static-aside-menu-toggler
gkSearch
Arent de Gelder „Titus als Mönch“ (Handzeichnung, ca. 1660, aus dem Kupferstichkabinett)

Berlin – Das Kupferstichkabinett der Hauptstadt besitzt eine der umfangreichsten und bedeutendsten Graphiksammlungen weltweit, und darunter eine große Anzahl von Arbeiten Rembrandts. Der Bestand dieser ist jedoch offiziell geschrumpft, allerdings nicht durch Verluste, sondern durch Neuzuordnungen, denn viele werden jetzt nicht mehr dem Meister zugerechnet, sondern seinen Schülern, welche dadurch ihrerseits an Kontur gewinnen. Diesen Arbeiten widmet sich die noch bis zum 18.11.gehende Sonderausstellung „Aus Rembrandts Werkstatt“.

Holm Bevers, scheidender kommissarischer Direktor des Kupferstichkabinetts, gilt als einer der führenden Rembrandt-Spezialisten. 2006 legte er einen kritischen Katalog der Rembrandt-Zeichnungen vor, aus welchem er die Arbeiten, die früher als Rembrandts galten, welche er nun seinen Schülern zurechnete, aussortiert hatte. 12 Jahre später erscheint nun, als Ergänzung und im Kontext seiner Abschiedsausstellung im Kupferstichkabinett, der Gegenpart unter dem Titel „Zeichnungen der Rembrandtschule im Berliner Kupferstichkabinett: Kritischer Katalog“, welcher sicher zu Diskussionen führen wird (und auch soll).

Etwa 100 dieser Arbeiten, ergänzt durch Leihgaben anderer Sammlungen, werden dem Besucher präsentiert, in gelungener Beleuchtung und Anordnung. Zum Vergleich werden Arbeiten des Meisters dazwischengestreut, und näher beieinander befindliche Zeichnungen sind auch im Zusammenhang zu betrachten. In den von Bevers verfaßten Begleittexten wird auf Besonderheiten hingewiesen, und auf die Gründe, welche ihn motivierten, das jeweilige Bild Rembrandt zuzuschlagen (oder eben nicht).

Nicht zuletzt geht es auch um Rembrandts spezielle Bedeutung als Lehrer und seine Lehrmethode. Etwa 50 seiner zahlreichen Schüler sind namentlich bekannt, und nach dem Verlassen der Werkstatt orientierten sich einige von diesen weiterhin am Meister, während andere ihren eigenen Stil entwickelten – Rembrandt hat solche Eigenständigkeit durchaus gefördert. Die durchschnittlich hohe Qualität der Schülerarbeiten wird indes nicht nur seinen Fähigkeiten als Lehrer zugeschrieben, sondern auch einer strengen Vorauswahl – ein gewisses Talent mußte der Adept schon von sich aus mitbringen.

Zu manchen der Schüler gibt es interessante Erläuterungen. So gibt es keine bekannte Quelle, welche Anthonie von Borssom (1630-77) als Schüler Rembrandts ausweist – nur durch den Vergleich bekannter Arbeiten dieses Künstlers mit solchen aus der Rembrandtschule speist sich das Urteil. Eine „Verkündigung an Maria“ des Constantijn Daniel von Renesse (1626-80) weist eigenhändige Korrekturen des Meisters auf. Als besonders eigenständig und stark erwies sich Rembrandts letzter Schüler Arent de Gelder (1645-1727), der mit einer Reihe von Arbeiten vertreten ist.

Alles in allem zeigt „Aus Rembrandts Werkstatt“ einmal mehr, daß die Zeichnung ein überaus spannendes Forschungsfeld ist, und auch der Laie wird hier seinen Blick schärfen können. Das Kupferstichkabinett befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet ist es von Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 11-18 Uhr; der Eintritt kostet 8,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/kupferstichkabinett/ausstellungen/detail/aus-rembrandts-werkstatt.html
https://www.codart.nl/guide/curators/dr-holm-bevers/

Zeichnungen aus der Rembrandtschule im Kupferstichkabinett https://art-depesche.de/images/50832D99-0864-46B6-8D3B-EA40DB04DCFE.jpg Ruedi Strese