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Benno Berneis „Reiter am Meer“ (Öl auf Leinwand, 1913, Berlinische Galerie Fürth)

Bremen - Ein weiterer Kriegsverlust des frühen Expressionismus (die berühmtesten dürften wohl Franz Marc und August Macke sein) war der noch im Impressionismus wurzelnde Benno Berneis aus Fürth. Lange weitgehend vergessen, wurde sein Werk erst in jüngster Vergangenheit wiederentdeckt.

1883 wurde er in Fürth als Sohn des jüdischen Schuhfabrikanten Albert Berneis geboren. Das Thema seiner Herkunft sollte ihn später noch ausgiebig beschäftigen. 1902 begann er seine künstlerische Ausbildung an der Münchner Malerschule bei Moritz Heymann, dessen impressionistische Malweise er zunächst übernahm.

1906 ging er nach Berlin, lernte weiter bei den bekanntesten deutschen Impressionisten Max Slevogt, Max Liebermann und Lovis Corinth und durfte dank der Fürsprache Slevogts noch im selben Jahr an der Winterausstellung der Berliner Secession teilnehmen; an den Sommerausstellungen der folgenden Jahre war er ebenfalls vertreten. 1909 konnte er gar eine Ausstellung im Salon Paul Cassirers bestreiten, und zwar gemeinsam mit keinem Geringeren als Henri Matisse. Damals bediente er sich zwar bisweilen noch des impressionistischen Pinselstrichs, durch Farbgebung, Motivwahl und Formen war er jedoch bereits eindeutig den Expressionisten zuzurechnen.

1914 gab es bei Cassirer eine weitere Gemeinschaftsausstellung mit seinem Freund, dem Bildhauer August Gaul; Arbeiten Camille Pissarros waren dort ebenfalls zu sehen. Auch in jenem Jahr beteiligte er sich an der Gründung der Freien Secession um Max Liebermann, in deren Vorstand er per Los gewählt wurde.

Vermutlich bereits mit der Scheidung seiner ersten Ehe 1906 war er aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten und wurde fortan in offiziellen Dokumenten als Dissident geführt; in einer Debatte mit Erich Mühsam von 1912 verwarf er dessen Ansicht über die immer noch bestehende Nähe auch atheistischer Juden untereinander, Berneis fühlte sich als Deutscher. Allerdings spielten biblische Themen aus Altem wie Neuem Testament in seinem Werk eine große Rolle.

Als der Erste Weltkrieg begann, diente er zunächst als Reiter in einer bayerischen Train-Abteilung, zuständig für die Koordination des Proviantnachschubs für die Front. Mitte 1915 wurde er zum Leutnant befördert und meldete sich freiwillig bei den Luftstreitkräften. Er wurde zum Flugzeugführer ausgebildet und an der Westfront vorrangig zur Aufklärung feindlicher Artilleriestellungen eingesetzt. Er starb im August 1916 im Kampfeinsatz über der französischen Gemeinde Saint-Souplet und wurde auf dem deutschen Soldatenfriedhof Mont Saint-Remy in den Ardennen beigesetzt.

Sein Sohn Peter Berneis (1910-1985), aus zweiter Ehe mit der Schauspielerin Gertrud Eysodt, wurde später ein erfolgreicher Schauspieler und Drehbuchautor. 2015 veranstaltete die Berlinische Galerie eine umfassende Gedenkausstellung, es folgte im Sommer 2018 die kunst galerie fürth. Der Enkel Michael Berneis betreibt die Netzseite benno.berneis.com, welche dem Leben und Werk dieses lange zu Unrecht vergessenen Expressionisten gewidmet ist.

 

Verweise:

https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Benno_Berneis
https://www.br.de/nachrichten/kultur/der-wiederentdeckte-benno-berneis-in-der-kunst-galerie-fuerth,QyVySbQ
https://www.berlinischegalerie.de/sammlung/neuzugaenge/spaete-rueckkehr-benno-berneis/
http://benno.berneis.com/
https://www.fuerth.de/kunstgaleriefuerth/desktopdefault.aspx/tabid-1254/2128_read-27816/

Aus dem Vergessen geholt: der Expressionist Benno Berneis https://art-depesche.de/images/Benno_Berneis_-_Reiter_am_Meer_1913.jpg Ruedi Strese