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Emil Nolde „Frischer Tag am Meere“ (Öl auf Leinwand, 1906, Privatsammlung)

Potsdam – Derzeit deutlich im Schatten der großen Gerhard Richter-Ausstellung hat das Potsdamer Museum Barberini sein zweites Obergeschoß für eine eher kleine, aber doch sehr lohnende Ausstellung zur Avantgarde des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts genutzt. Unter dem Titel „Nolde, Feininger, Nay – vom Expressionismus zum Informel“ findet sich eine Zusammenstellung, deren Konzept wohl eher recht frei wirkt, die jedoch wunderbare Arbeiten beherbergt, zu großen Teilen private Leihgaben, welche den Besuch definitiv rechtfertigen.

So bietet sich uns, um das Konzept kurz zu benennen, eine Auswahl an Werken der frühen Moderne, vom Expressionismus bis zu den Anfängen des Bauhauses in Weimar, dann Schnitt: Nationalsozialismus und Bekämpfung „entarteter Kunst“. Und danach geht es gleich mit dem Informel weiter. Vielleicht doch etwas zu vereinfacht? Aber nun gut. Es ist wohl der Rahmen, der geschaffen wurde, um in den vier Räumen recht Unterschiedliches unter einen Hut zu bringen. Und das hat es sicher in sich.

Der erste große Saal ist ein Geschenk an die Liebhaber Emil Noldes. Seine frühen Landschaften, welche noch stark impressionistisch beeinflußt waren, sich jedoch bewußt ausgesprochen kräftiger Farben bedienten, bilden den Schwerpunkt, daneben gibt es herrliche Blumenbilder, von denen allerdings zumindest eines bereits in der früheren Ausstellung „Klassiker der Moderne“ zu sehen war (aber nun, warum auch nicht). Thematisiert werden der Gegensatz zu Liebermann und der Bruch mit der Berliner Secession wie auch die kurzzeitige Mitgliedschaft in der „Brücke“ 1906 und Noldes Einfluß auf deren Mitglieder. Überdies sind zwei Stilleben Schmidt-Rottluffs zu sehen.

Es schließt sich ein kleiner zweiter Raum an, welcher je zwei Arbeiten zweier prominenter Brücke-Mitglieder enthält. Kandinsky wird in seinen gegenständlichen Ursprüngen gezeigt; die Frühwerke von 1908 bzw. 1909 zeichnen sich durch kraftvollen Pinselstrich und starke Farbigkeit aus. Max Pechstein ist mit einem Stilleben sowie einer schon vergleichsweise zahmen Landschaft aus der Zeit nach der „Brücke“ vertreten.

Im zweiten großen Saal sind dann Informel und klassische Moderne zu sehen. Der Karl Hofer-Schüler Ernst Wilhelm Nay mit zwei Gemälden, mit sechs weiteren Fritz Winter, welcher selbst noch am Bauhaus gelernt hatte. Winter hatte gemeinsam mit Willi Baumeister 1949 die Gruppe der Ungegenständlichen, später (wegen ihres Bezuges auf den Zen-Buddhismus in ZEN 49 umbenannt), gegründet. Interessant an der Zusammenstellung ist, daß es Nays Lehrer Hofer und Winters Verbündeter Baumeister waren, welche 1955 die bedeutendsten Protagonisten im großen Streit zwischen Anhängern der Abstraktion und jenen der Figürlichkeit waren, welcher seinerzeit in einer uns heute kaum noch vorstellbaren Schärfe geführt wurde.

Der letzte Raum, chronologisch ein großer Schritt in die Vergangenheit, hat das Bauhaus zum Thema. Dabei ist noch einmal Kandinsky, nun mit einem bereits abstrakten Gemälde „Oben und links“ aus seiner Zeit am Bauhaus in Weimar. In zwei sehr verschiedenen Bildern treffen wir Feininger. Eines nennt sich „Der rote Clown“; in dieser frühen Arbeit von 1919 begegnen sich starke Farben und kubistischer Einfluß. In „Segelboote“ von 1954 hingegen, einem seiner letzten Bilder, ist die Farbe extrem reduziert und ein hoher Grad an Abstraktion erreicht. Der letzte im Bunde, und damit wird wohl der Bogen zu Nay und Winter geschlagen, ist Willi Baumeister, welcher selbst Bauhaus-Mitglied war. Die beiden Werke, welche hier zu betrachten sind, stammen allerdings aus den frühen 50er Jahren.

Die Ausstellung wird noch bis zum 10. Februar 2019 zu sehen sein. Die Karte kostet 14 Euro (ermäßigt 10, Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt) und gilt natürlich auch für alle anderen zeitgleich stattfindenden Ausstellungen im Barberini, was bis zum 21. Oktober 2018noch die Schau zu Gerhard Richter ist (Beitrag dazu folgt) und ab dem 17. November dann ein großer Beitrag zu dem großen Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross sein soll. Geöffnet ist das Museum am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam. Besucherservice: 0331/236014-499, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/nolde-feininger-nay-vom-expressionismus-zum-informel/
https://art-depesche.de/malerei/246-klassiker-der-moderne-im-museum-barberini.html

Nolde, Feininger, Nay – Expressionismus und Abstraktion im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/5DFB80DD-A661-4A84-BD2B-0011A7360F5E.jpg Ruedi Strese