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Eugen von Kahler „Orientalisches Märchen“ (1910)

Bremen - Der Expressionismus hat bekanntlich eine größere Zahl von Künstlern hervorgebracht, welche, aus verschiedenen Gründen, kein hohes Alter erreichten. Wir denken an Franz Marc, August Macke, Georg Trakl und Georg Heym. In diese Reihe gehört auch Eugen von Kahler, ein Maler, Grafiker und Dichter, dessen Hauptwirkensort in Prag lag.

Geboren wurde er 1882 (also ein Jahr vor Kafka) in Prag in die jüdische Industriellenfamilie Kohn, welche 1894 ihren Namen in Kahler ändern ließ. Nach dem Besuch des deutschen Gymnasiums in Prag ging er an die dortige Handelsakademie; in dieser Zeit erhielt er von Heinrich Jakesch seinen ersten Zeichenunterricht.

Anschließend lebte er von 1901-05 in München, er lernte an der Zeichenschule von Heinrich Knirr und danach an der Kunstakademie bei Franz von Stuck; Kommilitonen waren hier u.a. Hans Purrmann und Rudolf Levy. Ergänzend nahm er privaten Unterricht bei Hugo von Habermann d.Ä.. Beeinflussen ließ er sich von verschiedensten Künstlern, den französischen Impressionisten wie Manet, Postimpressionisten wie Cézanne, Gauguin und van Gogh, alten Meistern, Art Nouveau… allerdings litt er bereits seit 1900 an Tuberkulose, was sich als sein Menetekel erweisen sollte.

Es folgte eine Zeit in Berlin, danach ging er bis 1907 nach Paris, wo er sich u.a. mit Kursen im Aktzeichnen und ausgiebigen Museumsbesuchen befaßte. Er hielt sich im Umfeld des von zahlreichen Künstlern frequentierten Café du Dôme auf und beteiligte sich an Ausstellungen im Herbstsalon sowie im Salon der Unabhängigen.

Ursprünglich war seine Lungenkrankheit der Grund, weshalb er das warme Klima Nordafrikas aufsuchte (1908 Ägypten, 1909-10 Algerien und Tunesien), doch wurden diese Reisen auch zur bedeutenden Quelle künstlerischer Inspiration; die orientalische Thematik fand sich in einer Reihe seiner Arbeiten.

1910 verbrachte er mehrere Monate in London, danach zog er wieder nach München, nahm an der zweiten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München teil. 1911 wurde der Vater in Böhmen in den Adelsstand erhoben, wodurch auch Eugen den Titel des Ritters erhielt. Seine erste Einzelausstellung fand im Oktober 1911 in der Münchner Modernen Galerie Heinrich Thannhausers statt.

Im Dezember 1911 erlag Eugen von Kahler der Tuberkulose. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Prag beigesetzt. Sein Cousin Heinrich von Kahler, ein Schriftsteller, kümmerte sich um den Nachlaß und entdeckte zahlreiche Gedichte, welche später auch veröffentlicht wurden. Der Blaue Reiter eröffnete seine erste Ausstellung wenige Tage nach Kahlers Tod und zeigte auch zwei von dessen Werken (eines davon im Besitz von Franz und Maria Marc). Den Nachruf für den im Mai 1912 veröffentlichten Almanach „Der Blaue Reiter“ verfaßte kein Geringerer als Wassily Kandinsky.

 

Verweise:

http://www.kunstmarkt.com/pagesprz/eugen_von_kahler/_i112113_d157520_r112127-/show_praesenz.html
http://www.bbkult.net/kalender/details/11546999158226.html
http://www.biographien.ac.at/oebl_3/174.pdf
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/eugen-von-kahler/

Der Prager Expressionist Eugen von Kahler https://art-depesche.de/images/Kahler-Fairytale.jpg Ruedi Strese