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Paul Müller-Kaempff „Abendstimmung am Darß“ (1898, Öl auf Leinwand, 109 x 148,5 cm Kunstmuseum Ahrenshoop, Fotografie: Robert Dämmig)

Bremen - Er gilt als der Mann, der das beschauliche Fischerdorf Ahrenshoop auf dem Darß für die Freilichtmalerei entdeckte und so den Startschuß für eine der bedeutendsten deutschen Künstlerkolonien gab, welche (mit Unterbrechungen) bis heute besteht. Mit seinen zwischen Naturalismus und Impressionismus zu verortenden norddeutschen Landschaften der Dünen, Fischerdörfer und Seen erwies er sich als Meister im Einfangen von Stimmungen der Natur.

Geboren wurde er als Paul Müller 1861 in Oldenburg als Sohn des Militär- und Augenarztes Dode Emken Müller (Kaempff, den Familiennamen der Mutter, nahm er vermutlich in seinen Studienjahren erst als zusätzlichen Namen an). 1881 (82?) schloß er das Gymnasium in Oldenburg ab, 1882 studierte er zunächst an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Im Folgejahr bereits wechselte er nach Karlsruhe. An der dortigen Akademie wurde sein Lehrer der seinerzeit namhafte Landschaftsmaler Gustav Schönleber (1851-1917), welcher ihm die Grundlagen seiner Kunst vermittelte, insbesondere die genaue Beachtung der Lichtverhältnisse. In Karlsruhe blieb er bis 1886.

Darauf ging er nach Berlin, wo er bis 1888 als Meisterschüler im Atelier des norwegischen Landschafters Hans Frederik Gude (1825-1903) Unterricht nahm; dort lernte er auch seinen Freund Georg Müller vom Siel kennen. Gude legte besonderen Wert auf Genauigkeit in der Zeichnung. Müllers erste bekannte Zeichnung stammt aus dem Jahr 1887, 1888 konnte er in Magdeburg erstmalig seine Ölbilder ausstellen. Studienreisen führten ihn in den Schwarzwald, an die Nordseeküste und an den Gardasee.

1889 schließlich entdeckte er, gemeinsam mit seinem Malerfreund Oskar Frenzel, das idyllische Ahrenshoop, etwa zur gleichen Zeit, als die Künstlerkolonie Worpswede entsteht. 1890 sollte er erstmalig die Sommermonate in Ahrenshoop verbringen.

Seßhaft wurde er dort jedoch erst 1892 mit dem Bau seines eigenen Hauses; dies führte zur Etablierung der Künstlerkolonie. In den folgenden Jahren errichteten weitere Künstler ihre Eigenheime, darunter Elisabeth von Eicken, Anna Gerresheim, Friedrich Wachenhusen und Fritz Grebe; Ahrenshoop wurde nun vollends zum Künstlerdorf.

Trotz aktiver Ausstellungstätigkeit konnte er zunächst vom Verkauf seiner Bilder allein nicht leben, und so eröffnete er 1894, gemeinsam mit Wachenhusen, seine Malschule einschließlich Pension für den anreisenden Künstlernachwuchs. Der Erfolg ließ dann nicht mehr lange auf sich warten, die Ölgemälde, Pastelle, Zeichnungen und Aquarelle fanden hervorragenden Absatz; Müller-Kaempff wurde zu einem der beliebtesten Landschafter seiner Zeit. Museen sowie Privatsammler in Deutschland und aller Welt wurden seine Abnehmer.

1897 heiratete er seine ehemalige Schülerin Elsbeth Schwager, welche als Partnerin in seinen Unternehmungen großer Bedeutung erlangte. Er beteiligte sich in der Ahrenshooper Kommunalpolitik und hielt die Kontakte in seine Heimatstatdt Oldenburg, wo er 1906 den Professorentitel erhielt und im Jahr darauf zum Vorsitzenden des dortigen Künstlerbundes wurde.

1908 besuchte er seinen Studienfreund Georg Müller vom Siel in der Künstlerkolonie Dötlingen, wo wiederum zahlreiche Arbeiten entstanden. Im selben Jahr gab er jedoch bereits die Leitung seiner Malschule ab. 1914 schließlich fand die Künstlerkolonie in ihrer Urform ein allmähliches Ende; der Erste Weltkrieg begann, und künstlerisch war der Expressionismus zur treibenden Kraft geworden, dem gegenüber die „klassische“ Freilichtmalerei an Popularität verloren hatte.

1915 zog er nach Berlin, 1918 schließlich wurde die Dauerausstellung in Ahrenshoop eingestellt, 1919 verkaufte er seine Malschule; das Haus wurde von nun lediglich als Pension weitergeführt. 1922 erfolgte auch der Verkauf des Wohnhauses; als Künstler konnte er sich nicht mehr behaupten. Die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1941 verbrachte er größtenteils, von finanziellen Sorgen geplagt, in Berlin.

Bestattet worden war er ursprünglich in Stahnsdorf bei Kleinmachnow im Berliner Umland, doch wurde er 2017 nach Ahrenshoop umgebettet. Derzeit arbeitet übrigens der Magdeburger Mediziner Dr. Konrad Mahlfeld an der Erstellung eines Werksverzeichnisses, ein erster Band ist im Frühjahr 2017 bereits erschienen.

 

Verweise:

http://www.paul-mueller-kaempff.de/
http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ribnitz-Damgarten/Paul-Mueller-Kaempff-ruht-jetzt-in-Ahrenshoop
http://www.ahrenshoop-kunst.de/gruendergeneration/paul-mueller-kaempff/
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/paul-m%C3%BCller-kaempff/
http://www.kettererkunst.de/result.php?kuenstlernr=14467&auswahl=vk&shw=1
https://www.volksstimme.de/kultur/kuenstlerkolonie-magdeburger-forscht-zu-ahrenshoop

Paul Müller-Kaempff – Gründervater der Künstlerkolonie Ahrenshoop https://art-depesche.de/images/Mller-Kaempff_Abendstimmung_am_Dar_1898.jpg Ruedi Strese