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J.E.H. MacDonald „Falls, Montreal River“ (Öl auf Leinwand, 1920, Art Gallery of Ontario, Toronto)

Die „Group of Seven“ war eine Vereinigung kanadischer Landschaftsmaler der frühen Moderne, die erste größere kanadische Künstlervereinigung überhaupt. In direktem Kontakt mit der Natur beabsichtigten sie die Schaffung einer eigenen kanadischen Malerei. Der Postimpressionist James Edward Hervey MacDonald schuf faszinierende Arbeiten, die expressiv leuchtende Farben mit Formen, die an Jugendstil und Symbolismus erinnern, verbinden.

Geboren wurde er 1873 im englischen Durham als Sohn einer englischen Mutter und eines kanadischen Schreiners. 1887 verließ die Familie England und zog nach Hamilton in Ontario. Im selben Jahr noch begann er seine künstlerische Ausbildung an der Hamilton Art School unter John Ireland sowie dem Schriftsteller und Maler Arthur Heming.

1889 zog die Familie erneut um, diesmal in die Provinzhauptstadt Toronto. Dort setzte er an der Central Ontario School of Art and Design sein Studium fort, seine Lehrer waren der Genremaler George Agnew Reid und William Cruikshank.

Insbesondere hatte er sich mit der Werbegraphik befaßt, und in diesem Metier fand er 1895 eine Anstellung bei Grip Ltd, wo er seine Fähigkeiten als Graphiker ausbaute und sich gleichzeitig weiter mit der Malerei befaßte; dort lernte er auch Tom Thomson kennen, welcher zwar starb, bevor die „Group of Seven“ gegründet wurde, aber dennoch von einigem Einfluß sein sollte.

1911 kündigte MacDonald seine Stellung und zog mit Frau und Kind nach Thornhill, um sich nun professionell der Landschaftsmalerei zu widmen, mußte allerdings dann noch eine Dekade lang kommerzielle Designaufträge annehmen, um ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Noch 1911 konnte er seine erste eigene Ausstellung in Toronto durchführen, dort traf er Lawren Harris, eines der späteren „Group of Seven“-Mitglieder, welcher sich begeistert zeigte und ihm eine Zusammenarbeit antrug, welche bereits im Folgejahr in einer gemeinsamen Ausstellung resultierte. Beide hatten sich, inspiriert von skandinavischem Impressionismus, für die bewußte Suche nach einem eigenen kanadischen Ausdruck in der Landschaftsmalerei entschieden.

In den Folgejahren ergaben sich zahlreiche weitere Künstlerkontakte. 1916 wurde ein (der Malweise van Goghs nicht unähnliches) Bild von der noch dem akademischen Weg verpflichteten Kunstkritik Kanadas verrissen, eine Feindschaft, die Bestand haben sollte. Ab 1918 organisierte er jeweils im Herbst mit anderen Künstlern Pleinair-Malreisen in den Distrikt Algoma im Nordosten Ontarios.

In diesem Geist einer spezifisch kanadischen Freilichtmalerei wurde er 1920 Mitgründer der „Group of Seven“, deren mit Abstand ältestes Mitglied er war. Die anderen Mitglieder waren Lawren Harris, Frederick Varley, Arthut Lismer, A. Y. Jackson, Frank Johnston und Franklin Carmichael, welche er, bis auf Harris und Jackson, bereits als Kollegen bei Grip Ltd in Toronto kennengelernt hatte. Eine gewisse Entfremdung zeigte sich 1924, als MacDonald zum Malen in die Rocky Mountains reiste, während die jüngeren Mitglieder begannen, sich stärker der Abstraktion zuzuwenden. Dennoch blieb die Gruppe, auch als Algonkin-Schule bekannt, noch bis 1933, kurz nach seinem Tod, bestehen.

Die letzten Jahre seines Lebens malte er weniger. 1928 wurde er noch zum Leiter des Ontario College of Art ernannt, wo er seit 1922 lehrte. 1931 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich durch einen Aufenthalt auf Barbados im Sommer 1932 zu erholen gedachte; er starb jedoch im November in Toronto und wurde im dortigen „Prospect Cemetery“ beigesetzt.

Zu seiner Hauptwirkenszeit galt MacDonald der kanadischen Kunstkritik als wilder Revolutionär, obgleich er damals bereits kein junger Mann mehr war. Er gab der Kunst seines Landes eine neue Richtung und inspirierte zahlreiche jüngere Künstler. Seine herrlich farbenprächtigen Landschaften lassen bisweilen an van Gogh, Nicholas Roerich oder Marsden Hartley denken und gehören sicher zu den faszinierendsten Werken der frühen Moderne in Kanada.

 

Verweise:

http://www.arthistoryarchive.com/arthistory/canadian/The-Group-of-Seven.html
http://www.arthistoryarchive.com/arthistory/canadian/JEH-MacDonald.html
https://www.wikiart.org/de/j-e-h-macdonald
http://www.manorhillfineart.com/pagefiles/bios/bio_macdonald.html
http://groupofsevenart.com/jeh-macdonald

J.E.H. MacDonald – kanadischer Landschafter der frühen Moderne https://art-depesche.de/images/J.E.H._MacDonald_-_Falls_Montreal_River_-_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese