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Giovanni Segantini „Das Pflügen“ (1890) - Neue Pinakothek München | Quelle: ARTemis Invest

München - Über die Zuordnung des Werkes Giovanni Segantinis streiten sich die Gelehrten. Oft wird er den Symbolisten zugerechnet. Sein Naturerleben einschließlich mystischer Überhöhung erinnert dabei an die deutsche Romantik, er nutzte pointillistische Techniken, ohne den verbreiteten Materialismus dieser Strömung zu teilen, er wollte andererseits Wirklichkeit wiedergeben, ähnlich den Naturalisten, jedoch nicht als anklagendes Programm, sondern als Ausdruck der Sympathie für das einfache und naturnahe Leben der von ihm bevorzugt dargestellten Bevölkerung der Berglandschaften.

Über die frühen Jahre Segantinis, der einer italienischstämmigen Familie entstammte, läßt sich wenig Erbauliches sagen. 1858 in Arco / Südtirol (damals Österreich, heute Italien) als Sohn eines Schreiners und dessen dritter Frau geboren, verlor er seine Mutter bereits im Alter von sieben Jahren, worauf der alkoholabhängige Vater ihn bei seiner Halbschwester in Mailand in Obhut gab. Das Verhältnis war so schlecht, daß diese ihm durch die Behörden die österreichische Staatsbürgerschaft nehmen ließ, ohne jedoch die italienische zu beantragen, weshalb Segantini bis zum Tod staatenlos blieb. Als er nur acht Jahre alt war, starb auch der Vater. 1870 ohne Papiere gefunden, kam er in eine Erziehungsanstalt, wo er zum Schuster ausgebildet wurde.

Ein Geistlicher aus dieser Anstalt entdeckte jedoch sein künstlerisches Talent und ließ ihn modellieren und zeichnen. 1873 konnte er mit Hilfe eines Halbbruders die Anstalt verlassen und 1875 kam er nach Mailand, wo er bei dem Schriftsteller und Maler Luigi Tettamanzi als Gehilfe arbeiten und Zeichenunterricht nehmen konnte. Zudem schrieb er sich an der Mailänder Kunstakademie ein.

1879 konnte er bei einer nationalen Ausstellung mit seinem ersten größeren Gemälde, dem „Chor der Kirche von Sankt Antonio" durch seine besondere Fähigkeit zur Umsetzung der Lichtwirkung erstmals Aufmerksamkeit erregen. Eine Preisverleihung für dieses Werk verhinderten übelwollende Personen, indem sie darauf pochten, daß Segantini Österreicher und kein Italiener sei. Der angesehene Kunsthändler Grubicy nahm sich seiner an und brachte ihn mit den Strömungen des Luminismus und Neoimpressionismus in Berührung, was ihn nachhaltig beeinflussen sollte.

1881 zog er mit seiner Lebensgefährtin (er durfte wegen der fehlenden Papiere nicht heiraten) nach Brianza, wo er sich von akademischen Stoffen ab- und der Freilichtmalerei und ländlichen Themen zuwandte. Nach einer kurzen Zeit in Mailand, wo er Aufträge für wohlhabende Bürger ausführte, ging er 1886 mit seiner Familie nach Savognin (Graubünden / Schweiz), wo sie bis 1894 leben sollten. Hier widmete er sich der Alpenlandschaft und ihren Bewohnern. Er begann, die Punktiertechnik des Neoimpressionismus anzuwenden, stellte sie jedoch in den Dienst einer atmosphärischen Wiedergabe des Gesehenen, statt sie wie dessen „reinere“ Vertreter mathematisch-mechanisch zu verabsolutieren. In dieser Zeit erlangten seine Werke Berühmtheit in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und sogar Japan, Künstler wie Max Liebermann und Ludwig Fulda gehörten zu seinen Verehrern.

1894 siedelte die Familie aus vorrangig finanziellen Gründen nach Maloja um. Die Bilder, welche er malte, gehörten zu den teuersten seiner Zeit. Allegorische Elemente in seinen lichten Berglandschaften brachten ihn in die Nähe des Symbolismus, welchem seine späteren Arbeiten zum Teil zugerechnet werden. Für die Weltausstellung in Paris 1900 plante er ein Panorama des Engadin, in welchem das Triptychon der Natur eingefügt sein sollte. Das Werk wurde nie fertig, Segantini starb im September 1899 in einer Berghütte hoch auf dem Schafberg über Pontresina, vermutlich an einer Bauchfellentzündung, in einer Zeit, als er noch am Mittelteil des Triptychons arbeitete. Sein Freund Giovanni Giacometti besuchte sein Totenbett und hielt den Leichnam in postimpressionistischem Stil fest, das Antlitz ganz in Licht gehüllt.

 

Verweise:

http://www.segantini.com/giovanni-segantini
http://www.segantini-museum.ch/giovanni-segantini/biografie.html

Giovanni Segantini - eigenwilliger Meister der Alpenlandschaft https://art-depesche.de/images/IMG_0817_1024px.jpg Ruedi Strese