static-aside-menu-toggler
gkSearch
Otto Mueller „Badende im Schilfgraben“ (Leimfarbe auf Rupfen, um 1924)

Berlin – Otto Mueller machte sich zuerst als Mitglied der Künstlervereinigung „Brücke“ einen Namen und gehört zu den bekannten Vertretern des deutschen Expressionismus. Im „Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart“ wird noch bis zum 3. März 2019 eine „MALER. MENTOR. MAGIER. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau“ getaufte Ausstellung zu sehen sein, welche sich vor allem mit der Breslauer Zeit Muellers und den dort mit ihm freundschaftlich oder kollegial verbundenen Künstlern und seinen Schülern befaßt.

Mueller war 1910 der „Brücke“ um Max Pechstein, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff beigetreten. Diese hatte sich jedoch 1913 aufgrund interner Differenzen aufgelöst. 1919 erreichte ein Ruf aus dem niederschlesischen Breslau Mueller; ihm wurde an der dortigen Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe eine Professur angeboten. Er nahm an, und war dort und auf seinen Reisen bis zum letzten Lebensjahr 1930 überaus schöpferisch; seine bekannten Zigeunerbilder stammen aus jener Zeit.

Die recht umfassende Ausstellung beginnt mit einem Blick auf Muellers Zeit mit der Brücke und seine Bezüge zu deren Mitgliedern. Erläuterungen zu den einzelnen Abschnitten gibt es auf Deutsch und Polnisch (eine englische Fassung als Druckwerk), doch im Verlauf der Ausstellung wird klar, daß diese lediglich als begleitende Information, weniger als strenge Gliederung betrachtet werden sollten, in dieser Hinsicht ist das Konzept also nicht ganz überzeugend, weshalb auch wir uns hier nicht an der räumlichen Anordnung festhalten werden.

Mueller ist mit zahlreichen Arbeiten in seinem bekannten Stil vertreten, gemalt meist nicht mit Öl- sondern mit Leimfarben auf Rupfen, also grobem Sackleinen. „Badende im Schilfgraben“ (um 1924) ist vielleicht das schönste dieser Bilder, doch auch das wüste „Selbstbildnis mit Pentagramm“ aus der gleichen Zeit muß erwähnt werden. Interessant ist auch eine Serie von Fotografien der Mueller-Gedenkausstellung in Berlin 1931.

Zum Teil Bedeutendes gibt es von Muellers Lehrerkollegen der Breslauer Akademie, darunter Carlo Mense, Vertreter der Neuen Sachlichkeit (ab 1925 in Breslau), der zur Abstraktion tendierende Johann Molzahn (1928-33 Lehrer) und der von Matisse beeinflußte Oskar Moll (lehrte dort 1918-32, ab 1926 Universitätsdirektor). Georg Muche vom Dessauer Bauhaus kam erst nach Muellers Tod, ist aber dennoch mit einigen Arbeiten vertreten. Oskar Schlemmer kam 1929 ebenfalls vom Dessauer Bauhaus, er lehrte dort bis 1932 und ist mit mehreren Werken in seinem eigenwillig technisch anmutenden Stil dabei, darunter einigen Gemälden sowie einer Vorstudie zu seiner berühmten „Bauhaustreppe“. Nicht vergessen werden sollte Alexander Kanoldt, der 1925-31 in Breslau wirkte, Meister der magisch-realistischen Variante der Neuen Sachlichkeit. Von ihm gibt es drei Gemälde einschließlich des beeindruckenden Selbstbildnisses von 1929.

Eine kleine Ecke zeigt Bilder mit verschiedenen jüdischen Bezügen von Heinrich Tischler, Carlo Mense und Jankel Adler. Über die Ausstellung verteilt finden sich mehrere Werke polnischer Künstler, von der frühen Moderne, etwa Stanislaw Kubicki (1889-1943), Ludwig Peter Kowalski (1891-1967) oder Henryk Berlewi (1894-1967) bis zum zeitgenössischen Neoexpressionismus (Zdzislaw Nitka, *1962).

Ein letzter Schwerpunkt gilt den verschiedenen Schülern Muellers, dabei sind Jan Cybis (der damals einzige polnische Schüler, später bedeutender Vertreter des polnischen Kolorismus), Horst Stempel mit zwei Ölbildern, Alexander Camaro, Isidor Aschheim, Grete Jahr-Queißer und Willy Schmidt. Eine besondere Überraschung finden wir zum Ende hin. Wojciech Weiss (1875-1950) gilt als einer der frühesten polnischen Expressionisten; er stand unter dem Einfluß der Norweger Edvard Munch und Gustav Vigeland, sein Abendstrahl (1898) läßt vermuten, daß hier noch Bedeutendes seiner Entdeckung (durch die Kunstfreunde außerhalb Polens) harrt. Alles in allem überaus interessant; einziger größerer Schwachpunkt der Schau ist die nicht ganz überzeugende Gliederung.

Der Hamburger Bahnhof befindet sich in der Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin, unweit des Hauptbahnhofs, und hat am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-18, am Donnerstag von 10-20 sowie am Wochenende von 11-18 Uhrgeöffnet. Der reguläre Preis für die Sonderausstellung beträgt 8,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/en/museums-institutions/hamburger-bahnhof/exhibitions/detail/maler-mentor-magier.html
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/maler-mentor-magier.html
https://www.freunde-der-nationalgalerie.de/de/projekte/ausstellungen/2018/otto-mueller.html

Otto Mueller und sein Umkreis in Breslau – Ausstellung im Hamburger Bahnhof https://art-depesche.de/images/45BBF6FA-7D17-42B5-A970-23D3815E905E.jpg Ruedi Strese