobjekten, Landschaften aus Piktogrammen, welche sich auf eigenwillige Weise mit ihren romantischen Inspirationen treffen. So erinnert das im ausliegenden genannten Originalkatalog enthaltene Werk Friedrichs „Blick über die Wiesen zum Riesengebirge“, welches zu einem der Baumhekel-Bilder führte, mit seinem Mut zur freien Fläche und sparsamen Zeichnung nicht wenig an ostasiatische Landschaftskunst. Neu im Programm und in seiner Intensität etwas herausstechend ist das zur Illustration dieses Artikels eingesetzte „Die im Äther Befindliche bin ich“, welchem ein historischer Text aus der Oase von Turfan (Region Xinjiang) zugrunde liegt.

Als Kontrast und Rahmen dienen erneut Werke verschiedener anderer Künstler. Aus der vergangenen Ausstellung übernommen wurden Emil Noldes Aquarell „Marschlandschaft mit Wolken“ und einige Arbeiten Josef Hegenbarths, neu hinzukommen ist von letzterem „Nächtliches Zitherspiel“, ein sehr feines Aquarell mit Leimfarbe aus dessen Illustrationszyklus zu Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“.

Besonders beachtenswert sind zwei Leihgaben des Stralsund Museums, Graphiken der Friedrich-Brüder. Von Caspar David findet sich eine kleine, meisterliche Radierung „Landschaft mit hölzerner Brücke“. Ungewöhnlich ist eine von wenigen erhaltenen Arbeiten seines nahezu unbekannten älteren Bruders Christian (1770-1843), ein winziger Holzschnitt nach einem gezeichneten Selbstporträt Caspar Davids.

Ein herausragendes Schmuckstück ist ein Aquarell auf Bleistiftzeichnung des vor allem in Dresden aktiv gewesenen Malers und Grafikers Pol Cassel (Paul Ernst Karl Cassel, 1892-1945), betitelt „Steinbruch im Mondlicht“. Dieses entstammt der privaten „Schatzkiste“ des Ehepaares Jutta und Christopher Breu, welches sich seit 2014 in liebevoller Arbeit der Aufgabe widmet, die Hegenbarth Sammlung der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Alles in allem lohnt sich also der Besuch dieser neuen Schau eines unterstützenswerten Projektes.

Auch diesmal gibt es ein Begleitprogramm zur Ausstellung, eine Sonntagsmatinee (jeweils am dritten Sonntag im Monat von 11-14 Uhr) mit öffentlicher Führung (diese beginnt 11 Uhr 30 und kostet 3 €), eine Live-Performance zur langen Nacht der Museen mit der Zeichnerin und Multimedia-Künstlerin Nicole Wendel (für deren noch zu schaffende Arbeiten eigens ein Platz im Ausstellungsraum vakant gelassen wurde) sowie der Tänzerin Audrey Rose Burden; am 19.8. und 16.9. werden überdies Kalligraphie-Workshops mit der Künstlerin Wang Lan angeboten; Näheres dazu läßt sich beim Veranstalter erfahren.

Der zweite Teil von „Überflogenes Weiß (II)“ wird noch bis zum 28. September in der Hegenbarth Sammlung Berlin zu besichtigen sein; diese befindet sich weiterhin in der Nürnberger Straße 49 in 10789 Berlin, und ist von Dienstag bis Freitag von 12-16 Uhr sowie nach Vereinbarung für Besucher geöffnet, der Eintritt ist frei. Kontakt über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 030/236099-99.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/409-überflogenes-weiß-ii-–-tuschearbeiten-thomas-baumhekels-in-der-hegenbarth-sammlung.html
https://art-depesche.de/malerei/383-josef-hegenbarth-und-der-ferne-osten-–-ausstellung-in-berlin.html
https://www.herr-hegenbarth-berlin.de/de/die-ausstellung.html
http://www.nicolewendel.de
https://www.japan-art.com/artists/32-thomas-baumhekel/overview/
http://www.bbaw.de/forschung/turfanforschung/uebersicht