static-aside-menu-toggler
gkSearch
Hanns Bolz „Bildnis Alfred Flechtheim“ (Öl auf Leinwand, 1910)

Bremen - Einer der recht zahlreichen Frühverstorbenen des Expressionismus war der Aachener Hanns Bolz. Von seinem Werk ist überdies nicht viel erhalten geblieben, indes reicht das, was uns zugänglich ist, um ihn unter die bedeutenden Pioniere der Moderne einzureihen. Von einem verträumten Frühwerk über seine expressionistische Phase wandte sich der Maler, Grafiker und Bildhauer schließlich der Strömung des Kubofuturismus zu.

Geboren wurde Bolz 1885 in Aachen; seine Schulzeit verbrachte er dort sowie in Köln. Noch vor Beginn seines Studium entstanden die ersten interessanten Arbeiten, etwa das Aquarell „Romantische Burg“ (1903), welches vielleicht am ehesten dem Symbolismus zuzurechnen sein mag – für das Hauptwerk Bolz’ sicher nicht repräsentativ, läßt es jedoch bereits ein beachtliches Talent erkennen.

Von 1905 bis 1908 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie. Anschließend hielt er sich bis 1911 in Paris auf. Sein Atelier auf dem Montmartre, in der Rue Gabrielle 49, war zuvor für eine Weile von Picasso genutzt worden. Die Pariser Zeit wurde bestimmend für Bolz’ künstlerischen Weg; Expressionismus, Fauvismus und russischer Kubofuturismus wurden die prägenden Einflüsse. Oft hielt er sich im Künstlerkreis des Café du Dome auf, pflegte den Kontakt mit Hans Purrmann, Rudolf Levy und dem Kunsthändler Alfred Flechtheim, welchen er später auch porträtieren sollte.

Die Jahre 1911/12 hielt er sich in München auf, beteiligte sich an der Zeitschrift „Komet“, war mit Richard Seewald und der Redaktionsgemenschaft Der Blaue Reiter um Kandinsky und Marc befreundet. Noch 1912 kehrte er jedoch nach Paris zurück; sein Atelier hatte er am Montparnasse. Hier ließ er sich von Guillaume Apollinaire beeinflussen und ging zusehends in Richtung Abstraktion. Es entstanden kubofuturistisch aufgebrochene Stadtansichten und geometrische Kompositionen.

Die drei großen internationalen Ausstellungen der Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg waren jene des Kölner Sonderbundes von 1912, die Armory-Show in New York 1913 sowie, im gleichen Jahr, der 1. Deutsche Herbstsalon der Galerie Sturm Herwarth Waldens. Als einziger deutscher Künstler war Bolz an allen dreien beteiligt. Studienreisen führten ihn nach Madrid, Venedig, London und Oslo.

1914 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen; an der Front wurde er Opfer eines Gasangriffs, erlitt schwere Vergiftungen und erblindete fast; 1917 wurde er deshalb vorzeitig entlassen. Er hielt sich vorwiegend in Köln auf, war mit Otto Freundlich und Max Ernst eng verbunden. Malen konnte er nun nicht mehr und befaßte sich fast nur noch mit der Skulptur, allerdings ohne kommerziellen Erfolg. Er starb 1918 in München in Folge seiner Kriegsverletzungen.

Er hatte verfügt, daß seine Werke nach seinem Tod vernichtet werden sollten, indes wurde dieser Wille glücklicherweise ignoriert. Flechtheim gelang es, einen größeren Teil der Arbeiten zu retten und zu katalogisieren; die späten Skulpturen gingen größtenteils in den Besitz Max Ernsts über. 1922 führte Flechtheim in seiner Galerie eine Gedenkausstellung durch.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/hanns-bolz/
http://www.mies-van-der-rohe-haus-aachen.de/index.php?id=19
https://de.artprice.com/artist/89412/hanns-bolz
http://www.kettererkunst.de/result.php?kuenstlernr=501997&auswahl=vk&shw=1
http://kunst.freepage.de/kukies/index.htm

Hanns Bolz – ein Pionier der deutschen Moderne https://art-depesche.de/images/Bildnis_Alfred_Flechtheim.jpg Ruedi Strese