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Ausstellungsansicht Gerhard Richter. Foto: Helge Mundt

Potsdam – Das Museum Barberini ist mittlerweile zum Garanten für erlesene Ausstellungen geworden, und auch im Fall seiner aktuellen Hauptausstellung, welche noch bis Oktober gehen wird, hat es Beachtliches zustande gebracht und präsentiert einen der bedeutendsten (nach Ansicht mancher den bedeutendsten) lebenden Künstler, Gerhard Richter, mit einer umfassenden Werkschau.

Im Fokus der Schau steht der Fokus des Werks des 1932 in Dresden geborenen Meisters der Abstraktion, nämlich die Abstraktion selbst. Von seinen frühesten, noch gegenständlichen Arbeiten, welche vor seiner Flucht aus der DDR 1961 entstanden, ist kaum etwas erhalten und nichts zu sehen, frühe abstrakte Versuche aus der Düsseldorfer Studienzeit verbrannte er selbst, es beginnt zeitlich in der Mitte der 60er Jahre und ist in Folge teils chronologisch, teils konzeptuell geordnet. Spätere gegenständliche Werke sind dem Konzept der Ausstellung entsprechend ausgelassen.

Von einem Werk aus den Beständen des Museums ausgehend, vereint „Abstraktion“ in neun größeren und kleineren Räumen etwa 80 Arbeiten aus internationalen Privatsammlungen und Museen. Wie üblich nutzt das Barberini seine Räume, um den Bildern Raum zu geben, alles kann seine Wirkung entfalten, der Besucher hat stets ausreichend Platz, ein paar Schritte zurückzutreten, und die Gemälde auch aus der Entfernung auf sich wirken zu lassen.

Der erste Saal im Erdgeschoß zeigt graue Bilder, in welchen er sich zum Teil von der Fotografie inspirieren ließ, aber nicht das Gemalte, sondern die malerischen Mittel thematisiert. Angeschlossen ist ein kleinerer Raum, in welchen einige seiner Farbtafeln aus den 60er und 70er Jahren zu sehen sind, auf welchen er sein eigenes Konzept entwickelte, welches auf das Subjektive, den künstlerischen Ausdruck verzichten sollte und stattdessen Material und Zufall entscheiden ließ. Es entstand nebenbei ein flimmernder Effekt, welcher dem Auge keine Ruhe gönnt.

Danach geht es ins erste Obergeschoß, welches in seiner Gänze Richter gewidmet ist. Hier betreten wir zuerst einen Saal mit farbkräftigen abstrakten Bildern ab 1976, in welchen er sich ausgiebig mit weichen Farbverläufen und bewußter Unschärfe arbeitete, zum Teil wurden nach fotografischen Vorlagen gemalte Bilder mit in mehreren Schichten aufgetragenen Farben übermalt, auch hier wurde der Zufall als Mitschöpfer bewußt eingesetzt. Wieder schließt sich ein kleinerer Raum an, welcher u.a. kleinere Bilder enthält, welche einerseits abstrakt sind, doch sich mit klarer Horizontlinie und etwa an Bäume erinnernden Elementen der Landschaft annähern. „128 Photos von einem Bild“ hingegen zeigt schwarz-weiße Wiedergaben von Bilddetails, welche an Bilder der Oberfläche ferner Planeten und Monde erinnern.

Im Raum „Detail und Geste. Ausschnitte und Vermalungen“ sind zum einen fotorealistische, doch vielfach vergrößerte und wiederum absichtlich unscharf gehaltene Gemälde nach Fotografien von Bildausschnitten zu sehen – genau genommen nicht abstrakt, doch durch die Vergrößerung und Unscharfe nicht mehr erkennbar. Das andere sind Vermalungen, bei welchen die Bewegung des Pinsels selbst Thema wird, mit durchaus faszinierenden Resultaten.

Weiter geht es mit dem Übergangssaal zwischen den beiden Gebäudeteilen; an den Wänden begegnen uns übermalte Fotografien, Offsetdrucke und weitere grafische Arbeiten jüngeren Datums, die Raummitte wird von einer mächtigen Installation aus Glasscheiben eingenommen, welche sehr unterhaltsame Spiegeleffekte erzeugt.

In einem weiteren Raum finden sich abstrakte Gemälde aus der Schaffenszeit von 1982-1992, in welchen er seine Arbeitsweise mit mehreren Farbschichten und verschiedenen Techniken des Farbauftrags noch verfeinert hat. Der letzte große Saal zeigt Arbeiten zwischen 1992 und 2016, einschließlich der organisch wirkenden Hinterglasbilder und des gewaltigen „Strip“, einer Anordnung computererzeugter Farbstreifen, gleichsam hinter Glas. Den Abschluß bildet nochmal ein kleinerer Raum mit neuesten Schöpfungen, abstrakten Gemälden von ausgeklügelter Technik, die beweisen, daß Richter sein Pulver noch lange nicht verschossen hat.

Die in Zusammenarbeit mit dem Gerhard Richter Archiv sowie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden organisierte Schau wird noch bis zum 21. Oktober zu sehen sein. Die Karte kostet 14 Euro (ermäßigt 10, Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt) und gilt natürlich auch für die kleineren zeitgleich stattfindenden Ausstellungen im Barberini. Geöffnet ist das Museum am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam. Besucherservice: 0331/236014-499, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Verweise:

https://www.gerhard-richter.com/de/
https://www.museum-barberini.com/gerhard-richter-abstraktion/

Abstraktion – Retrospektive zu Gerhard Richter im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/ausstellungsansicht_gerhard_richter_3.jpg Ruedi Strese