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Franz von Defregger „Das letzte Aufgebot“ (1872)

Bremen - Recht spät erst fand der Tiroler Franz von Defregger zur Malerei, doch durch ein gründliches Studium konnte er in die erste Reihe der Künstler in Bayern aufsteigen. Er befaßte sich mit Porträts und Genreszenen, besonders bekannt wurde er jedoch mit seinen genrehaften Historienbildern des gegen die napoleonische Herrschaft gerichteten Tiroler Volksaufstandes von 1809.

Zur Welt kam der Bauernsohn 1835 auf einem Hof in Osttirol. 1860 erbte er den väterlichen Hof, beschloß jedoch, nach Amerika auszuwandern, und so verkaufte er diesen. Der Plan scheiterte indes, und so ging er nach Innsbruck, wo er zunächst an der Gewerbeschule bei Michael Stolz eine Bildschnitzerlehre begann.

Auf dessen Empfehlung ging er noch im Herbst des selben Jahres nach München, um den großen realistischen Historienmaler Carl von Piloty zu treffen. Dieser riet ihm wiederum, die Vorbereitungsklasse der Kunstgewerbeschule München bei Hermann Dyck zu besuchen. Im Folgejahr bestand er die Aufnahmeprüfung der Akademie der Bildenden Künste und konnte nun bei Hermann Anschütz studieren, seinerseits Schüler des bedeutenden Nazareners Peter Cornelius.

Ein längerer Studienaufenthalt verschlug ihn 1863-65 nach Paris, wo er an der École des beaux-arts eingeschrieben war und 1864 sogar am Salon des Refusées ausstellte, welcher im Vorjahr von Napoléon III als Parallelveranstaltung zum offiziellen Pariser Salon initiiert worden war und einen wesentlichen Markstein bei der Entstehung der Moderne, speziell des Impressionismus, darstellte. Darüber hinaus nutzte Defregger die Pariser Zeit zu ausgiebigen Studien auf eigene Faust.

Ab 1865 hielt er sich vor allem im München und Osttirol aus und befaßte sich vor allem mit der Porträtmalerei, in welcher er sich als ausgesprochener Könner erwies. 1867 dann wurde er als Schüler und Mitarbeiter im Atelier des Meisters Carl von Piloty aufgenommen. Allerdings fand er seinen ganz eigenen Stil abseits der großangelegten, heroischen Gemälde Pilotys und malte auch historische Szenen volkstümlich, nach Art von Genreszenen, womit er große Erfolge feierte. Auch das bäuerliche Leben und die Landschaft brachte er gerne auf die Leinwand.

1878 wurde er dann selbst Professor für Historienmalerei in der Komponierklasse der Münchner Akademie; er lehrte dort bis 1910 und wirkte innerhalb der Münchner Schule schulbildend, beeinflußte zahlreiche jüngere Künstler. Unter seinen Zöglingen finden sich Namen wie Lovis Corinth, Hugo Engl, Fritz Prölß und viele mehr. 1883 wurde er mit dem Verdienstorden der bayerischen Krone geehrt und damit als Ritter in den persönlichen Adelsstand erhoben.

Er lebte hauptsächlich in München, wo seine Villa zum bedeutenden Treffpunkt gehobener Kreise wurde, hatte jedoch seinen Zweitsitz in Bozen. 1905 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt München verliehen. Die anbrechende Moderne ließ ihn nun etwas ins Abseits geraten, doch er blieb noch lange schöpferisch tätig, bis er 1921 in München starb.

 

Verweise:

https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artist/franz-von-defregger
http://www.kettererkunst.de/bio/FranzvonDefregger-1835-1921.php
https://www.dorotheum.com/sparten/k/bilder/kuenstler/franz-von-defregger.html?tx_onkuenstlerarchiv_artists%5B%40widget_1%5D%5BcurrentPage%5D=1
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Defregger,+Franz+von

Franz von Defregger – Historienmaler aus der Münchner Schule https://art-depesche.de/images/Defregger_Das_letzte_Aufgebot.jpg Ruedi Strese